Englands Fans bleiben daheim
Für Schwarzmarkthändler waren
Spiele der englischen Nationalmannschaft bei großen Turnieren stets ein gefundenes Fressen. Tausende Fans folgten den "three lions" bei jeder Endrunde auch ohne Tickets in alle Erdteile und griffen für einen Matchbesuch tief in die Tasche.
Damit ist es bei der
EURO 2012 vorbei: Für das Duell am Montag in Donezk mit Frankreich erhielt Englands Verband (FA) von der UEFA 7.500 Karten, 4.500 davon wurden wieder retourniert und gingen in den freien Verkauf
- ein bis vor kurzem undenkbares Szenario.
Dank ihrer treuen Anhängerschaft genossen die Engländer bei praktisch jeder WM- oder EM-Partie der vergangenen Jahrzehnte Heimvorteil. Gegen Frankreich, so befürchtet die FA, könnten sogar nur 2.000 Schlachtenbummler von der Insel in der 50.000 Zuschauer fassenden Donbass Arena Platz nehmen.
Nach den Angaben des britischen Ticket-Portals Seatwave kostet eine Karte für das Frankreich-Match bereits weniger als 40 Euro, noch billiger sind Billetts für die Spiele gegen Schweden und die Ukraine zu haben.
Rassismus
Die Gründe für die Reiseunwilligkeit der Fans sind vielfältig. Aufgrund der zahlreichen Ausfälle, der schwierigen Gegner in Gruppe D und des kurzfristigen Teamchef-Wechsels sind die Hoffnungen auf ein gutes EM-Abschneiden nicht allzu groß.
Zudem hält die Engländer auch die mangelhafte Infrastruktur von einem Trip in die Ost-Ukraine ab. Ebenso wie die Wirtschaftskrise, die gerade beim Stammklientel der "three lions"-Supporter - der unteren Mittelschicht - voll zugeschlagen hat.
Als Hauptargument gegen einen Flug nach Osteuropa gilt mittlerweile der in der
Ukraine grassierende Rassismus. Die jüngst ausgestrahlte BBC-Dokumentation "Stadien des Hasses" zeigte einen Liga-Alltag mit faschistischen Transparenten, antisemitischen Sprechchören und Angriffen gegen asiatische Zuschauer.
Zwar sind Rassismus-Skandale bei EM-Spielen nicht zu erwarten, dennoch könnte es zumindest außerhalb der Arenen brenzlig werden. "Bleiben Sie zu Hause, sonst könnten Sie in einem Sarg zurückkommen", warnte deshalb der dunkelhäutige Ex-Teamspieler Sol Campell die englische Anhängerschaft.
Die Familien der beiden aktuellen Kadermitglieder Theo Walcott und Alex Oxlade-Chamberlain nahmen sich diesen Rat zu Herzen und verzichteten auf die geplante Ukraine-Reise - so wie viele weitere Fans.
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