Sport | Fußball
18.04.2012

Mario Gomez scheidet die Geister

Er verwöhnt nicht unbedingt die Fußball-Feinschmecker. Doch sein Torinstinkt lässt die Bayern träumen.

Mario Gomez – vorbei. Mario Gomez – darüber. Mario Gomez arbeitet. Er ist überall dort, wo es nach Ansicht der Experten wehtut. Vor dem gegnerischen Tor nämlich, im Gewühl, ständig dem verzweifelten Treten und Zupfen des Verteidigers ausgesetzt.

Und Mario Gomez trifft. Mit irgendeinem Körperteil, wenn’s sein muss. Im ersten Halbfinalspiel gegen Real Madrid war es das Knie. Sein 12. Tor in der Champions League. Die Bayern dürfen tatsächlich zumindest noch eine Woche lang vom Endspiel im eigenen Stadion träumen.

Zwiespalt

Trotzdem: Der 26-Jährige scheidet noch immer die Geister. Er wandelt zwischen den Namensgebungen "unaufhaltsame Tormaschine" und "technisch limitierter Fußball-Athlet", dessen Spielweise keineswegs auf seine spanischen Wurzeln schließen lässt. Für viele sorgte Gomez jedenfalls für den größten Aufreger, als er vor eineinhalb Jahren schwule Fußballer aufforderte, sich zu outen. "Sie würden dann wie befreit aufspielen. Schwulsein ist doch längst kein Tabuthema mehr."

Auf der sportlichen Ebene ist der Bayern-Stürmer jedenfalls dazu verdammt, Zahlen sprechen zu lassen. Damit ihm die Kritiker oft schon nach zwei torlosen Spielen keine Krise andichten. Es gelingt bisweilen ziemlich zufriedenstellend. Als vor dem Achtelfinalspiel gegen Basel der österreichische Verteidiger Aleksandar Dragovic die fußballerische Qualität seines unmittelbaren Widersachers infrage stellte, antwortete Gomez klar und deutlich. Mit vier Toren.

Belohnung

Neben dem vollen Dutzend in der Champions League füllt Gomez auch die Tore in der Bundesliga. 25 Treffer bedeuten die Führung in der Torschützenliste. Die Belohnung für eine dermaßen hohe Effektivität: Der Vertrag mit Gomez wurde vom FC Bayern erst kürzlich bis 2016 verlängert.

Wie er zu seinen Erfolgserlebnissen kommt, ist eigentlich egal. Ihm sowieso. Sein Kommentar nach dem Spiel gegen Real Madrid dokumentiert die vom Instinkt geprägte Zielstrebigkeit des Mannes mit der einprägsamen Rückennummer 33: "Ich bin einfach blind durchgelaufen, weil ich mir dachte, der wird jetzt reinkommen. Ich weiß gar nicht, mit welchem Körperteil ich den reingemacht habe."

An Selbstüberschätzung leidet Gomez auch nicht. Obwohl er Barcelonas Lionel Messi (14 Treffer) als Torjäger in der Königsklasse dicht auf den Fersen ist. Er sei nicht so verrückt, sich mit dem Weltfußballer vergleichen zu wollen. Ja, seine sensationell guten Mitspieler seien der Schlüssel zu seiner außergewöhnlichen Quote, meinte der Angreifer einmal über seine Rolle im deutschen Nationalteam. Gomez ist der Verwerter, wenn man so will, der Nutznießer "und ich bin der, der am Ende der Kette steht."

Zahlenspiel

Die Statistik räumt den Münchnern generell gute Chancen ein, das "Weiße Ballett" in einer Woche aus dem Bewerb zu werfen. Ein Sieg in einem Heimspiel mit einem Tor Differenz reichte in zehn aller 15 europäischen K.-o.-Duelle zum Aufstieg. Es ist außerdem durchaus damit zu rechnen, dass Gomez auch im Madrider Estadio Bernabeu seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht. Die letzten Zweifler würden verstummen.

 

Mario Gomez wurde am 10. Juli 1985 als Sohn einer Deutschen und eines Spaniers in Riedlingen geboren. Mit 16 wechselte er zum VfB Stuttgart. Am 8. Mai 2004 gab er für den Klub sein Debüt in der Deutschen Bundesliga, nachdem er für den aktuellen Sturm-Graz-Angreifer Imre Szabics eingewechselt  worden war.

2007 wurde er mit Stuttgart Deutscher Meister und zu Deutschlands Fußballer des Jahres gekürt. 2009 wurde er um 35 Millionen Euro von den Bayern verpflichtet, mit denen er 2010 das Double (Liga, Cup) gewann sowie in das Finale der Champions League einzog.

Für das deutsche Nationalteam bestritt Gomez bisher 51 Spiele und erzielte dabei 21 Tore.

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