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Sport Fußball

Glasgow Rangers vor der Insolvenz

Dem schottischen Traditions-Klub werden wegen hoher Schulden zehn Punkte abgezogen.

02/14/2012, 04:57 PM

Der Insolvenzantrag der Rangers wurde am Dienstagnachmittag von einem Gericht in Edinburgh offiziell angenommen. Ab sofort wird der Club von einem selbst ausgewĂ€hlten Zwangsverwalter gefĂŒhrt. Der damit verbundene Abzug von zehn Punkten ist gleichbedeutend mit dem Verlust des Meistertitels. Stadtrivale Celtic liegt damit 14 ZĂ€hler vor den "Gers".

Am Montagabend verkĂŒndete Besitzer Craig Whyte, dass der erste Schritt dafĂŒr eingeleitet wurde, der Konkurs selbst aber noch abgewendet werden solle. WĂŒtende, besorgte Fans buhten den Investor vor der Ibrox-GeschĂ€ftszentrale aus. Hintergrund der Finanz-Misere: Der Verein steckt noch aus der Vor-Whyte-Ära in einem Steuerverfahren, in dem er astronomische Nachzahlungen und Strafen erwartet. Die schraubte Whyte am Montag von zunĂ€chst befĂŒrchteten 49 Millionen Pfund (58,5 Mio. Euro) auf bis zu 75 Millionen Pfund (90 Mio. Euro) hoch.

Traditionsverein und Weltrekordhalter

Die Glasgow Rangers sind Weltrekordhalter mit 54 Landesmeistertiteln. 1873 gegrĂŒndet, spielte fĂŒr den schottischen Traditionsklub seit Mitte der 90er Jahre Geld anscheinend keine Rolle mehr. Stars wie Paul Gascoigne und Brian Laudrup streiften das tiefblaue Rangers-Trikot ĂŒber, Trainer-Ikone Dick Advocaat schmiss wĂ€hrend seiner Amtszeit (1998-2001) mit mehr als 80 Millionen Pfund (rund 95,5 Mio. Euro) fĂŒr Transfers um sich. FĂŒr den GrĂ¶ĂŸenwahn gepaart mit einigem Missmanagement bekam der amtierende Meister nun die Quittung: als bisher grĂ¶ĂŸter britischer Verein stehen die Rangers vor der Insolvenz.

Am Dienstag hat die britische Steuerbehörde, der HauptglĂ€ubiger, der BBC zufolge ihrerseits Insolvenz beantragt. Damit ist der sofortige Zehn-Punkte-Abzug, den es fĂŒr den fĂŒnften insolventen Club in der Geschichte der seit 1998 bestehenden schottischen Premier League gĂ€be, unabwendbar. Besonders bitter: Die Rangers fielen 14 Punkte hinter den Erzrivalen Celtic zurĂŒck und können damit die Meisterschaft abschreiben.

Ein Teufelskreis

Zudem mĂŒssen sie darum bangen, ob die UEFA sie im kommenden Jahr fĂŒrs europĂ€ische GeschĂ€ft zulĂ€sst. Ein Teufelskreis, denn darauf sind sie zum Schuldentilgen dringend angewiesen. In der einseitigen, kleinen Schotten-Liga sind die Einnahmequellen begrenzt.

Der Spielbetrieb gehe "business as usual" mit der Heimpartie gegen Kilmarnock am Samstag weiter, versicherte Eigner Whyte. Er hatte den hoch verschuldeten Verein erst im vergangenen FrĂŒhjahr von Stahl-Unternehmer David Murray ĂŒbernommen. Nur fĂŒr ein Pfund, weil der Club unter dem langjĂ€hrigen Vorbesitzer Murray eine "Ära des Verprassens" ("Times") erlebt hatte. Whyte betonte, die Verantwortung fĂŒr die Misere liege in Entscheidungen, die "vor vielen Jahren" getroffen worden seien.

Sanierung

Wie geht`s jetzt weiter? Sobald ein Insolvenzverwalter eingesetzt ist, lotet der die besten Optionen zur Sanierung aus. Möglich sind SpielerverkĂ€ufe und Mitarbeiterentlassungen. Auch Immobilien wie das Ibrox Stadium oder das TrainingsgelĂ€nde Murray Park könnten laut BBC auf dem PrĂŒfstand stehen. Paradoxerweise gab der Verein am Montag noch die Verpflichtung des StĂŒrmer-Routiniers Daniel Cousin bekannt.

Und was denkt der Erzfeind? Immerhin begrĂŒndet sich die Faszination der Liga vor allem aus "The Old Firm", der Celtic-Rangers-RivalitĂ€t. Celtic-Vereinschef Peter Lawwell sagte aber nur: "Wir brauchen die Rangers nicht."

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