Fraglich: Kann Di Maria die Red Devils aus der Krise führen? Sagenhafte 75 Millionen Euro zahlte man an Real Madrid - der teuerste Einkauf der Premier-League-Geschichte.

© REUTERS/ANDREW YATES

Transferkönig
09/11/2014

United: Vereinigt aus dem Tief

Der Rekordmeister aus Manchester befindet sich in einer Krise, die Neuzugänge sollen es richten.

Die Saison von Manchester United begann schlecht, gemessen an den Ansprüchen des englischen Rekordmeisters sogar sehr schlecht. In der Liga folgten einer blamablen 1:2-Heimniederlage gegen Swansea zum Auftakt zwei Unentschieden bei Sunderland und Aufsteiger Burnley. Als Krönung der Misere kam das 0:4-Aus im Liga-Pokal gegen den Drittligisten Milton Keynes Dons hinzu.

Nach dem sportlichen Fehlstart muss United jetzt auch einen finanziellen Rückschlag verkraften: In der aktuellen Jahresbilanz geht der Verein von einem Umsatz-Rückgang von 62 Millionen Euro aus. Ausschlaggebend dafür sind die fehlenden Einnahmen aus der Champions beziehungsweise Europa League. Durch den siebenten Platz der vergangenen Saison konnte sich der Traditionsklub für keinen der beiden Bewerbe qualifizieren. Schmerzhaft: Dem dafür mitverantwortlichen Ex-Trainer David Moyes müssen nach dessen Entlassung noch sechs Millionen Euro Abfindung gezahlt werden.

Großer Umbau

Auch der vom neuen Trainer Louis van Gaal eingeläutete Kaderumbruch hat viel Geld gekostet: Insgesamt 193 Millionen Euro wurden für Transfers lockergemacht. Unter den neuen Spielern finden sich Hochkaräter wie Champions-League-Sieger Ángel Di Maria von Real oder Radamel Falcao, der von Monaco ausgeliehen wurde. Den hohen Ausgaben stehen vergleichbar niedrige Transfereinnahmen von etwa 41 Millionen Euro gegenüber.

United-Legende Gary Neville äußerte in der Daily Mail zuletzt seinen Unmut über die Transferpolitik: "Ich halte den Danny-Welbeck-Verkauf für fragwürdig." Der englische Nationalspieler war für eine Ablöse von 20 Millionen Euro zum Liga-Rivalen Arsenal gewechselt. Verkauft wurde auch Edelreservist Shinji Kagawa, er kehrte zu Borussia Dortmund zurück. Aussortiert wurden zudem Javier Hernández und Nani, beide wurden verliehen, da sie zuletzt nicht mehr zum Einsatz kamen.

Die entscheidende Frage lautet, ob Van Gaal und Co-Trainer Ryan Giggs aus den vielen namhaften Verstärkungen eine starke Mannschaft formen können. Auch daran zweifelt Neville: "Wie wollen sie Rooney, Mata, Falcao, Herrera, Di Maria und Van Persie zusammen in einer Mannschaft unterbringen?" An qualitativ hochwertigen Einzelspielern mangelt es dem Verein nicht nach den Transfers. Kein anderer Klub gab in dieser Transferperiode annähernd so viel Geld wie United aus.

Bewährungsprobe

Am Sonntag können Falcao und Kollegen zu Hause gegen die Queens Park Rangers beweisen, ob sie als Team funktionieren. Neben Falcao dürfte auch Luke Shaw sein Pflichtspiel-Debüt für Manchester United feiern. In den 19-jährigen linken Außenverteidiger werden große Hoffnungen gesetzt, er soll der geschwächten Defensive helfen. Nach den Abgängen von Ex-Kapitän Nemanja Vidic, Patrice Evra und Rio Ferdinand klafft dort eine Lücke. Gekauft wurde das junge Talent um 37 Millionen Euro von Southampton, ob seine Leistung den Preis rechtfertigt, wird sich erst zeigen.

Ein weiterer Hoffnungsträger ist Daley Blind, der niederländische Mittelfeldspieler wechselte für 18 Millionen Euro von Ajax Amsterdam nach Manchester. Der Niederländer war eine der großen Entdeckungen der Fußball-WM in Brasilien, die er mit der Elftal auf dem den dritten Platz beendet hat.

Selbst wenn sich die sportliche Krise fortsetzen sollte, muss Manchester Unized freilich keinen Bankrott fürchten: Allein durch den Wechsel von Ausrüster Nike zu Adidas erhält der Verein für zehn Jahre ab der Saison 2015/’16 insgesamt knapp eine Milliarde Euro. Dazu kommen noch jährlich 66 Millionen Euro vom neuen Trikotsponsor Chevrolet. Zumindest finanziell stehen die Zeichen für die Zukunft also positiv.

Das sportliche Saisonziel wurde gestern vom Vorstand ausgegeben: Platz drei und die Champions-League-Qualifikation. Ambitioniert angesichts der starken Konkurrenz von Chelsea, Liverpool, Arsenal und Stadtrivale City, aber genau das muss der Anspruch dieses Klubs sein.

von Michael Schwinghammer

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