Sport | Fußball
18.04.2018

Was spricht für, was gegen Rapid-Trainer Djuricin?

Mit einem Cup-Sieg in Graz kann Djuricin den Weg zur Vertragsverlängerung ebnen.

Am Montag tagte das Rapid-Präsidium. Nur logisch, dass auch der Trainer ein Thema war. Wenn die „Woche der Wahrheit“ mit einem Sieg im Cup-Halbfinale bei Sturm (20.30 Uhr, live ORFeins) fortgesetzt wird, steht einer Vertragsverlängerung nichts mehr im Wege. Wenn es aber nach dem 4:0-Triumph im Derby wieder Rückschläge gibt, wird auch die Zukunft von Goran Djuricin zur Zitterpartie.

„Ich möchte noch im April eine Entscheidung“, sagt Sportchef Fredy Bickel.

Was spricht eigentlich für und was gegen eine Vertragsverlängerung? Eine KURIER-Analyse:

Für: Punkteschnitt
Ein Jahr und eine Woche ist Djuricin im Amt, 1,86 Punkte pro Pflichtspiel lautet die bisherige Ausbeute. Nur Heribert Weber (1,88) hatte in den letzten 30 (!) Jahren – also seit Otto Baric und Vlatko Markovic – einen minimal besseren Schnitt.

Der Wiener distanziert damit die letzten Meistertrainer Peter Pacult (1,79) und Josef Hickersberger (1,61) ebenso wie Zoran Barisic (1,74). Vorgänger Damir Canadi kam auf 0,88 Zähler pro Partie.

Gegen: Öffentliche Auftritte
Das größte Minus im Arbeitsnachweis hat nichts mit den Resultaten zu tun, ist im modernen Fußball aber wichtig: Die öffentlichen Auftritte sind nicht gut. Mal patschert, mal naiv. Mal peinlich (wie bei der Spuck-Affäre in der Südstadt), mal unglücklich (wie bei falsch ausgelegten Halbsätzen).

Das Problem von Djuricin („Ich bin ein Häferl“) sind seine Emotionen in Stress-Situationen. Der frühere Ebreichsdorf-Trainer bekämpft seine Schwächen mit einem selbst bezahlten Medienberater. „Am Anfang war meine Öffentlichkeitsarbeit auf Baby-Niveau, mittlerweile bin ich in der Volksschule“, erklärte er im KURIER vor fünf Monaten. Schafft er auch den für Rapid mindestens nötigen Pflichtschulabschluss?

FUSSBALL/TESTSPIEL: TIPICO-BUNDESLIGA / SK RAPID WIEN - CELTIC GLASGOW

Für: Bickels Expertise
Der Sportdirektor setzt sich für Kontinuität und damit für Djuricin ein. Das letzte Mal, dass sich der Schweizer so stark für eine Personalie machte, war in Bern. Er holte einen Österreicher, mit dem bei den Young Boys 2015 nur wenige etwas anfangen konnten: Adi Hütter, den künftigen Meister.

Im Unterschied zu den restlichen, in Personalfragen unglücklich agierenden Führungskräften kann Bickel damit argumentieren, dass er schon Titel gewonnen hat. Beim FC Zürich holte er mit einem gewissen Lucien Favre zwei Meistertitel.

Gegen: Fehlender Rückhalt
Stärker als in der Ära Edlinger wird bei Rapid beachtet, wie die Stimmung in Presse, (un)sozialen Medien und Vereinsumfeld ist. Und da sieht’s für Djuricin gar nicht gut aus. Gegen St. Pölten (2:1), beim dritten Sieg in Serie, wurde der Coach von der ach so feinen VIP-Tribüne aus eine Stunde lang aufs Tiefste beschimpft. Im Block West sind viele sauer, weil sie mehr Einsätze für Steffen Hofmann vor dessen Karriereende gefordert hätten. In Fan-Foren wird ohnehin im Monatsrhythmus nach neuen Trainern geschrien.

Bei dieser Stimmungslage ist klar, dass nach dem anstehenden Kaderumbau mögliche Startschwierigkeiten sofort eine Trainerdiskussion auslösen würden.

Neu ist das freilich nicht: Hickersberger und Pacult wurden in ihrer jeweils ersten Saison Vierter. Es gab vor ihren Meistertiteln eine noch stärkere „Trainer raus“-Stimmung.

FUSSBALL: ÖFB SAMSUNG CUP / VIERTELFINALE / SKN ST. PÖLTEN - SK RAPID WIEN

Für: Umgang mit Spielern
„Das ist die intelligenteste Mannschaft meiner Karriere. Sie hinterfragen alles“, erkannte Bickel vor einem Jahr. Nach der Ära Barisic fanden weder Büskens noch Canadi einen Draht zum Team.

Bei Djuricin ist das anders. Das beweisen auch die überzeugenden Leistungen, immer wenn es für den Trainer eng wurde. Mit Kapitän Stefan Schwab hat der 43-Jährige einen mittlerweile mächtigen Fürsprecher.

Im Sommer war es der Wunsch der Spieler, zum 4-2-3-1 zurückzukehren. Auch bei der Vorbereitung auf das Schlüsselspiel hat Djuricin die Spieler mitreden lassen: Es war ihr Vorschlag, erst heute nach Graz zu reisen.