Sport | Fußball
29.08.2018

"Gogo raus"? Djuricin hat die besten Werte

In diesem Jahrtausend kam kein Trainer der Hütteldorfer auf einen besseren Punkteschnitt.

Donald Trump brachte die „alternativen Fakten“ in die Politik ein: Es zählt nicht mehr das, was tatsächlich ist, sondern das, was mit größter Wucht und Überzeugung behauptet wird.

Im Fußball ist das nichts Neues. Die „gefühlte Wahrheit“ war rund um das Stadion immer schon eine beliebte Währung. Die aktuelle Trainerdiskussion um Goran Djuricin zeigt das besonders stark. Die Mehrheit der Fans (zumindest unter den lauten) hat ihr Urteil gefällt. Es klingt in etwa so: Ein maximal durchschnittlicher Trainer, der einen starken Kader daran hindert, endlich Titel zu holen. Deshalb: „Gogo raus!“ Am besten noch vor dem Rückspiel gegen FCSB in Bukarest am Donnerstag (20.30 Uhr, ORFeins und DAZN live).

Opfer der Ungeduld

Passend zu den aktuellen 30-Jahr-Feierlichkeiten der „Ultras“: Rapid hat seit der Gründung des größten Fanklubs 1988 von 60 möglichen nationalen Titeln nur fünf gewonnen. Djuricin selbst sieht in den bereits zehn titellosen Jahren den Hauptgrund für die Proteste gegen ihn: „Ich bin davon nur für eines verantwortlich, aber die Sehnsucht der Fans nach Titeln ist riesengroß. Das bekomm’ dann auch ich ab.“

Dazu kommen regelmäßige verbale Hoppalas, deren Wirkung im Social-Media-Zeitalter wie mit Brandbeschleuniger den Respekt vor Djuricin vernichtet.

Dabei muss sich die anfängliche Notlösung im Abstiegskampf mit der Bilanz seit April 2017 keinesfalls verstecken: In den bislang 60 Pflichtspielen kommt der 43-Jährige auf einen Punkteschnitt von 1,82 Zählern pro Partie. Von allen Rapid-Trainern, die im 21. Jahrhundert eingestellt wurden, hat Djuricin damit den besten Schnitt.

Die Meistertrainer Pacult (1,79) und Hickersberger (1,61) liegen ebenso wie Barisic (1,74) hinter dem früheren Ebreichsdorf-Trainer. Den Punkteschnitt seines direkten Vorgängers hat der Donaustädter mehr als verdoppelt. In den letzten 30 Jahren kam bei Rapid überhaupt nur Heri Weber (1,88) auf eine bessere Marke.

In Wien führt Stöger

Ein Rapid-Anhänger hat sich im Fan-Forum austriansoccerboard.at die Mühe gemacht, Djuricins Daten mit denen der Betreuer bei der Konkurrenz zu vergleichen. Das Ergebnis: Abseits der erfolgreicheren Red-Bull-Trainer ist in den vergangenen zehn Jahren Bundesliga nur ein Chefcoach auf einen höheren Schnitt gekommen: Peter Stöger als Meistermacher bei der Wiener Austria 2012/’13.

„Das überrascht und freut mich“, sagt Djuricin, der die Anfeindungen der Fans überraschend gut wegsteckt: „Kurz ärgere ich mich schon, aber dann versuche ich das mit noch mehr Arbeit für den SK Rapid auszugleichen.“ Und nach den Spielen gegen FCSB und Sturm? „Folgt intern eine große Analyse. Dann wird abgerechnet.“

Alexander Huber