Letzter Test mit Türken und Tücken
Österreich gegen die Türkei. Dieses Aufeinandertreffen, am Mittwoch im Happel-Stadion, fällt unter die Rubrik "freundschaftliches
Länderspiel". Offiziell. Dies verführt zu Gedanken an Streicheleinheiten und trainingsähnliches Ballzuschieben ohne Körperkontakt. Doch freundschaftlich darf in diesem Spiel rein gar nichts sein. Es ist die Generalprobe – sprich: der geprobte Ernstfall – für die am 11. September beginnende
WM-Qualifikation, deren Spielplan sogleich die Deutschen in Wien antreten lässt. Die Türkei kommt darum gerade recht: Spielerisch und technisch stark, gewinnorientiert, in der FIFA-Weltrangsliste um 30 Plätze vor den Österreichern (Nr. 60).
Also, Frage an den Teamchef: Was kann man am Mittwoch sehen, Herr
Koller? "Wir wollen nach vorne spielen und schnell zurückkommen."
Aha.
Doch der Teamchef weiß sogleich, dass dies eine Absichtserklärung ist, die ohne Tiefgang an der Oberfläche kollert: "Sie wollen das jetzt sicherlich genauer wissen?" Er denkt kurz nach und sagt: "Wir müssen die Räume eng machen und gut stehen. Und wir wollen in der Offensive eine Idee zeigen, wie wir nach vorne spielen."
Klare Vorgabe
Das klingt weniger abstrakt, aber es sind noch immer keine konkreten Hinweise, wie man gegen die Türken, danach gegen die Deutschen bestehen will. Marcel Koller hat in seinen bisher vier Spielen keine große Rücksicht auf die jeweiligen Gegner genommen. Der Schweizer versucht, dem Spiel der österreichischen Nationalmannschaft einen eigenen Charakter zu verleihen, eine Idee, die grundlegend von Angriffslust geprägt sein soll.
Balleroberung durch aggressives Pressing (Kapitän
Fuchs: "Darauf legt der Teamchef besonderen Wert"), das Erzwingen von Chancen durch den kollektiven Vorstoß in den gegnerischen Strafraum. "Jeder Spieler ist aufgefordert, sich daran zu beteiligen", so Koller. Dies verlangt viel Konzentration und im Idealfall noch mehr Laufarbeit.
Handschrift
Koller hat tatsächlich eine Philosophie. Das daraus resultierende System hat man in den bisherigen Spielen unter ihm schon erahnen können, erkennen sollte man gegen die Türkei aber Fortschritte, weil für weiteres Experimentieren ohnehin keine Zeit mehr bleibt. Das Konzept steht, auch die Elf der Ausführenden ("Über zwei Positionen reden wir noch") hat im Kopf des Teamchefs Aufstellung genommen, wenngleich sich die Spieler in unterschiedlichen Phasen (Vorbereitung oder im Meisterschaftsbetrieb) befinden. "Darum spielt in dieser Phase die totale Fitness noch nicht die wichtigste Rolle".
Austauschprogramm
Das ausgegebene System ist ein vernetztes Wirkungsgefüge. Die Spieler sind in dieser Philosophie und in diesem System austauschbar, also Teile des Ganzen. Sicherlich hebt jeder qualitativ bessere Spieler auch die Qualität der mannschaftlichen Darbietung. Doch für alle Positionen gibt es einige Kandidaten. So hat Koller gleich vier Innenverteidiger mit internationaler Erfahrung. "Der
Konkurrenzkampf fördert die Qualität", sagt Paul Scharner, Routinier mit 32.
Der Ausfall von Schlüsselfiguren schmerzt, ist aber kein Grund für panikartige Reaktionen. So wurde das Fehlen Christian Fuchs gegen die Ukraine und Rumänien weggesteckt. So muss gegen die Türkei und wahrscheinlich auch gegen
Deutschland der verletzte David Alaba durch Veli Kavlak ersetzt werden.
"Er wäre sicher eine gute Alternative. Er verlangt den Ball, ist viel unterwegs und geht in die Zweikämpfe", lobte Koller den Besiktas-Legionär. Unsicher ist dagegen, ob sich das Fehlen von Arnautovic negativ oder positiv bemerkbar macht.
In Kollers System gibt es nur für einen Stürmer Platz. Auch dieser Solist darf sich im gewissen Interpretationsspielraum bewegen. Weil Janko Trainingsrückstand hat, darf ein anderer Typ (ein Rackerer wie Bürger) Räume für nachrückende Offensivspieler schaffen.
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