Sport | Fußball
20.04.2018

EU-Abgeordnete fordern zu Boykott der Russland-WM auf

Ein offener Brief der Abgeordneten verweist auf Putins Rolle in Syrien und der Ukraine sowie den Giftanschlag in Salisbury.

60 Europa-Abgeordnete haben die EU-Mitgliedstaaten aufgerufen, die Fußball-WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) auf politischer Ebene zu boykottieren. "Der Giftgasanschlag in Salisbury ist nur das neueste Kapitel von Wladimir Putins Verhöhnung unserer europäischen Werte", heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Brief.

Darin wird auch auf Russlands militärische Unterstützung von Syriens Machthaber Bashar al-Assad, "die brutale militärische Invasion der Ukraine" sowie "systematische Hackerattacken" und "Wahleinmischung" zur Destabilisierung der EU verwiesen.

Die Abgeordneten aus insgesamt fünf Parlamentsfraktionen und 16 Ländern verlangen deshalb, "es den Regierungen von Island und dem Vereinigten Königreich gleichzutun und nicht an der Fußball-WM 2018 in Russland teilzunehmen". Sie dürften "den autoritären und anti-westlichen Weg des russischen Präsidenten nicht bestärken." Einen sportlichen Boykott fordern die Abgeordneten nicht.

Keine englischen Vertreter

Der Brief verweist auch auf die Lage in Russland selbst: "Solange Regimekritiker und die freie Presse in Russland in ständiger Gefahr sind, können wir diesen Menschen nicht den Rücken zukehren und Putin in einem Fußballstadion die Hand schütteln", heißt es in dem Schreiben, das von der deutschen Grünen-Abgeordneten Rebecca Harms initiiert wurde.

Die Unterzeichner machen acht Prozent aller 751 EU-Abgeordneten aus. Der Brief ist auch von Abgeordneten der konservativen EVP, der Sozialdemokraten, der Liberalen und der Europäischen Konservativen und Reformer im EU-Parlament unterzeichnet. Viele der Unterstützer kommen aus Großbritannien und Polen.

Großbritannien hatte nach der Giftattacke eine Reihe von Strafmaßnahmen gegen Russland beschlossen. Unter anderem sollen weder britische Regierungsmitglieder noch Vertreter des Königshauses zur Fußball-Weltmeisterschaft in Russland reisen.