Sport | Fußball 21.05.2018

Rapid verhöhnte den Gegner bei "kitschigem" Hofmann-Abschied

Steffen Hofmann traf bei seinem letzten Spiel in Hütteldorf. © Bild: DIENER / Philipp Schalber/DIENER / Philipp Schalber

Rapid spielte die Partie gegen Altach freiwillig mit neun Spielern zu Ende.

In der vorletzten Runde kam es am Sonntag zu einem neuen Zuschauerrekord. 57.945 Fans sahen die fünf Spiele, im Schnitt kamen 11.589 Anhänger zu den fünf Partien. Viele wurden für ihr Kommen entschädigt. Manche gingen verärgert wieder nach Hause.

Schauplatz Hütteldorf: Das ausgegebene Ziel – Platz drei – wurde von Rapid erreicht: 4:1-Sieg gegen Altach. Für grüne Freuden sorgte Steffen Hofmann, der in seinem letzten Heimspiel noch als Torschütze in Erscheinung trat. Und dennoch gerieten die Hütteldorfer am Ende in die Kritik. Und die war nachvollziehbar.

Denn obwohl man bereits in Minute 77 den dritten und letzten Wechsel vollzogen und das Austauschkontingent erfüllt hatte, holte man in der Nachspielzeit noch zwei Spieler vom Platz. Zunächst Louis Schaub, und es folgte der Hauptdarsteller in Rapids Hofmann-Abschiedsorgie. Nachdem die beiden in ihrem letzten Heimspiel großen Beifall geerntet hatten, beendete Rapid die Partie freiwillig zu neunt.

Die Altacher fühlten sich verhöhnt und gedemütigt. „Heute war Weihnachten, Ostern und Pfingsten zusammen, da haben im Allianz Stadion besondere Regeln gegolten. Mir stinkt’s ein bisschen“, meinte Trainer Klaus Schmidt. Hannes Aigner schimpfte während der Partie in Richtung von Rapid-Coach Goran Djuricin, der antwortete mit einem „Scheibenwischer“.

Wie in einem "kitschigen" Film

Schon vor seinem letzten Bewerbsmatch für Rapid wurde Hofmann von den Fans mit lautstarken Gesängen und einer gewaltigen Choreografie über den kompletten Block West gefeiert. Während des gesamten Spiels huldigte der grün-weiße Anhang seinem "Fußball-Gott". Und als Hofmann in der 73. Minute, sechs Minuten nach seiner Einwechslung, auch noch zum Endstand traf, brach so etwas wie kollektive Ekstase aus.

Kein Wunder, dass Hofmann noch lange nach dem Schlusspfiff von seinen Gefühlen übermannt war. "Ein Drehbuch für einen kitschigen Film kann man nicht besser schreiben", erklärte der Deutsche. Theoretisch könnte die Vereinsikone auch in der letzten Runde am Sonntag beim WAC eingesetzt werden. "Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich nächste Woche noch einmal in den Bus einsteige", sagte Hofmann.

Damit endete seine glanzvolle Rapid-Karriere nach 540 Pflichtspielen und 128 Toren. "Es ist nicht mit Worten zu beschreiben, was dieser Verein für mich bedeutet. Es fällt mir nicht leicht, aber alles, was heute passiert ist, wird immer in meinem Herzen bleiben. Danke für alles - lang lebe Rapid", rief Hofmann via Mikrofon den Tausenden Fans zu, die auch eine halbe Stunde nach Schlusspfiff noch im Stadion waren.

Der Rekordspieler der Hütteldorfer wurde minutenlang vor dem Block West und unter Ovationen seiner Mitspieler gefeiert, drehte danach eine Stadionrunde mit seiner Frau und seinen drei Kindern und umarmte dabei noch schnell eine Flitzerin, die er vor dem Zugriff der Securitys bewahrte.

In der anschließenden Pressekonferenz berichtete Hofmann von seinem aufwühlenden Tag. "Die Nacht war sehr kurz, ich weiß nicht, ob ich überhaupt geschlafen habe. Ich war sehr früh im Stadion, weil ich es daheim nicht mehr ausgehalten habe. Dann hat irgendjemand die Fernsteuerung genommen und ich bin wie ferngesteuert durch die Gegend gelaufen."

Schon bei seiner Einwechslung habe er große Freude verspürt. "Dass ich dann noch ein Tor schieße, ist in Wahrheit ein Wahnsinn. Das macht den heutigen Tag noch unbeschreiblicher. Es ist einfach schön, wie das alles gelaufen ist."

( kurier.at ) Erstellt am 21.05.2018