Krakau: Weltkulturerbe und Fußballzentrum

Eine Fußballmannschaft betritt vor einem Publikum das Spielfeld durch ein Tor.
Krakau hat eine Elefantin, 2000 Studiernde, die niederlandische, italienische und englische Nationalmannschaft. Aber kein EM-Spiel.

Citta heißt die Kuh, die schon Artistin war. 33 Jahre ist Citta alt, von Geschlecht weiblich, von der Art her Elefantin und von Beruf pensionierte Zirkusattraktion.

Citta also wurde zum Fußballorakel, weil sie im Gegensatz zu einem Esel und einem Papagei beim Champions-League-Finale die Kugel mit der Chelsea-Fahne in den Rüssel nahm.

Citta wohnt in Krakau. Dort gibt es zwar kein EM-Stadion, aber nur unweit von Cittas Zuhause bereiten sich Niederländer und Italiener auf die Spiele vor. In der Nähe des Zoos liegen die Stadien von Cracovia und Wisla Krakau – nur durch einen Park getrennt, in dem noch hektisch an der Einzäunung des Public-Viewing-Geländes gearbeitet wird.

Die Niederländer absolvierten zwei Showtrainings vor vollem Haus. Das bedeutet im Wisla-Stadion 25.000 Zuschauer.

Die Italiener im Cracovia-Stadion konnten am Dienstag nur 10.000 Menschen sehen. Sie werben gegenüber des Stadions in einem Kulturzentrum mit ihrer "Casa Italia", in die aber nur ausgewählte Menschen hinein dürfen.

Die Engländer werden am Freitag öffentlich trainieren, auf ihren Platz passen aber nur 3200 Personen. Das Team von Roy Hodgson reiste als Spätstarter erst am Mittwoch an – zuvor galt es noch, die Queen zu feiern.

EM-Abseits

Krakau ist somit ein Fußballzentrum, steht aber trotzdem im EM-Abseits. Was die Menschen hier aber nicht so empfinden: "Wir haben genug Leute, die wegen der EM da sind", sagt Tomislav, der als Rezeptionist sein Geld verdient. "Die Entscheidung gegen Krakau war eine politische", meint er. Und er deutet auf ein Plakat im Stadion mit dem durchgestrichenen EM-Logo. So protestieren die Wisla-Fans gegen das EM-Abseits.

Krakau ist mit 750.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Polens und gilt als die schönste – sie ist sogar Weltkulturerbe. Das schaut aber nicht überall so aus. Nur wenige Kilometer vor der Stadt picken die Hühner am Straßenrand Körner auf. Das erste Ortsschild steht in einem Umfeld, das das Burgenland der 1970er-Jahre in einem modernen Licht erscheinen lässt.

Aber Krakau ist mittlerweile mehr, ein UNO-Bericht bescheinigt der Stadt beste Bewertungen für Innovativ-Investitionen. Und zwar weltweit. Das zeigt sich etwa an den modernen Firmenzentralen entlang der Peripherie.

Krakau ist mittlerweile Technologie- und Biowissenschaftsstandort und der nach Warschau zweitgrößte Büromarkt in Polen. Und Krakau hat 23 Universitäten und Hochschulen mit fast 200.000 Studenten.

Mehr zum Thema

  • Hintergrund

  • Hauptartikel

Kommentare