Sport | Fußball
06.09.2018

Der ÖFB sieht die Einführung der Nations League positiv

Weniger Freundschaftsspiele bringen mehr Planungssicherheit, für Ärger sorgt lediglich die Terminisierung der Play-offs.

Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) sieht die Einführung der Nations League positiv. Laut Bernhard Neuhold, Geschäftsführer der ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH, bringt der neue Bewerb dem Verband mehr finanzielle Planungssicherheit, weil dadurch weniger Freundschaftsspiele über die Bühne gehen.

"Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unsere Fans definitiv zwischen Freundschafts- und Bewerbsspiel unterscheiden, deswegen stellt die Nations League für uns eine Weiterentwicklung dar", sagt Neuhold.

Sofern die Gegner nicht Deutschland oder Brasilien heißen, sind die ÖFB-Tests meist schlecht besucht, daher nimmt man auch ein nicht leicht durchschaubares Turnier-Reglement in Kauf. "Ich bin überzeugt, dass die Nations League einen Mehrwert bedeutet, weil es in den Spielen um etwas geht", erklärte Neuhold.

Mehr Zuschauer bedeuten für den ÖFB mehr Einnahmen. Dazu kommt, dass die verbliebenen Länderspiele wie jenes am (heutigen) Donnerstag gegen Schweden seit heuer ebenfalls unter UEFA-Zentralvermarktung laufen. "Dadurch hat man eine höhere Garantiezahlung und ist weniger darauf angewiesen, dass man gegen attraktive Gegner spielt. Es ist es immer einfacher planbar, wenn man Garantiebeträge hat und nicht von Variablen wie Brasilien oder Deutschland abhängig ist", meinte Neuhold.

Antrittsgeld sowie eine Erfolgsprämie

Im Gegensatz zu den bisherigen Länderspielperioden trat der ÖFB für die Zeit von Sommer 2018 bis Sommer 2022 seine Medienrechte nicht nur für Quali-, sondern auch für Nations-League- und Testspiele an die UEFA ab. Deshalb muss im Gegensatz zur Ära Marcel Koller nun jeder Termin für ein Freundschaftsmatch wahrgenommen werden, wobei die maximale Zahl an Länderspielen im Vergleich zu früher unverändert bleibt. Eine weitere Konsequenz der Abtretung ist, dass der Verband von der UEFA mehr Geld kassiert. Im Gegenzug fallen die Einnahmen aus eigenvermarkteten Freundschaftspartien weg.

Im Endeffekt dürfte der ÖFB aber wirtschaftlich besser als bisher aussteigen, zumal der Kontinentalverband in der Nations League ein Antrittsgeld sowie eine Erfolgsprämie im Falle eines Gruppensiegs ausbezahlt. Kolportiert werden für Österreichs Liga B jeweils Beträge an der Grenze einer sechs- bis siebenstelligen Summe.

Bestätigt wurde das von der UEFA jedoch nicht, und auch Neuhold hielt sich bedeckt: "Es ist auf jeden Fall nicht mit der Champions League oder Europa League vergleichbar. Im Geld werden wir deswegen nicht schwimmen." Punkteprämien gibt es in der Nations League nicht.

Nur ein Aspekt des neuen Bewerbs stimmt Neuhold nachdenklich: Wenn es das ÖFB-Team nicht über die EM-Qualifikation zur Endrunde schafft, aber am Nations-League-Play-off teilnimmt, wird es für den Verband herausfordernd. Die Play-offs werden erst vom 26. bis 31. März 2020 und damit rund zweieinhalb Monate vor Turnierbeginn ausgetragen, die Planungen für ein etwaiges EURO-Antreten müssen aber schon viel früher beginnen.

Terminproblem

Und dann tut sich noch das Problem der Play-off-Termine auf. Zwar steht schon im November 2019 fest, ob man im Play-off-Semifinale und -Finale daheim oder auswärts spielt, doch die Vorarbeiten werden dadurch nicht viel leichter. Im Falle eines Semifinal-Sieges müsste der ÖFB innerhalb weniger Tage entweder ein Heimspiel mit gewaltigem Zuschauerinteresse auf die Beine stellen oder alles für ein Auswärtsmatch organisieren, von dem man kurz zuvor gar nicht weiß, wo es stattfindet.

Dieses Szenario würde Neuhold und seine Kollegen ordentlich ins Schwitzen bringen. "Organisatorisch und wirtschaftlich wäre das sehr kompliziert. Deshalb haben wir schon bei der UEFA deponiert, dass das in der Praxis schwer umzusetzen sein wird und hoffen, dass es noch einen adaptierten Modus geben wird in dem Sinn, den Final-Ort vorher festzulegen."

Eine UEFA-Reaktion zum ÖFB-Anliegen gab es bisher noch nicht. Zudem hüllt sich der Kontinentalverband auch in Schweigen, was den Modus für die geplante zweite Nations-League-Auflage ab September 2020 betrifft. "Hier haben wir noch keine Informationen bekommen. Ich gehe aber davon aus, dass wieder Plätze für die WM 2022 über die Nations League vergeben werden, sonst würde der Bewerb an Attraktivität einbüßen", erklärte Neuhold.

Im Dunkeln tappt der ÖFB ebenso im Zusammenhang mit der angedachten FIFA-Nations-League, die laut internationalen Medienberichten vom Frühjahr hochdotiert sein könnte. "Inwieweit die Pläne fortgeschritten sind, wissen wir nicht", sagte Neuhold.