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Sport Fußball
09/27/2012

Gelassenheit ist Roland Linz' Zier

"Sie haben vielleicht in ihrer Karriere auch Fehler gemacht, sonst würden Sie bei der New York Times schreiben."

Roland Linz. Ein Name, ein Reizthema. Ein Mann, an dem sich die Geister der Fußballszene scheiden. Der Provokateur, im ständigen Hin und Her zwischen Spielwiese und diversen Klatschspalten. Der 31-Jährige bringt so manchen Fan mit seiner Lockerheit auf die Palme, doch im Gespräch zerbröselt die dadurch genährte Erwartungshaltung, einem arroganten Hund gegenüberzusitzen.

Zuletzt war er unter Trainer Stöger in den Meisterschaftsspielen der Austria nur eine auf der Bank sitzende Randerscheinung. Mit Trainer Daxbacher hat er sich überworfen, dessen Nachfolger Vastic war gar der Meinung, Linz solle in der Abgeschiedenheit der Tribüne über Trainingseinstellung nachdenken.

Zu Recht? "Ansichtssache", meint Linz. Denn alles, was für einen Mann seiner Profession zähle, seien Tore. Tore, die Linz als die stärksten Argumente für sein Tun und Lassen erachtet. Zwei entscheidende waren es beim Cupspiel in Dornbirn.

KURIER: Erwarten Sie jetzt, wieder näher an die Startelf gerückt zu sein?
Roland Linz
: Eigentlich erwarte ich mir gar nichts. Ich weiß nur, dass ich körperlich und mental sehr gut drauf bin.

Mental gut drauf? Wie kann das sein, wenn man nicht erste Wahl ist?
Weil ich weiß, dass sich vieles sehr schnell ändern kann. Diese Situation kann ich gut einschätzen. Ich fühle mich ausgeglichen.

Wenn man bösartig ist, könnte man meinen, die Trainer Daxbacher und Vastic hätten bei der Beurteilung Ihrer Person doch recht gehabt, nachdem Sie zumeist wieder auf der Bank sitzen.
Das ist Ansichtssache. Auch wenn ich in den Augen der Trainer nicht immer erste Wahl war, vereinsintern hab’ ich die meisten Tore erzielt. Na gut, die Trainer haben eben auch ihre Überlegungen und Vorstellungen. Und ich bin nicht nachtragend. Mit Vastic habe ich am Ende der letzten Saison noch ein sehr gutes Telefonat geführt.

Doch immer wieder geben Ihre Trainingsleistungen Anlass zur Kritik ...
Ich kann nicht so viel falsch gemacht haben. In den letzten Jahren gibt es in Österreich keinen, der in allen Bewerben öfter getroffen hat als ich, wenn ich mich nicht irre. Auch das sind Fakten.

"Ich bin keiner, der ständig nachfragt"

Warum sind Sie auch bei Stöger nicht gesetzt?
Dafür bin ich der falsche Ansprechpartner.

Gehen Sie nicht auf den Trainer zu und suchen das Gespräch?
Ich bin keiner, der ständig nachfragt.

Also ist es die Trainerpflicht, das zu erklären?
Ich bin auch noch kein Trainer. Daher möchte ich mich jetzt nicht mit den Pflichten eines Trainers auseinandersetzen.

Wie geht ein Routinier damit um, wenn ihm andere Spieler vorgezogen werden?
Mit Gelassenheit.

Ist das der richtige Weg?
Was wäre der richtige Weg?

Gelassen kann auch heißen: Alles über sich ergehen lassen.
Den Eindruck habe ich nicht von mir. Ich habe mit den zwei Toren in Dornbirn probiert, aufzuzeigen.

Welche Erkenntnis haben Sie aus den letzten Monaten gewonnen?
Immer ganz ruhig zu bleiben. Ich bin reifer geworden und mich wirft jetzt weniger aus der Bahn als mit 21.

Trotzdem: Ihnen wurde stets großes Talent bescheinigt. Hätten Sie mehr aus Ihrer Karriere herausholen müssen?
Ich war über vier Jahre im Ausland. Bis auf mein Abenteuer in der Türkei bin ich eigentlich sehr glücklich mit meinem Werdegang. Die Zeit in Portugal war für mich sehr erfolgreich. In Österreich war ich zwei Mal Meister, Cupsieger, Schützenkönig. Natürlich, hätte es mit Porto oder Sampdoria geklappt, wäre das etwas gewesen, womit man so richtig zufrieden sein könnte. Doch wichtig ist, wie ich meine Karriere sehe, und nicht wie sie die Öffentlichkeit sieht.

"Es war mein größter Fehler, Portugal zu verlassen"

Hätte Ihnen ein wenig mehr Biss nicht gutgetan?
Biss? Das lässt sich immer leicht behaupten. Nur mein engstes Umfeld weiß, wie viel Biss ich wirklich habe und was ich in meiner Jugend in den Fußball investiert habe.

Der größter Fehler in Ihrer Karriere?
Kleinigkeiten gab’s immer. Aber es war mein größter Fehler, Portugal zu verlassen. Ein fußballbegeistertes Land, dessen Spielstil sehr zu mir passt.

In Braga haben Sie dem Trainer den Ball nachgeschossen. Das würden Sie wohl nicht mehr machen?
Das war negativ, auch wenn es damals falsch dargestellt wurde. Fehler passieren. Sie haben vielleicht in ihrer Karriere auch Fehler gemacht, sonst würden Sie bei der New York Times schreiben.

Würden wir nicht. Aber ist für Sie das Nationalteam noch ein Thema?
Wenn es im Verein wieder passt, ist das Team natürlich ein Ziel von mir.

Ihre Zeit bei der Austria scheint allerdings überschaubar. Im Sommer läuft der Vertrag aus.
Darüber wurde noch nicht gesprochen. Ich kann mir vorstellen, dass die Austria mit mir reden wird. Wenn nicht, bin ich ablösefrei.

Wie lange werden Sie noch Fußball spielen?
Fünf, sechs Jahre habe ich schon noch vor.

Um die Karriere möglicherweise in der Regionalliga ausklingen lassen?
Nein, das habe ich nicht vor. Aber ich habe mich mit meiner Pensi noch nicht so beschäftigt wie das scheinbar andere tun.

Stört es Sie, dass Sie häufig in der Klatschpresse vorkommen? Oder gefällt Ihnen das vielleicht?
Ich provoziere das nicht. Damit kann ich leben. Journalisten machen auch nur ihre Arbeit. So läuft das Spiel.

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