Sport | Fußball
29.08.2018

Der Salzburger Champions-League-Fluch geht weiter

Die Salzburger verspielen gegen Roter Stern Belgrad eine 2:0-Führung und verpassen auch im elften Anlauf die Gruppenphase.

77 Sekunden Unaufmerksamkeit haben Salzburg auch im elften Versuch der Ära Red Bull den Einzug in die Gruppenphase der Champions League gekostet. Bis zur 65. Minute hatte der Meister 2:0 geführt, doch dann kam Roter Stern Belgrad zu zwei Toren. Das 2:2 reichte den Serben nach dem 0:0 im Hinspiel dank der Auswärtstorregel zum Aufstieg.

Salzburg begann überfallsartig. Rose hatte ja schon nach dem 0:0 in Belgrad angekündigt, dass seine Mannschaft auf mehr als ein Tor „losgehen“ werde. Roter Stern wurde aggressiv attackiert.

Und zumindest das 1:0, das ja bereits den Aufstieg bedeutet hätte, hätte früh fallen können: Daka war bereits an Torhüter Borjan vorbei, doch dann zögerte er den Bruchteil einer Sekunde zu lange und konnte deshalb am Schuss ins leere Tor gehindert werden (10.).

Ein Salzburger Tor war mehrmals im Bereich des Möglichen. In der 19. Minute hätte es eigentlich fallen müssen: Nach einem Doppelpass mit Dabbur stand Daka alleine vor Keeper Borjan, konnte diesen jedoch nicht bezwingen.

Und die Gäste? Da waren nur die 7200 Fans, die die Südtribüne in der Red-Bull-Arena bevölkerten und einen höllischen Lärm erzeugten - Champions-League-tauglich. Von der Mannschaft des serbischen Meisters kam hingegen gar nichts. Es schien als würde man einen Vorsprung verteidigen, den man aber gar nicht hatte. Fast immer waren alle Roter-Stern-Spieler in der eigenen Hälfte, phasenweise verteidigte die komplette Elf wie ein Handballteam den eigenen Strafraum.

Kurz vor der Pause wurde der Anti-Fußball von Roter Stern bestraft: Nach einer halbhohen Flanke von Ulmer kam Dabbur freistehend im Strafraum an den Ball und schoss volley ein (45.).

Wiederholung

Schon vor zwei Jahren war Salzburg im Play-off-Rückspiel gegen Dinamo Zagreb mit einer 1:0-Führung in die zweite Hälfte gestartet, die für den Einzug in die Gruppenphase gereicht hätte. Damals wurde allerdings nicht nachgesetzt. Die Strafe folgte mit dem späten 1:1 und mit dem Ausscheiden.

Gestern sollte das 2:0 gelingen. Und das schon der 48. Minute: Wolf wurde bei einem Schussversuch im Strafraum von Savic gefällt. Schiedsrichter Cakir entschied auf Elfer, diesen verwertete Dabbur sicher (48.).

Es war aber wohl zu früh gefallen, das zweite Tor. Denn Salzburg hörte auf mit dem Fußball spielen, verzettelte sich Privatduellen mit den Roter-Stern-Spielern. Und bestrafte sich wieder einmal in einem Play-off selbst.

Ein schwerer Fehler brachte eine bis zur 65. Minute nicht vorhandene Roter- Stern-Elf ins Spiel zurück: Wolf dribbelte an der Strafraumgrenze anstatt zu klären und verlor den Ball. Nach einer Flanke konnte Ben einschießen – 1:2.

Und es vergingen nur ein paar Sekunden, bis sich Salzburg das zweite Gegentor einfing: Degenek köpfelte Richtung Tor, Ben beförderte den Ball über die Linie – 2:2.

Nun war Salzburg erstmals ausgeschieden. Und konnte sich vom Doppelschlag nicht mehr erholen. Mehr als zwei, drei Halbchancen schauten nicht mehr heraus. Es blieb beim 2:2. Wieder einmal jubelte der Salzburger Play-off-Gegner über den Einzug in die Gruppenphase.

Salzburg - Roter Stern Belgrad 2:2 (1:0)

Tore:
Dabbur (45.)
Dabbur (47., Elfmeter) 
Nabouhane (65.)
Nabouhane (66.)

Wals-Siezenheim, Red Bull Arena, 26.500 (ausverkauft), SR Cakir (TUR)

Hinspiel 0:0 - Roter Stern mit Gesamtscore 2:2 aufgrund der Auswärtstorregel in der Champions League, Salzburg in der Gruppenphase der Europa League (Auslosung am Freitag, 13.00 Uhr, in Monaco)

Wals-Siezenheim, Red Bull Arena, SR Cakir

Salzburg: Stankovic - Lainer, Ramalho, Pongracic, Ulmer - Haidara, Samassekou, Wolf, Schlager (83. Prevljak) - Daka (69. Yabo), Dabbur

Belgrad: Borjan - Stojkovic, Savic, Degenek, Rodic - Krsticic, Jovicic - Simic (37. Jovancic), Milic (49. Pavkov), Radonjic (82. Gobeljic) - Nabouhane

Gelbe Karten: Pongracic, Schlager, Dabbur bzw. Krsticic, Stojkovic, Pavkov

Neben Salzburgs-Gegner Roter Stern Belgrad haben sich am Mittwoch auch noch PSV Eindhoven und Benfica Lissabon als letzte Teams für die Gruppenphase der Fußball-Champions-League qualifiziert. PSV gewann nach dem 3:2-Auswärtserfolg das Heimspiel gegen BATE Borissow souverän 3:0, Benfica korrigierte dagegen das 1:1 vor eigenem Publikum mit einem klaren 4:1-Auswärtserfolg über PAOK Saloniki.

Meinungen zum Spiel: 

 

Marco Rose (Salzburg-Trainer): "Es ist ein herber Schlag, es tut richtig weh. Es fühlt sich ganz beschissen an, weil es unser großes Ziel war. Und weil die Mannschaft viel investiert und viel probiert hat. Wir haben diese 2:0-Führung in zwei Minuten aus der Hand gegeben. Ich kann sagen, dass in der Kabine Leute sitzen, die heute nicht auf dem Platz waren, und weinen. Ich bin verantwortlich für diese Gruppe und habe die Verantwortung jetzt alle wieder auf den Weg zu bringen. Natürlich: Es ist ein extrem bitterer Abend für uns alle. Klar wird jetzt ein bisschen was auf uns einprasseln, aber wir gehen weiter."

 

Andreas Ulmer (Salzburg-Kapitän): "Die Enttäuschung sitzt tief drinnen. Wir haben über weite Strecken ein großes Spiel gemacht, haben sehr viel Großchancen gehabt und hätten trotz der zwei Gegentore gewinnen können. Wir haben bis zur letzten Sekunde alles probiert. Wir hätten das Weiterkommen verdient gehabt. Morgen wird sicher noch ein schwerer Tag für uns."

Munas Dabbur (Salzburg-Doppeltorschütze): "Wir haben alles gegeben und waren die viel bessere Mannschaft. Aber das ist Fußball. Wir haben Fehler wie Kinder gemacht. Ich weiß nicht, was da gerade passiert ist. Es macht jetzt keinen Sinn, zu sagen, dass wir zehnmal besser als sie waren - aber wir waren zehnmal besser."

Christoph Freund (Sportdirektor Salzburg): "Es ist schwierig zu erklären. Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht, und dann bekommen wir in zwei Minuten zwei Tore, die wir so sonst nicht bekommen. Es ist bitter, es ist eine große Leere da. Wenn man 2:0 führt, darf man das Spiel nicht mehr aus der Hand geben. Das kam aus dem Nichts, die haben sich keine Chancen herausgespielt. Natürlich sind wir jetzt wieder die Blöden, wie in den letzten Jahren."