Der baskische Stürmerstar Fernando Llorente wechselte im Sommer von Athletic Bilbao zu Juventus Turin.

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Champions League
10/23/2013

Juve kommt mit Reals Wunschstürmer

Juventus reist mit Llorente zu Real, das den Angreifer nie verpflichten konnte.

Real Madrid gegen Juventus Turin, das ist in den nächsten beiden Runden der Schlager der Champions League – neben dem zweiten spanisch-italienischen Vergleich zwischen AC Milan und dem FC Barcelona.

In Madrid konzentriert sich die Öffentlichkeit vor allem auf den spanischen Stürmer von Juventus Turin, auf Fernando Llorente. „Real wollte mich zwei Mal holen“, erzählt der mittlerweile 28-jährige Baske. Das Publikum im Bernabéu-Stadion hatte ihn einmal sogar mit Applaus verabschiedet. Weil er sich dafür bedankt hat, wurde er in Bilbao kritisiert.

Real Madrid hat kein Problem mit der Verpflichtung von baskischen Spielern. So war Aitor Karanka lange Libero in Madrid und unter Mourinho drei Jahre lang Co-Trainer. Aber Athletic Bilbao hat ein Problem mit dem Verkauf seiner Kicker: So durfte Javi Martinez im Sommer vor einem Jahr nur zu den Bayern, weil er sich in seinem Vertrag eine Ausstiegsklausel mit einer hohen Fixsumme (40 Millionen Euro) einbauen ließ.

Martinez ist in der Nähe von Pamplona geboren und aufgewachsen. Llorente wurde in Pamplona geboren. Während Martinez erst mit 17 Jahren zu Bilbao kam, war Llorente schon mit 12 Jahren im Nachwuchs des baskischen Traditionsklubs.

Im Gegensatz zu Martinez hatte Llorente lange zu kämpfen, um sich einen Stammplatz zu erobern. Mit 20 Jahren war er hinter Urzaiz, Etxeberria und Aduriz nur der vierte Stürmer. Erst mit 22 Jahren schaffte er den Durchbruch.

Im Jänner 2012 erzielte er sein 100. Pflichtspieltor für Bilbao, die Mannschaft zog sensationell ins Finale der Europa League ein, und Llorente stand im Kader von Europameister Spanien. Im Sommer 2012 weigerte er sich, seinen Vertrag über 2013 hinaus zu verlängern. Etliche europäische Topklubs wollten ihn im Sommer schon holen, doch die Basken bestanden auf der Erfüllung des Kontrakts. Daraufhin fristete er ein Dasein als Ergänzungs- und Einwechselspieler und überwarf sich zwischenzeitlich mit Trainer Marcelo Bielsa.

Schlechte Bilanzen

Die Bilanz von Llorente im Bernabéu-Stadion ist freilich nicht berauschend: Acht Mal hat er mit Bilbao gastiert (ein Mal davon im Cup), acht Mal ist er als Verlierer heimgeflogen. Beim letzten Sieg der Basken in Madrid im Jahr 2005 ist er nur auf der Bank gesessen.

Tore von Llorente soll heute Iker Casillas verhindern. Die Real-Ikone darf wieder einmal in der Startelf auflaufen. Der Tormann hat keine guten Erinnerungen an Juventus Turin: Beim Champions-League-Finalsieg über die Italiener im Jahr 1998 war der 32-Jährige nicht im Kader. Noch nicht. Erst in der nächsten Saison machte er dem deutschen Bodo Illgner dessen Stammplatz streitig. Im Semifinale 2003 gewannen die Spanier daheim 2:1, verpassten aber durch ein 1:3 in Turin den Einzug ins Finale. Auch drei Jahre später stand Casillas wieder im Tor, als Real im Achtelfinale 1:0 daheim gewann, durch ein 0:2 im Rückspiel aber wieder ausschied. 2008 trafen beide Klubs in der Gruppenphase aufeinander – wieder setzte sich Juventus durch, gewann 2:1 daheim und gar 2:0 in Madrid.

Bei Pilsen ist der Trainer der Star

Gegen Pep Guardiola und seine Barcelona-Stars war kein Gras gewachsen. Pavel Vrba erlebte vor zwei Jahren von der Bank aus, wie seine Kicker von Viktoria Pilsen 0:2 und 0:4 verloren. Allerdings gab es in der Gruppenphase ein Remis gegen AC Milan, drei Punkte gegen BATE Borisow und somit Platz drei.

Heute gibt es ein Wiedersehen von Vrba und Guardiola, der diesmal auf der Bank von Bayern München sitzt. Und Viktoria Pilsen kommt wieder als tschechischer Meister und mit Vrba als Erfolgstrainer.

Als Pavel Vrba am 8. Oktober 2008 das Trainingsgelände von Viktoria Pilsen erstmals betrat, waren die Fußballer des 1911 gegründeten Vereins Mittelmaß in Tschechien. In fünf Jahren führte der Coach Pilsen nicht nur zu zwei Meistertiteln, sondern auch zur zweiten Champions-League-Teilnahme.

Aufgrund dieser Erfolge ist es kein Wunder, dass der 49 Jahre alte Trainer in diesen Tagen auch als Topfavorit auf den vakanten Teamchefposten in seiner Heimat gehandelt wird. Noch vor der Abreise nach München sprach aber Pilsens Vereinschef Tomas Paclík ein Machtwort in Richtung tschechischer Verband, dass er Vrba nicht ziehen lassen wolle. Als Vrba sein Amt in Pilsen übernahm, hatte Viktoria finanzielle Probleme, die sich mit etlichen Spielerverkäufen aber lindern ließen. Vrba hat recht schnell eine außergewöhnliche Mannschaft geformt.

Internationale Lehren

Die ersten internationalen Schritte waren für die unerfahrene Mannschaft schwierig: 2010 schied Pilsen in der Qualifikation zur Europa League gegen Besiktas Istanbul aus. Nur ein Jahr später gelang die Sensation: Pilsen erreichte in der Champions League die Gruppenphase und wurde Dritter. In der Zwischenrunde der Europa League schieden die Tschechen gegen Schalke erst im Rückspiel mit 1:3 nach Verlängerung aus. Ganz gut lief es für Pilsen auch in der vergangenen Saison, als in der Europa League unter anderem Siege gegen namhafte Klubs wie Atlético Madrid und Neapel gelangen.

So lange wie Pavel Vrba saß in der ersten tschechischen Liga kein Trainer auf der Vereinsbank – 152 Ligaspiele. Deswegen hat Vrba einen Spitznamen bekommen: „Der tschechische Ferguson“. Vrba ist der Vergleich mit dem ehemaligen Langzeittrainer von Manchester United ein bisschen peinlich: „Ich möchte mich auf keinen Fall mit einer solchen Persönlichkeit vergleichen. Das geht nicht. Ferguson hat Unglaubliches erreicht“, sagt Vrba.

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