Sport | Fußball 05.12.2011

Lahm rechnet mit Klinsmann ab

© Bild: reuters

Allen Spielern war rasch klar, dass es mit Klinsmann nicht gehen würde, schreibt der Bayern-Kapitän in seiner Autobiographie.

Schon mit 27 Jahren bringt Bayern-Kapitän Philipp Lahm seine Autobiographie auf den Markt, "Der feine Unterschied" erscheint kommenden Montag.

Lahm rechnet in dem Buch mit seinen ehemaligen Trainern Jürgen Klinsmann, Felix Magath und Louis van Gaal ab. "Nach sechs oder acht Wochen wussten bereits alle Spieler, dass es mit Klinsmann nicht gehen würde. Der Rest der Saison war Schadensbegrenzung", heißt es in einem Auszug, den die Bild am Dienstag vorab veröffentlichte.

Der ehemalige Bundestrainer Klinsmann war im Sommer 2008 als großer Reformator zum deutschen Rekordmeister gekommen. Nur zehn Monate später wurde das Projekt von der Bayern-Führung abrupt mit der Entlassung beendet. "Das Experiment Klinsmann war gescheitert", urteilt der heutige Bayern-Kapitän Lahm.

Ohne Taktik

Bei der Nationalelf hatte Lahm den heutigen US-Auswahlcoach Klinsmann noch an der Seite seines Nachfolgers und damaligen Co-Trainers Joachim Löw "als strahlenden Helden" des deutschen WM-Sommermärchens 2006 miterlebt.

Als Vereinscoach seien die Defizite als Fußballlehrer offenbar geworden. "Bei Klinsmann trainierten wir fast nur Fitness. Taktische Belange kamen zu kurz", berichtet Lahm und verrät: "Wir Spieler mussten uns selbstständig zusammentun, um vor dem Spiel zu besprechen, wie wir überhaupt spielen wollten."

"Er hält viel von sich selbst"

Im Rückblick auf die Bayern-Trainer der jüngeren Vergangenheit bezieht Nationalmannschafts-Kapitän Lahm in seinem Buch auch klar Position zum in den Vorsaison gefeuerten Holländer Louis van Gaal.

"Die Zeit der Trainer, die mit ihren Spielern nur reden, um ihnen Befehle zu erteilen, ist vorbei. Ein moderner Trainer muss seine Mannschaft zwar führen, aber er darf sie nicht gegen den Willen der Spieler zu einer Spielweise verpflichten, die der Mannschaft nicht angemessen ist."

Van Gaal halte viel von Disziplin, so Lahm, "und er hält viel von sich selbst". Im ersten Jahr führte der Holländer die Bayern auf Anhieb zu Meisterschaft, Cupsieg und ins Champions-League-Finale. Aber in der zweiten Saison habe sich van Gaal "schlicht geweigert, die Mängel seiner Philosophie zur Kenntnis zu nehmen und zu beseitigen", kritisiert der 27-jährige Lahm.

Magaths Terror

Felix Magath sei ebenfalls ein Trainer, dessen Methoden nur eine gewisse Zeit bei einer Profimannschaft greifen und Erfolg verheißen würden. "Felix Magath arbeitet mit Druck", schildert Lahm. Es käme irgendwann zwangsläufig der Zeitpunkt, an dem die Spieler "nicht mehr auf der Seite des Trainers stehen" und "seine Tricks nicht mehr greifen" würden.

Magath wurde in München Anfang 2007 nach zwei Double-Gewinnen (Meisterschaft und DFB-Pokal) entlassen. "Es ist ein logischer Abschied, ein Ermüdungsbruch zwischen Trainer und Mannschaft", urteilt Lahm über Magath, der derzeit zum zweiten Mal den VfL Wolfsburg trainiert.

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Erstellt am 05.12.2011