Marcel Koller wird neuer Teamchef

Marcel Koller wird neuer Teamchef
Der Schweizer hat bei den Grasshoppers, dem 1.FC Köln und dem VfL Bochum Erfahrung gesammelt. Am Dienstag wird er offiziell präsentiert.

Montag, 16.22 Uhr, verschickte die Presseabteilung des Österreichischen Fußballbundes (ÖFB) auf Geheiß des Präsidenten eine zwar interessante, wenn auch recht dürre Mitteilung an die Redaktionen: Dienstag, 13 Uhr, werde auf dem Messegelände im burgenländischen Oberwart der künftige Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft präsentiert.

Nicht mehr, nicht weniger. Selbst eine leise Andeutung auf die Herkunft des künftigen Trainers blieb aus. Dabei waren die Würfel längst gefallen.

Kurz vor 19 Uhr bestätigten ÖFB-Präsidiumsmitglieder gegenüber dem KURIER: ÖFB-Präsident Leo Windtner wird am Dienstag im Burgenland den Schweizer Trainer Marcel Koller als künftigen österreichischen Teamchef vorstellen. Die vorhergehende Sitzung im Direktorium (ab Dienstag, 11 Uhr, mit vier ÖFB- und zwei Bundesliga-Vertretern) galt nur mehr als Formalakt, die entscheidenden, stimmberechtigten Personen waren allesamt bereits Montag Abend über die jüngste Personalie des Präsidenten informiert worden.

Zeit

Bis zuletzt hatten sich neben Franco Foda auch Kurt Jara und Andreas Herzog gute Chancen auf den Posten des Nationaltrainers ausrechnen dürfen.

Mit Schweizer Präzision hatte die Teamchef-Suche der letzten Wochen wenig gemein. Erst wurde Favorit Franco Foda hingehalten, dann spielten die ÖFB-Granden auf Zeit. Zuletzt meinte der Rekordnationalspieler Andreas Herzog gegenüber dem KURIER bereits sichtlich genervt: "Ich habe nach meinem Gespräch lange nichts mehr gehört." Er habe sich längst damit abgefunden, vorerst Teamchef der Unter-21-Mannschaft zu bleiben.

Vereinstreu

Zurück in die Zukunft: Wer ist der Neue? Was kann Koller? Marcel Koller bestach als Spieler durch Vereinstreue. Seine gesamte Karriere spielte er bei den Grasshoppers Zürich, feierte mit dem Traditionsverein sieben Mal die Schweizer Meisterschaft und fünf Mal den Schweizer Cup. Koller bestritt als Mittelfeldspieler 55 Länderspiele für die Schweiz. Der krönende Abschluss seiner aktiven Karriere war die Teilnahme an der Europameisterschaft 1996 in England.

Als Trainer startete der heute 50-Jährige seine Laufbahn beim FC Wil. Über St. Gallen und abermals Grasshoppers (jeweils ein Mal Meister, 1999 Schweizer Trainer des Jahres) schaffte er den Sprung in die Deutsche Bundesliga, wo er beim 1. FC Köln das Talent des Lukas Podolski entdeckte. Als Bochum-Trainer holte Koller nach der EURO 2008 den heutigen österreichischen Teamkapitän Christian Fuchs in den Ruhrpott. Koller hatte den VfL Bochum in der Saison 2006/07 auf den achten Tabellenplatz geführt - die drittbeste Platzierung in der Klubgeschichte.

Etabliert

Am 20. September 2009 gab der Verein die sofortige Trennung von Koller bekannt. Auf seiner Homepage www.marcelkoller.ch schrieb der gebürtige Zürcher: "In Erinnerung bleiben aber vor allem positive Gefühle. Nach dem Wiederaufstieg gelang es mir als verantwortlicher Cheftrainer, das Team während drei Bundesliga Saisons in der höchsten Liga zu etablieren. Dies war vor mir während 16 Jahren keinem VfL-Trainer mehr gelungen. Es kam dann aus verschiedenen Gründen zur Trennung."

Im April dieses Jahres wurde Koller als neuer Trainer des Kultklubs St. Pauli gehandelt, im September war er als neuer Trainer bei Schalke 04 im Gespräch, ehe Ex-Salzburg-Coach Huub Stevens den Posten des zurückgetretenen Trainers Ralf Rangnick übernahm.

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