Torjäger: Luis Suarez und Liverpool spielten eine starke Saison. Doch reicht es für den Meistertitel?

© REUTERS/NIGEL RODDIS

Titelkampf in England
05/10/2014

Tradition gegen Moderne im Duell

Über die unterschiedliche Inszenierung von Liverpool und Manchester City.

von Alexander Huber

Vielleicht ist das Ende des "Boot Room" schuld. Jahrzehntelang saßen die Manager von Liverpool in diesem kleinen Raum neben den Spielerkabinen, um die Taktik zu besprechen. Den Namen "Boot Room" bekam dieses Kompetenzzentrum, da aufgrund der Platznot an der Anfield Road in diesem Kammerl Nachwuchsspieler direkt neben dem Trainerteam Platz nahmen, um die Schuhe der Profis zu putzen. Auch die heutige Klublegende Steven Gerrard durfte so den Duft des großen Fußballs noch als ganz Kleiner schnuppern.

Als 1992 die Premier League eingeführt wurde, gab es keinen Platz mehr für den "Boot Room". Die wichtig gewordenen TV-Übertragungen verlangten einen eigenen Medienraum, die Trainer und die jugendlichen Schuhputzer mussten umgesiedelt werden. "Seither haben wir keine Meisterschaft mehr gewonnen", erzählt der Guide der Stadiontour mit einem Hinweis auf den letzten Titel 1990. "Das kann doch kein Zufall sein."

Vielleicht klappt es ja am Sonntag ab 16 Uhr doch noch für die "Reds" mit einem Heimsieg gegen Newcastle. Rivale Manchester City führt vor dem Heimspiel gegen West Ham zwar mit zwei Punkten Vorsprung – doch die "Citizens" sind nicht gerade bekannt für souveräne Finalvorstellungen. Beim Titel 2012 führten die Queens Park Rangers bis zur 92. Minute. Als Stadt-Rivale United schon die Saison mit einem Sieg vermeintlich als Meister beendet hatte, traf Sergio Agüero in Minute 94 noch zum 3:2 – City war Meister, aufgrund der besseren Tordifferenz.

Stolz auf Holz

Große Differenzen gibt es bei der Inszenierung der Titelkandidaten. Liverpool ist stolz darauf, dass in der (immer noch kleinen) Spielerkabine lediglich eine rote Holzbank steht. "Auf dieser Bank sind schon in den 60er-Jahren unsere Spieler gesessen", erzählt der Guide. "Wir haben nichts verändert, nur der Lack auf dem Holz ist neu."

Bei City ist die riesige, modern eingerichtete Kabine mit blauem Neonlicht erleuchtet. Über jedem (für die Größe der einzelnen Spieler eingestellten) Luxussitz ist ein Safe mit Zahlencode eingebaut. Die Leinwand wird in der Pause aktiviert, falls Trainer Pellegrini einzelne Szenen aus der ersten Hälfte noch einmal vor die Augen der Spieler holen will. Der (noch) kleinere Klub aus Manchester ist stolz darauf, die meiste Technik in der Kabine von allen Premier-League-Klubs zu bieten.

Bei den Commonwealth Games 2002 eröffnet, wurde das Stadion von City danach um 35 Millionen Pfund in ein reines Fußball-Stadion umgebaut. Alleine sieben Millionen kostete die Absenkung des Rasens. Derzeit werden 200 Millionen in ein neues Nachwuchszentrum investiert. Da kann man sich schon die Absurdität leisten, auf den Trainingsplätzen verschiedene Rasen-Typen anzubauen, um bei einem Europacup-Duell auch auf das Geläuf in Südeuropa optimal vorbereitet zu sein.

Dass City dennoch mit 299 Pfund pro Jahr das billigste Saisonabo der Liga anbieten kann, liegt natürlich auch an der Finanzkraft der Klubbesitzer aus Abu Dhabi.

Einen historischen Vorsprung wird Liverpool jedenfalls nie verlieren: Egal, wie es am Sonntag ausgeht – die Fans werden "You’ll Never Walk Alone" singen. Den 1962 in Liverpool erfundenen, ersten Fan-Choral der Fußball-Geschichte.

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