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Sport Fußball
04/01/2021

Fußball nach 7 Jahren Bürgerkrieg: Ein Funken Hoffnung für Libyen

Erstmals nach dem Bürgerkrieg durfte die Nationalmannschaft wieder in der Heimat spielen. Die Fans haben sehnsüchtig darauf gewartet.

von Günther Pavlovics

Sieben Jahre haben die Fußballfans im vom Bürgerkrieg geplagten Libyen darauf gewartet, dass die Nationalmannschaft wieder ein Spiel in Libyen austrägt.

Am Donnerstagabend vor einer Woche fand in Libyens zweitgrößter Stadt Bengasi dieses fast historische Fußballspiel statt. Zuvor hatte der afrikanische Kontinentalverband CAF die Sicherheitswarnung (sie galt seit 2014) für die Hauptstadt Tripolis und das unweit der ägyptischen Grenze gelegene Bengasi aufgehoben. Dort fand im Rahmen der Qualifikation für den Afrika-Cup, der 2022 in Kamerun stattfindet, das Spiel der Libyer gegen Tunesien statt.

Nicht nur die Fußballfans verfolgten jedes Detail der Spielvorbereitung. So passierte der Übertragungswagen des libyschen Sportfernsehens Al Rasmia aus Tripolis ohne Probleme die ehemalige Frontlinie bei Sirte und erreichte Bengasi.

Von Minen befreit

Die 800 Kilometer lange Küstenstraße wurde erst in der Woche vor dem Spiel von Minen befreit. Bis Ende letzten Jahres hatte die Armee des in Ost-Libyen herrschenden Feldmarschalls Chalifa Haftar versucht, Tripolis einzunehmen. Erst als der Einheitsregierung in Tripolis die Türkei mit Waffen und syrischen Söldnern zu Hilfe kam, zog sich der von russischen und ägyptischen Militärberatern unterstützte Haftar zurück. Seit Jänner ist der Krieg vorbei, die neue Einheitsregierung von Premier Abdulhamid Dabeiba versucht, die Kriegsparteien zu versöhnen. In dem Fußballspiel sahen viele einen Hoffnungsschimmer, dass Krieg und Spaltung des Landes Vergangenheit sind.

Das libysche Nationalteam hatte zuletzt die Heimspiele in tunesischen und ägyptischen Stadien bestritten. Zu einem Spiel gegen Südafrika kamen im März 2019 über 12.000 libysche Fans in die tunesische Hafenstadt Sfax. Auch für die meisten Tunesier ist Libyen ein unbekanntes Land, aus dem man nach Gaddafi nur von Gewalt und Krieg hört. Die oft über 1.000 Kilometer mit dem Auto über Frontlinien angereisten, friedlich feiernden libyschen Fußballfans haben damals viele Vorurteile abgebaut.

Aufgrund der akut gestiegenen Zahl der Corona-Infektionen fand zwei Jahre später das Spiel in Bengasi ohne Zuschauer statt. Vor zwei Wochen wurde ein Lockdown verhängt. Mit der Ankunft der südafrikanischen Variante des Coronavirus sind mehr junge Leute als zuvor erkrankt. Dennoch haben sich viele Fans in Cafés oder privat getroffen, um die Übertragung des Spiels zu sehen. Das Spiel endete 2:5. Libyen ist in Kamerun nicht am Start. Am 31. Mai startet die WM-Qualifikation, Libyen ist dabei in einer Gruppe mit dem östlichen Nachbarn Ägypten. 

Teamchef Filipovic

Es wartet noch viel Arbeit auf Zoran Filipovic, der in den 80er-Jahren in Belgien und Portugal als Profi spielte. 1983 erreichte der Stürmer mit Benfica Lissabon das Finale im UEFA-Cup, im Viertelfinale hat er mit drei Toren AS Roma (mit Herbert Prohaska) im Alleingang aus dem Bewerb geworfen. Der 68-Jährige, der in Titograd im heutigen Montenegro geboren wurde, ist seit Dezember 2020 Teamchef.

Seitdem die CAF dem tunesischen Verband erlaubt, algerische, libysche und ägyptische Spieler als Einheimische zu behandeln, stehen bei Klubs wie Étoile, Espérance oder Africaine bis zu sieben Spieler aus den Nachbarländern auf dem Platz. In Zeiten von Polarisierung und sozialen Problemen eint der Fußball den Maghreb stärker als jedes andere Projekt.

Mit Ali Elmusrati ist ein Teamspieler bei einem guten europäischen Klub engagiert, er spielt in Portugal bei Braga. Im Dezember spielte gegen Äquatorialguinea Ismael Tajouri von New York City zuletzt im Team. Der heute 27-Jährige wurde in Bern geboren, sein Vater war Diplomat, der nach Wien versetzt wurde, als Ismael neun Jahre alt war. Tajouri spielte von 2011 bis 2018 bei der Wiener Austria, war zwischenzeitlich an den SCR Altach verliehen und ging 2018 in die USA.

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