Gomez gibt Kritikern Kontra

Mesut Özil gratuliert Mario Gómez zu einem Tor für die deutsche Nationalmannschaft.
Mario Gomez ist mit drei Toren für Deutschland bisher der Mann der EURO. Die Kritiker haben jetzt Funkstille.

Bräuchte Deutschland auch einen Rettungsschirm, dann hätte die DFB-Mannschaft in Stürmer Mario Gomez den idealen Beschützer. Zwei Spiele, drei Tore, drei Volltreffer von Gomez. Nicht nur Mathematiker sprechen nach dem 2:1 gegen die Niederlande da von einer 100-prozentigen Ausbeute.

Die Kritiker, darunter der ehemalige Bayern-Star Mehmet Scholl, die ihm Lauffaulheit und Egoismus zulasten der Mannschaft vorwarfen, brachte er mit den Toren zum Verstummen. Sie sollte nun endlich ein Ende haben, die lästige Diskussion, ob Klose oder Gomez in der Startelf stehen sollte. Gomez hat die Antwort gegeben.

Unverständlich

"Es war Druck ohne Ende", sagte der Stürmer nach getaner Arbeit gegen Oranje. Vor der Partie war der 26-Jährige getadelt worden, das Tor zum 1:0-Auftakterfolg über Portugal vermochte daran nichts zu ändern. Gomez, der bei der EM Miroslav Klose als Solospitze vorgezogen wird, verstand die Welt nicht mehr.

Als Begründung führt er Zahlen und Fakten ins Treffen. "Ich war in den vergangenen fünf, sechs Jahren der erfolgreichste deutsche Stürmer, habe die vergangenen beiden Jahre in der modernen Champions League nach Lionel Messi die meisten Tore geschossen. Deshalb sehe ich keinen Grund, meinen Stil zu ändern", sagte er noch zu Wochenbeginn. Das Nervenkostüm hielt.

Mit teilweise farblosen Vorstellungen im Nationalteam hatte er seinen Kritikern in der Vergangenheit immer bereitwillig den Köder ausgelegt. Denn in der DFB-Auswahl konnte der zweifache Champions-League-Finalist bei Großereignissen bisher nicht überzeugen, blieb sowohl bei der EM 2008 als auch der WM 2010 farb- und torlos.

Teamchef Joachim Löw schenkte ihm dennoch das Vertrauen: "Mario hat ab und zu auch bei der Nationalmannschaft mal am Boden gelegen. Bei der EM 2008 hat er eine Chance versemmelt und hatte Selbstbewusstsein verloren. Aber er hat sich immer wieder herangekämpft."

Löblich

Klubkollege Bastian Schweinsteiger war am Donnerstag voll des Lobes: "Mario hat bei den Bayern eine tolle Saison gemacht, selbst wenn er zuletzt die eine oder andere Chance ausgelassen hat. Für uns ist es wichtig zu wissen, dass wir vorne einen Stürmer haben, der aus Nichts ein Tor machen kann." Selbes gelte allerdings auch für Klose.

Die Deutschen sind sich ihres Aufstiegs ins Viertelfinale trotz der sechs Punkte nicht sicher. So versprach Schweinsteiger noch nach dem Schlusspfiff seinem ehemaligen Mitspieler Mark van Bommel auch gegen Dänemark einen Sieg anzustreben. "Natürlich wollen wir gewinnen, aber es wird nicht leicht. Ich erwarte, dass die Dänen in der Defensive kompakt stehen werden."

Zunächst stand Regeneration auf dem Trainingsplan, sind die Deutschen nach dem Spiel erst um vier Uhr Früh im Quartier in Danzig eingetroffen. "Noch sind wir müde", betonte Schweinsteiger.

Mario Gomez: Torero aus dem Schwabenland

Im Gegensatz zu Joachim Löw ist Mario Gomez die schwäbische Herkunft nicht anzuhören. Mit 16 verließ er das 2500-Einwohner-Dorf Unlingen Richtung VfB Stuttgart, zurück bleibt die heimatliche Zunge. "Ich bin Schwabe durch und durch. Aber ich wollte nicht, dass die denken, ‚was will denn das Landei hier?""

Der Schwabe Gomez ist freilich nur die halbe Wahrheit. Denn Vater Jose Garcia ist Spanier. Seine Wurzeln kann und will Gomez nicht verleugnen. Für die "Selección" zu spielen, kam ihm dennoch nie in den Sinn. Ab der U-15 durchlief er sämtliche DFB-Teams. "Wenn du als Stürmer Tore schießen willst, musst du für Spanien spielen. Wenn du Titel willst, für Deutschland", sagte er mit 18. Gomez mag heute klüger sein, der EM-Titel ist aber auch mit Deutschland in Reichweite.

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