Trimmel (li.) und Sabitzer steht ein heißer Tanz in Kiew bevor.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Ein Sieg würde Rapids Schulden tilgen

Ein Sieg würde Rapids Schulden tilgen

Ein Sieg in Kiew bringt den Aufstieg und rund 1,5 Millionen Euro.

von Alexander Huber

12/12/2013, 02:50 PM

Die Lenin-Statue liegt auf dem Boden. Mit Hammer (aber ohne Sichel) wird der rund drei Meter lange, steinerne Körper der kommunistischen Leitfigur bearbeitet. Umgerechnet fünf Euro kostet ein herausgeschlagenes Stück Polit-Vergangenheit. Die Hobby-Steinmetze wirken trotz Schneefall und Kälte aufgekratzt. Dass in dieser Stadt heute eine entscheidende Europacup-Partie stattfindet, kratzt sie wenig.

Kiew ist im Revolutionsfieber. „Wir wissen um die politischen Umstände, konzentrieren uns aber nur auf den Fußball“, gibt Zoran Barisic die Leitlinie vor. Der Rapid-Trainer hat gute Erinnerungen an Dynamo: In Kiew gelang 1996 mit einem 4:2-Sieg erstmals der Sprung in die Champions League.

Ab 21.05 Uhr steht Rapid im riesigen Olympiastadion wieder vor der Millionenfrage. Mit der richtigen Antwort wären die finanziellen Sorgen Vergangenheit und ein historischer Erfolg geschafft. Die wichtigsten Fragen vor dem wichtigsten Spiel des Jahres für Rapid:

Was steht für Rapid heute auf dem Spiel? Mit einem Sieg (und nur mit diesem) wäre der zweite Platz und damit der erstmalige Aufstieg in die K.-o.-Phase der Europa League (Sechzehntelfinale) fixiert.

Wann wurde im Europacup überwintert? Das letzte Mal 1995 durch ein 4:0 gegen Sporting Lissabon. Der aktuelle Trainer Barisic wurde damals eingewechselt. Im Frühjahr 1996 folgte der legendäre Lauf bis ins Finale im Cup der Cupsieger gegen Paris SG.

Was bringt der Aufstieg finanziell? Rapid wäre mit einem Schlag alle Altlasten los. Für den Sieg in Kiew würde die UEFA drei Mal je 200.000 Euro überweisen: für den Auswärtssieg, den zweiten Platz und für den Aufstieg in die Runde der letzten 32. Zusätzlich zu diesen 600.000 Euro würde Rapid im Happel-Stadion beim Heimspiel im Februar eine knappe Million Gewinn machen. „Ein volles Stadion bringt brutto 1,25 Millionen“, erklärt Klubservice-Leiter Andy Marek. Die Kosten für die Partie im Prater betragen etwas mehr als 300.000 Euro. Zusätzliche Einnahmen bringt die Bandenwerbung und die erhöhte Beteiligung am TV-Topf der UEFA. Der Nettogewinn in der K.-o.-Phase würde also den Schuldenstand (Negatives Eigenkapital: 1,5 Millionen) knapp übertreffen.

Wie stehen die Chancen für eine Sensation? Barisic sagt: „Wir sind klarer Außenseiter, haben aber sicher eine Chance – und die wollen wir nutzen.“ Gefragt sind: „Mut, voller Einsatz, jeder muss von der ersten Minute an Verantwortung übernehmen. Und auch etwas Glück.“ Nach der Analyse des Hinspiels mit der Aufholjagd zum späten 2:2 ist klar, dass Rapid Dynamo am ehesten gefährden kann, wenn die Defensive beschäftigt wird. Nur auf Konter zu warten, wird zu wenig sein.

Wie haben sich die Teams vorbereitet? Kiew konnte nach dem Meisterschaftsfinale über eine Woche speziell auf den Europacup hintrainieren. Laut Teamspieler Dragovic gelten die technisch besten Spieler als größte Gefahr: Schaub, Hofmann und Boskovic. Keiner dieses Trios spielte beim 1:2 in Wolfsberg in der zweiten Hälfte. „Es ist aber auch den anderen Spielern die Kiew-Partie schon im Kopf herumgeschwirrt“, sagt Barisic über die missglückte Vorbereitung mit zuletzt zwei Niederlagen in der Liga.

Mögliche Aufstellungen

Dynamo Kiew - SK Rapid Wien Kiew, Olympiastadion, 21.05 Uhr MEZ/live ORF eins und Sky, SR Björn Kuipers/NED)Dynamo Kiew: Kowal - Gusew, Chacheridi, Dragovic, Tremoulinas - Veloso, Vukojevic - Jarmolenko, Belhanda, Lens – Ideye Ersatz: Rudko - Zurikow, Dudu, Bezus, Garmasch, Vida, Makarenko Es fehlen: Mbokani, Sidortschuk (beide gesperrt)Rapid: Novota - Trimmel, Sonnleitner, Dibon, Schrammel - Petsos, Boskovic - Sabitzer, Schaub, Burgstaller – Boyd Ersatz: Radlinger - Behrendt, Okungbowa, Pavelic, Wydra, S. Hofmann, Grozurek, Starkl Es fehlen: Alar (im Aufbautraining), Palla (Muskelverletzung), Pichler (Rückenprobleme) Weiteres Gruppenspiel (21.05 Uhr): FC Thun - GenkBereits gespielt: Thun - Rapid 1:0, Kiew - Genk 0:1, Rapid - Kiew 2:2, Genk - Thun 2:1, Genk - Rapid 1:1, Kiew - Thun 3:0, Rapid - Genk 2:2, Thun - Kiew 0:2, Rapid - Thun 2:1, Genk - Kiew 3:1

Tabelle
1. Genk 5 3 2 0 9:5 11
2. Dynamo Kiew 5 2 1 2 8:6 7
3. Rapid 5 1 3 1 7:7 6
4. FC Thun 5 1 0 4 3:9 3

Dragovic: "Außer der Sonne fehlt mir nichts"

Es sind die Geschichten, die nur der Fußball schreibt: Rapid will in der Europa League für Österreichs Fußball werben und gegen Dynamo Kiew am Donnerstag in die K.-o.-Runde einziehen (21.05 Uhr, ORFeins und Sky). Dem entgegen stellt sich Aleksandar Dragovic, 27-facher ÖFB-Teamspieler und Legionär in Kiew. Also in jener Stadt, die derzeit durch die Proteste ihrer Bevölkerung für die internationalen Schlagzeilen sorgt. Der 22-jährige Wiener ist seit dem Wechsel vom FC Basel in die Ukraine im Sommer um neun Millionen Euro Ablöse teuerster Fußballer Österreichs.

KURIER: Herr Dragovic, können Sie in Kiew ruhig schlafen?

Aleksandar Dragovic: Ja, das ist kein Problem. Ich wohne zwar im Zentrum und nur fünf Gehminuten von den Protesten entfernt, aber wenn man nicht direkt dort hingeht, bekommt man nicht viel davon mit.

1100 Rapid-Fans kommen am Donnerstag nach Kiew. Worauf sollten sie achten?

Ich würde ihnen empfehlen, nicht in die Innenstadt zu gehen. Dort ist alles gesperrt, an jeder Ecke steht die Polizei. Vielleicht ist es besser, sie halten sich in der Nähe des Stadions auf.

Sie sind seit Sommer in Kiew. Haben Sie sich gut eingelebt?

Absolut. Ich fühl’ mich pudelwohl. Es schneit zwar seit vier Tagen bei minus neun Grad durch, aber außer, dass ich nicht viel Sonne sehe, fehlt mir nichts. Meine Freundin und meine Großeltern sind hier, sie versuchen, mir alles abzunehmen, damit ich mich ganz auf den Fußball konzentrieren kann.

Das müssen Sie auch. Am Donnerstag geht es gegen Rapid in der Europa League um viel. Sind Sie angespannt?

Nicht mehr als sonst. Es regiert die Vorfreude auf ein Duell mit einem Klub aus Österreich. Das Bauchkribbeln kommt ein paar Minuten vor dem Spiel.

Dynamo Kiew hat im Sommer um 50 Millionen Euro neue Spieler eingekauft, Rapid hat ein Jahresbudget von knapp 20 Millionen. Kiew steht also unter Druck, spüren Sie das?

Diesbezüglich kann jeder behaupten, was er will. Ob Rapid nichts zu verlieren hat, ist uns auch egal. Auf solche Spielereien lass’ ich mich gar nicht ein. Wir spielen daheim und konzentrieren uns nur auf uns.

In der ukrainischen Liga hat Ihr Klub fünf Punkte Rückstand auf die Spitze, in der Europa League müssen Sie zittern. Wie fällt Ihr sportliches Fazit aus?

Wir hatten sogar schon elf Punkte Rückstand. Am Anfang fehlte uns die Konstanz, was klar ist bei fünf neuen Spielern. Von den letzten acht Meisterschaftsspielen haben wir aber sieben gewonnen. Und den Hänger, den wir in der Europa League zuletzt in Genk hatten, können wir am Donnerstag wieder ausbügeln. Wenn uns das gelingt, war es für uns ein erfolgreiches halbes Jahr.

Was wissen Sie über Rapid?

Unser Trainer Oleg Blochin hat uns alle Videos von den letzten Rapid-Spielen gezeigt, auch die Partie auf dem katastrophalen Boden in Wolfsberg. Wir sind also top informiert.

Worauf wird es ankommen?

Rapid versucht, einen schönen und gepflegten Fußball von hinten heraus zu spielen. Ausschlaggebend wird sein, dass wir Schaub, Boskovic und Hofmann ausschalten. Das sind hervorragende Techniker und die drei Schlüsselspieler einer hungrigen Mannschaft.

Ihr Ex-Klub Basel kann heute gegen Schalke in die K.-o.-Runde der Champions League einziehen. Sind Sie traurig, nicht mehr dabei zu sein?

Überhaupt nicht. Ich war mit Basel drei Mal Meister und auch in der Champions League. Ich habe meine Ziele dort erreicht und eine neue Herausforderung angenommen. Dynamo Kiew ist ein Weltklub, ich habe eine andere Kultur und Sprache kennengelernt und kann mich weiterentwickeln. Ich bin sehr froh, hier zu sein.

Drücken Sie Basel dennoch die Daumen?

Natürlich. Ihre Chancen stehen auch sehr gut, Schalke ist nicht in Überform. Ein Weiterkommen wäre sehr gut für den Schweizer Fußball.

Gut für den österreichischen Fußball wäre ein Erfolg von Rapid am Donnerstag.

Da müssen leider andere ihre Daumen drücken.

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