Für Rapid stellt sich die Millionenfrage
Wir haben zwar 2:0 gewonnen. Aber der Fußball macht so keinen Spaß. Ich möchte das nie wieder erleben", sagte Peter Schöttel nach dem Geisterspiel gegen die Admira am 16. Juli 2011 im leeren Hanappi-Stadion.
Nur 13 Monate später schwebt wieder das Gespenst eines Geisterspiels über Hütteldorf. Dieses Mal waren zwar nicht Rapid-Fans auf den Platz gestürmt, wie am 22. Mai 2011 beim Derby, sondern PAOK-Anhänger. Doch die UEFA greift im Kampf gegen Pyrotechnik (wie die in Saloniki aus dem Rapid-Sektor abgeschossenen Leuchtraketen) zu ähnlich rigorosen Bestrafungen. Am Sonntag hatte der Verein bekannt gegeben, dass "existenzbedrohende Konsequenzen" im Raum stehen würden. Der europäische Verband skizzierte die geplanten Konsequenzen nach dem Bericht des UEFA-Delegierten McDowell.
Neben einer Geldstrafe von 75.000 Euro musste mit einem Geisterspiel und dem Ausschluss aus dem Europacup bei weiteren Vergehen gerechnet werden. Am Montag wurde nach dem Einlangen des Erklärungsschreibens von Rapid über konkrete Konsequenzen beraten, Entscheidung gab es aber noch keine.
Für die heftigen Angriffe der Griechen, die bereits vor dem Spiel begonnen hatten, wird der Maßnahmenkatalog noch weiter ausgeschöpft. Drei Geisterspiele und 150.000 Euro Geldstrafe wurden PAOK angedroht.
Protest
Bei Rapid wurde bereits der noch diese Woche mögliche Protest gegen das Urteil in erster Instanz vorbereitet. Ein Geisterspiel soll mit allen Mitteln verhindert werden, weil nicht nur das Image leiden würde.
In der Gruppenphase mit dem geplanten Spielort Happel-Stadion würde sich sogar die Millionenfrage stellen. Bei 45.000 verkauften Dreier-Abos (wie 2009 und 2010) fallen bereits bei einem durchschnittlichen Match-Preis von 20 Euro Einnahmen von 900.000 Euro weg. Zusätzlich würden die Merchandising-Einnahmen rund ums Stadion fehlen, dafür sind die Sicherheits-Ausgaben geringer. "Insgesamt würde ein Gruppenspiel in einem leeren Happel-Stadion Rapid rund eine Million Euro kosten", bestätigt Kommunikations-Chef Klinglmüller.
Austrias Geisterspiel
Lokalrivale Austria hat übrigens schon Erfahrungen mit einem Geisterspiel im Europacup. Vor zwei Jahren musste das Europa-League-Qualifikationsspiel gegen Siroki Brijeg aus Bosnien unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, nachdem Austria-Fans sieben Monate davor für einen Skandal gesorgt hatten. Das Gruppenspiel gegen Athletic Bilbao am 3. Dezember 2009 musste in der 68. Minute beim Stand von 0:2 unterbrochen werden, weil Austria-Fans versucht hatten, das Spielfeld zu stürmen. Erst nach einer 20-minütigen Unterbrechung ging es weiter, Bilbao siegte schließlich 3:0.
Die UEFA ließ lange auf das Urteil warten. Zunächst wurde es für 28. Jänner 2010, dann für 15. Februar angekündigt. Gefallen ist es aber erst am 19. Februar 2010. Die Austria wurde zu zwei Europacupspielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit (eines davon bedingt auf zwei Jahre) und 20.000 Euro Geldstrafe verurteilt.
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