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Sport Fußball
12/05/2011

Happel-Stadion: "Chaotischer" Umbau

Drei Jahre nach der EURO 2008 prangert nun ein Bericht des Kontrollamts die hohen Kosten des Umbaus an.

Dass der EURO-Umbau des Wiener Ernst-Happel-Stadions weit teurer kommt als ursprünglich angenommen, war schon vor der Fußball-EM 2008 klar. Nun ist auch bekannt, warum die Kosten explodiert sind: Ständige Änderungswünsche der UEFA haben die Wiener Verantwortlichen offenbar zur Verzweiflung getrieben. Aber auch die Vergabe diverser Bauleistungen soll mangelhaft gewesen sein. Das hat das Kontrollamt in einem aktuellen Bericht festgehalten. (siehe Links am Ende des Artikels)

Die Netto-Kosten für die Stadionadaptierung machten statt der ursprünglich veranschlagten 18 Mio. Euro letztendlich 30,78 Millionen Euro aus, die sich Stadt und Bund teilten. Das Nachdotierung wurde bereits 2006 im Gemeinderat abgesegnet.

Wechselhafte UEFA-Vorgaben

Die Kostenerhöhung gab es laut Kontrollamt vor allem deswegen, weil die UEFA von ihrem vertraglichen Recht, Änderungswünsche zu äußern, Gebrauch machte. "Die pflichtgemäße Umsetzung der Wünsche mündete in erhebliche Termin- und Abwicklungsprobleme", heißt es im Bericht.

Und sie hatte offenbar auch skurrile Folgen: Die Zuschauerränge wurden für die EURO durch eine vorgelagerte mobile Tribüne erweitert, sonst wäre das geforderte Fassungsvermögen von 50.000 Personen nicht erreicht worden. Doch die Plätze mussten aufgrund von UEFA-Vorgaben ständig umgeplant werden. Zunächst wurde um vier Reihen erweitert, dann folgte die Entscheidung, eine sechsreihige Tribüne zu errichten.

Nachdem die Sichtlinien im Stadion neu definiert wurden, musste die Vorsatztribüne auf sieben Reihen erweitert werden. Jedoch: Es gab nur Einzelelemente mit jeweils vier Reihen. Schließlich gab es Zusatztribünen mit acht Reihen. Die beiden ersten waren "dank" der davor stehenden Werbebanner, die die Sicht massiv einschränkten, aber unverkäuflich. "Diese Sitze wurden schlussendlich von sogenannten Helfern der UEFA besetzt", hat das Kontrollamt nun aufgedeckt.

Verantwortlichkeit unklar

Die Stadt Wien als Eigentümerin des Stadions hat die Mehrkosten verteidigt und - in einer im Bericht enthaltenen Stellungnahme - auf die "besonderen Rahmenbedingungen" verwiesen. Ein professionelles Projektmanagement sei "geradezu unmöglich" gewesen, wurde vonseiten der zuständigen Magistratsabteilung 51 (Sportamt) versichert.

Verwiesen wurde auch darauf, dass die meisten der späteren Forderungen auf die UEFA übergewälzt werden konnten - wodurch das letztendlich genehmigte Budget nicht noch weiter überschritten worden sei. Das Überwälzen war dem Vernehmen nach nicht immer einfach: Mitunter hat sich die UEFA erst nach "eingehenden Diskussionen" bereiterklärt, für weitere Wünsche aufzukommen.

"Selbst ex post betrachtet, erscheint es fast unmöglich, aufgrund der Nichtspezifikation durch die faktischen Auftraggeber Planunterlagen, Leistungsverzeichnisse oder dergleichen zu erstellen", heißt es in der Stellungnahme. Zusatz: "Ebenso ist bis heute unklar, ob die EURO 2008 SA (eine UEFA-Tochter) oder der ÖFB Ausrichter dieses Events war."

Kaum ordnungsgemäße Abwicklung

Aufträge kamen offenbar von beiden Seiten: "So hat beispielsweise der ÖFB selbst zu einem Zeitpunkt, als die EURO 2008 SA schriftlich bekanntgab, dass sie im Stadion keine W-LAN-Versorgung möchte, genau dieselbe ebenso schriftlich eingefordert."

"Chaotisch" stellte sich laut MA 51 auch die Lage beim Hospitality-Bereich dar, für den offenbar ständig neue Vorgaben eintrudelten. Oder: "Kaum war die Mixed-Zone fertig, musste sie umgebaut werden, der Dopingkontrollraum verlegt werden etc. etc." Aus diesem Grund seien auch die diversen Vergabeverfahren nur schwer ordnungsgemäß abzuwickeln gewesen, wird versichert.

Zu späte Entscheidungen

Das Sportamt hat dem Kontrollamt die Situation auch plakativ verdeutlicht: "Man könnte es auch damit vergleichen, dass man in der Früh meint, zu Abend ein Steak zu essen, am Vormittag will man dann doch lieber einen Kaiserschmarren zum Nachtmahl, zu Mittag möchte man einen Schweinsbraten zum Tagesausklang und am Ende steht ein Tafelspitz am abendlich gedeckten Tisch. Leider war die Situation der Projektbeteiligten mit jener der Köchin und nicht mit jener des Gastes im Restaurant vergleichbar."

Manche Entscheidungen seien schlicht sehr spät eingetroffen, wird beklagt. So stellte die UEFA laut Stadt im Juli 2006 fest (rund eineinhalb Jahre nach Baubeginn, Anm.), dass die Bäume rund um das Stadion aus Sicherheitsgründen zu entfernen sind. Diese Maßnahme hatte damals für heftige Kritik gesorgt.

So ganz nimmt das Kontrollamt die Stadt aber nicht aus der Pflicht: Ein Teil der Abwicklungsmängel könne nicht mit den ungünstigen Projektbedingungen und den Vorgangsweisen der UEFA erklärt werden. "Vielmehr waren die Ursachen etwa für die unterlassene bzw. mangelhafte Prüfung der Angebote, die Anerkennung überhöhter Preise, die Mängel bei der Rechnungsprüfung und die Defizite bei den Qualitätskontrollen in Versäumnissen einzelner Projektbeteiligter."

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