Sport Fußball
12/05/2011

Herzog wird zum dritten Mal übergangen

Herzog ist Wunschkandidat von vielen Ex-Teamspielern. Er wird aber wieder nicht Teamchef werden.

Er hat die meisten Länderspiele bestritten. Und er hat als Teamchefkandidat die meisten Fürsprecher unter ehemaligen Nationalspielern. Trotzdem deutet alles darauf hin, dass der 103-fache Internationale Andreas Herzog, 43, nicht Nachfolger von Dietmar Constantini wird.

KURIER: Herbert Prohaska plädiert für Sie. Auch andere Prominente nennen im Teamchef-Nachfolger-Spiel zuerst den Namen Herzog. Hat mit Ihnen diesbezüglich von den Entscheidungsträgern des ÖFB schon wer gesprochen?

Andreas Herzog: Nein.

Und die Variante, wonach Sie gemeinsam mit Otto Rehhagel das Nationalteam übernehmen könnten - war die beim Fußballbund in ihrer Gegenwart ein Thema?
Nein.

Schon nach dem Rücktritt von Josef Hickersberger im Sommer 2008 und auch nach dem Abgang von Karel Brückner fiel immer Ihr Name. Ist Ihre Enttäuschung groß, wenn Sie jetzt zum dritten Mal übergangen werden?
Ach was. Was müsste da erst Manfred Zsak sagen. Er war der Co-Trainer von Constantini und ist jetzt komplett weg vom Fenster.

Sportdirektor Willibald Ruttensteiner soll in den noch ausstehenden, wenn auch bedeutungslos gewordenen Qualifikationsspielen in Aserbaidschan und Kasachstan interimistisch das Nationalteam betreuen. So wie Ruttensteiner das schon einmal - nach Hans Krankls Abgang - gemeinsam mit Ihnen bei zwei Länderspielen nicht ganz unerfolgreich gemacht hatte. Ist ein Duo Herzog/Ruttensteiner für Sie erneut vorstellbar?
Ich werde, während sich Ruttensteiner mit dem A-Team in Asien befindet, die Unter-21-Auswahl auf die schweren Spiele gegen die Niederlande und Schottland vorbereiten. Schließlich geht es in diesen Spielen schon jetzt im Oktober um die EM-Qualifikation.

Sie wollen somit Coach der Unter-21-Auswahl bleiben?
Ich gehe davon aus, dass das bis auf Weiteres meine Aufgabe ist. Aber ich gebe zu: Ewig die österreichische Unter-21-Mannschaft zu bestreiten, ist natürlich nicht mein Ziel.

Sportdirektor Ruttensteiner eilt nicht erst seit heuer der Ruf nach, der Liebling und Einsager von ÖFB-Präsident Leo Windtner zu sein. Unter ÖFB-Mitarbeitern gilt der Sportdirektor als mäßig beliebt. Welche Meinung haben Sie?
Zu mir war der Willi bisher loyal.

Wird der interimistische A-Teamcoach Ruttensteiner das auch sein, wenn Sie für die U-21-EM-Qualifikation A-Teamspieler anfordern, zumal es bei der Nationalmannschaft im Oktober in Aserbaidschan und Kasachstan leider nur noch um die "Goldene Ananas" geht?

Vier Spieler, die zuletzt dem Kader von Constantini angehört haben, sind noch für die Unter-21 spielberechtigt. Ich rechne nicht damit, dass ich vom A-Team Alaba und Dragovic bekomme. Aber Admira-Abwehrspieler Christopher Dibon, der bei mir U-21-Kapitän war, sowie Daniel Royer hätte ich natürlich schon sehr gern.

Royer gehörte nach seinem Transfer nach Hannover am vergangenen Wochenende bei Hannovers Sieg gegen Meister Dortmund noch nicht dem Kader an. Wissen Sie den Grund?
Nein. Aber er ist ja soeben erst übersiedelt.

Über die Vorgängen bei Ihrem Ex-Klub Bremen und somit über Marko Arnautovic sind Sie sicher am letzten Informationsstand.
Ich höre keine Klagen. Im Moment sind sie bei Werder mit dem Marko durchaus zufrieden.

Seit sechs Jahren kein österreichischer Klub in der Champions League, zum Auftakt der Europa-League-Gruppenphase gleich drei Niederlagen. Ist die Liga schwächer geworden?
Bei den drei Niederlagen, von denen zwei noch dazu vor eigenem Publikum passierten, zeigte sich: Wenn der Gegner im Ballbesitz ist können österreichische Klubs nicht energisch genug attackieren. Weil es die Spieler von der heimischen Liga her nicht gewohnt sind, über 90 Minuten hohes Tempo zu gehen. Auch wenn ich mir jetzt wieder Feinde mache, behaupte ich: im körperlichen Bereich besteht beim Training noch Luft nach oben.

Aber Computeranalysen ergaben, dass Österreicher in den letzten Länderspielen mehr liefen als die Gegner.
Das kann auch an einer schlechten Raumaufteilung liegen.

Waren und sind auch die Erfolge mit den Nachwuchsteams trügerisch?
Sie sind erfreulich. Doch auch Jugendsiege sind noch kein Garant für eine erfolgreiche internationale Karriere. Der Jimmy Hoffer und der Slowake Hamsik zum Beispiel wechselten beide nach Neapel. Der Hamsik spielt dort immer, obwohl er nie - wie Hoffer - mit seiner Landesauswahl WM-Vierter wurde. Hoffer spielte bei Napoli aber fast nie. Und dass er jetzt auch bei Frankfurt in der zweiten Liga nicht drankommt, ist für mich die größte Enttäuschung.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.