Sport | Fußball
29.08.2018

Hoeneß: Löw soll nicht "den tollen Hecht spielen"

Der Bayern-Präsident erwartet nach dem WM-Debakel keinen Umbruch in der DFB-Elf. Sammer sieht strukturelle Gründe.

Uli Hoeneß, Präsident von Bayern München, glaubt nicht an große Veränderungen in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei deren erster Zusammenkunft nach dem WM-Debakel in Russland. "Ich glaube nicht, dass da viel rauskommt", sagte Hoeneß vor der Präsentation der WM-Analyse von Bundestrainer Joachim Löw und der Nominierung des ersten Kaders der Saison am Mittwoch.

"Der Jogi Löw wäre unklug, alles in breiter Öffentlichkeit zu diskutieren. Wenn es etwas zu diskutieren gab, dann hat er das schon längst mit den Verantwortlichen des DFB gemacht und wird gegebenenfalls mit den Wichtigsten, den Spielern, darüber reden", sagte Hoeneß: "Ich halte nichts davon, eine Alibi-Veranstaltung zu machen vor den Medien, um den tollen Hecht zu spielen."

Hoeneß bezeichnete das erste deutsche Vorrunden-Aus bei einer WM gleichwohl als alarmierend. Trotzdem müsse man "Ruhe bewahren", meinte der Weltmeister von 1974. "Man muss natürlich das eine oder andere ändern. Aber das Allerwichtigste ist aus meiner Sicht, dass die Mannschaft wieder mehr arbeitet und mehr kämpft und sich nicht so in ihr Schicksal ergibt, wie das in Russland der Fall war. Ein Spiel wie gegen Südkorea, wo wir gegen einen zweitklassigen Gegner in 90 Minuten fast keine Torchance herausspielen, obwohl jeder wusste, dass es um Sein oder Nichtsein ging, ist ein Alarmzeichen", sagte er.

Seinen Verein, der in der Regel die meisten Nationalspieler stellt, sieht Hoeneß in einer Schlüsselrolle beim Neustart: "Ich weiß nur, dass die Nationalmannschaft nur dann wieder gut wird, wenn der FC Bayern gut ist. Und daran müssen wir arbeiten." Die Fans sind allerdings skeptisch. Nur gut ein Viertel der deutschen Fußball-Fans traut Löw einen erfolgreichen Neustart zu. Dagegen gaben 57,5 Prozent der befragten Sportinteressierten in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Civey für das Nachrichtenportal "t-online.de" an, ihrer Meinung nach werde Löw mit dem Nationalteam nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen können.

Mehr Fußballkompetenz nötig

Der ehemalige DFB-Sportdirektor Matthias Sammer bemängelt mit Blick auf die Krise im deutschen Fußball fehlende Kompetenz bei DFB und DFL. "Wir brauchen mehr Fußballkompetenz im Verband, die Richtlinien auf allen Ebenen wie Trainer oder Jugendausbildung festlegen. Das müssen fachlich starke Typen sein, die wissen, wie Gewinnen geht", sagte Sammer der Sport Bild.

Löw steht dagegen für Sammer "überhaupt nicht zur Diskussion". Löw brauche vielmehr "unser aller Unterstützung", betonte Sammer und fügte hinzu: "Die Probleme des deutschen Fußballs haben nicht allein mit der deutschen Nationalmannschaft und ihrem Abschneiden zu tun."

Sammer hatte beim Gipfeltreffen mit Löw, DFB-Chef Reinhard Grindel und Vertretern der Liga an einem Tisch gesessen. "Wenn das, was besprochen wurde, ein Anfang war, bin ich zufrieden. Wenn es aber nur eine Befriedigung der aktuellen Lage nach dem WM-Aus gewesen sein sollte, bin ich keiner guten Dinge für den deutschen Fußball", erklärte Sammer, der aktuell als Berater von Borussia Dortmund und Experte beim TV-Sender Eurosport tätig ist.