Jürgen Macho hat wieder neue Kraft

Ein Torwart in roter Jacke wehrt einen Fußball ab.
Österreichs ehemalige Nummer 1 trotzte einer Knieverletzung und will es mit bald 35 Jahren noch einmal wissen.

Er hätte aufgeben können. Das Knie kaputt, über Nacht ohne Vertrag bei seinem Verein, obendrein nicht mehr der Jüngste (34). Doch Jürgen wäre kein echter Macho, hätte er sich nicht in Eigenregie zurückgekämpft.

KURIER: Die Fußball-Öffentlichkeit hat lange nichts mehr vom österreichischen EM-Tormann des Jahres 2008 gehört. Warum ist es um Sie so ruhig geworden?
Jürgen Macho: Ich habe mir im vergangenen Herbst einen Patellarsehnenriss im Knie zugezogen. Ich bin keiner, der in die Öffentlichkeit geht und sich bedauern lässt. Aber ich stand vor der Alternative: Karriere beenden oder mich zurückkämpfen. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden und mich nach Deutschland begeben.

Weshalb Deutschland? Hat Sie Ihr griechischer Arbeitgeber Panionios Athen nicht unterstützt?
Nein. Obwohl ich die Knieverletzung im Spiel bei einem Zusammenprall mit einem Gegner erlitten hab, hat der Verein argumentiert, ich sei selbst schuld gewesen. Der Klub will sich Geld ersparen und hat den Vertrag einfach aufgelöst.

Haben Sie keine Rechtsmittel ergriffen?
Natürlich habe ich das. Sowohl die Liga als auch das Gericht haben mir recht gegeben. Ich habe somit auch beide Prozesse gewonnen. Aber der Klub, bei dem ich noch unter Vertrag stünde, ist in die Berufung gegangen. Ich bin aber sicher, dass ich am 28. August endgültig recht bekommen werde.

Und dann wollen Sie wieder im Tor stehen?
Ja. Ich habe mich für die besten Sportärzte entschieden. Der ehemalige Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger, den ich seit unserer gemeinsamen Zeit in Kaiserslautern kenne, hat mir Bayern-Arzt Müller-Wohlfahrt vermittelt. Der sprach mir Mut zu. Die Reha habe ich auf eigene Kosten in Augsburg vorgenommen. Tage, Wochen, Monate. Täglich habe ich stundenlang verschiedene Übungseinheiten absolviert.

Warum Augsburg, warum ganz allein? Ohne Familie und Freunde?
Ich wollte mich bewusst abkapseln. In Wien hätte ich nicht die Ruhe gehabt. Ich wollte nicht als Sportkrüppel enden, als einer, der später nicht einmal mehr sein Kind oder Enkerl in die Höhe heben kann.

Auch jetzt trainieren Sie nicht in Wien, obwohl Ihr Vater Tormann-Trainer bei Rapid war. Warum?
Ich vertraue ganz auf den Linzer Tormann-Trainer Andreas Nussbaumer. Seine Qualitäten sind mir die vielen Autofahrten nach Pasching wert. Dort ist Nussbaumer der Torwart-Trainer.

Pasching? Das ist doch jetzt der oberösterreichische Satellitenklub von Red Bull – spekulieren Sie vielleicht in diese Richtung?
Ich spekuliere gar nicht. Ich will nur wieder in den Profisport zurück. Konditionell bin ich topfit und zum Glück Tormann. Da ist man mit 35 Jahren keineswegs zu alt. Da profitiert man, wie ausländische Beispiele zeigen, oft von der Erfahrung. Ich könnte mir vorstellen, diese Erfahrung in einer Trainingsgemeinschaft bei einem größeren Klub auch an einen jungen Tormann weiterzugeben.

Am Donnerstag spielt Ihr Stammverein Rapid in Saloniki. Wie beurteilen Sie als langjähriger Griechenland-Legionär die Aufstiegschancen?
Auch wenn meine Sympathien Rapid gehören, sage ich realistisch: 50:50.

Was erwartet Rapid abgesehen von der Hitze?
Die Hölle. Aber im Ernst: PAOK ist im Norden Griechenlands ungeheuer populär, der Anhang unglaublich fanatisch. Einmal habe ich, als ich noch bei AEK Athen war und wir nach 20 Minuten 3:0 geführt haben, unmittelbar vor der Hardcore-Fantribüne im Tor stehen müssen. Ein anderes Mal haben wir in Saloniki vor völlig leeren Tribünen gespielt. Matches unter Ausschluss der Öffentlichkeit kommen nach Fan-Randalen dort immer wieder vor.

Gibt es einen Mann von PAOK Saloniki, dessen Qualitäten Sie besonders schätzen?
Ja, den Trainer. Georgios Donis war mein Coach bei AEK. Ein kluger Mann und Taktik-Fuchs. Er ist erst vor dieser Saison nach Saloniki gekommen. In Athen haben sie ihm inzwischen drei Mal die Wohnung ausgeraubt. Er hat in Athen gewohnt, dort, wo auch meine Frau und ich unser Apartment haben. An und für sich ist das ein sehr ruhiges, schönes und angenehmes Viertel.

Weltenbummler: Machos Europareise

Jürgen Macho feiert am kommenden Freitag seinen 35. Geburtstag. Der Wiener Sohn eines Regionalliga-Tormannes gehörte dem Rapid-Nachwuchs an, ehe er zuerst zum Sportklub und dann zur Vienna übersiedelte.

Von Österreichs zweiter Bundesliga schaffte der 1,92 Meter große Macho den Sprung in die Premier League zu Sunderland. Mehrmals wurde er in England zum "Man of the Match" gewählt und daraufhin zu Chelsea nach London geholt, wo er sich am Knie verletzte.

Weitere Karrierestationen waren Rapid, Kaiserslautern, AEK Athen, LASK, Panionios. Macho bestritt 25 Länderspiele.

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