Sport | Fußball
05.04.2018

Lazio Rom wurde zum Synonym für den rechten Kick

© Bild: APA/AFP/GIANNI SCHICCHI

Von 382 Fan-Gruppen in Italien sind 85 politisch rechts ausgerichtet, die Hälfte davon gilt sogar als rechtsextrem.

Sie steht symbolisch für sechs Millionen Juden, die während des Holocaust vom Naziregime ermordet wurden: Anne Frank verstarb im Alter von 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen – ihr veröffentlichtes Tagebuch erinnert an eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte. Im Oktober wurden bei einem Heimspiel von Salzburgs Europa-League-Gegner  Lazio Rom von Fan-Gruppen Sticker verteilt auf denen Anne Frank im Dress von Erzrivale AS Roma zu sehen war. Der Grund dieser Aktion: 72 Jahre nach dem Ende des Holocausts gilt jüdische Identität bei Fußballfans in Rom als Beleidigung.

Die Ultras von Lazio haben eine unrühmliche Vorgeschichte. Während eines Derbys 1998 zeigten sie der Roma-Kurve einen Banner mit der Aufschrift: „ Auschwitz ist euer Land. Die Öfen sind eure Heimat.“

Rechter Recke di Canio

Ins rechte Bild gerückt hat sich auch Paolo di Canio, wie er als Lazio-Spieler während eines Derbys mit ausgestrecktem Arm die Fans in der Kurve gegrüßt hat. Di Canio war nach Ende seiner Karriere als Kommentator bei Sky Sport . Diesen Job verlor er aufgrund seiner Gesinnung, weil der Sender spät aber doch draufgekommen ist, wie di Canio tickt. Auf seinem rechten Oberarm hat er die drei Buchstaben „DVX“ (Dux) tätowiert. Das lateinische Wort steht für „Führer“ und meint den faschistischen Diktator Benito Mussolini.

Claudio Lotito hatte sich zu Anfang seiner Präsidentschaft 2004 eine Kraftprobe mit den Irriducibili („Unbeugsame“), dem rechtsradikalen Kern der Lazio-Ultras, geliefert. Noch heute ist Lotito nur mit Leibwächtern unterwegs.

Aber nicht nur die Lazio-Fans sind Rechtsausleger. Die Ultras von Ascoli ignorieren die Holocaust-Gedenkminute, die nach dem Anne-Frank-Skandal vom Verband angeordnet wurde. Ultras von Hellas Verona stimmten vor Wochen Sprechchöre auf Rudolf Heß an. Die Mailänder Klubs sind betroffen, Juventus Turin, auch AS Roma. „Lazio Rom hat nur den traurigen Primat der eklatantesten Aktionen“, schrieb die deutsche FAZ . Nach Angaben der nationalen Beobachtungsstelle für Sportveranstaltungen in Italien gibt es 382 Ultra-Gruppen mit rund 40.000 Anhängern. 151 Gruppen seien politisch ausgerichtet, davon 85 rechts – und von denen wiederum mehr als die Hälfte rechtsextrem.