Ein geschenktes Auto für den EM-Sieg

Vorfreude – Irland ist erstmals seit 1988 wieder dabei – und krasser Außenseiter.

Patrick O’Brien zapft mit einer Hand ein Guinness. Mit der anderen deutet er hinter sich, wo an der holzvertäfelten Wand über mehreren Whiskey-Flaschen eine Schnur mit Dutzenden kleinen orange-weiß-grünen Fähnchen hängt. "Es ist großartig, dass wir uns für die EM qualifiziert haben. Das bringt eine Hochstimmung, die wir leider zuletzt in Irland nicht hatten", sagt der Wirt, der im Pub "Smyth’s" im ostirischen Küstenstädtchen Donabate arbeitet.

Während Irland wirtschaftlich mit der schwersten Krise seit Jahrzehnten kämpft, fiebert es seiner ersten Fußball-EM-Teilnahme seit 1988 entgegen. Unter der Führung von Giovanni Trapattoni haben sich die "Boys in Green" vor allem dank starker Defensiv-Leistung (acht Spiele hintereinander ohne Gegentor) für das Turnier qualifiziert.

Dort sehen die Iren ihre Mannschaft als krassen Außenseiter. "Bei mir hat noch keiner auf Irland gesetzt", verrät Buchmacher Michael Duffey in Dublin. Seine Siegquote für Irland: 80:1. Zum Vergleich Spanien: 5:2. Ähnlich schätzt offenbar das Management von Renault Irland die Siegchancen ein: Es verspricht auf Plakaten, all jenen, die jetzt einen Renault kaufen, das Geld zurückzugeben, falls Irland das Turnier gewinnt.

Trapattonis Team hat ja eine besonders schwere Gruppe erwischt. Die Gegner in der Vorrunde sind Kroatien, Spanien und Italien. "Entscheidend ist das erste Spiel gegen Kroatien am Sonntag. Wenn wir das gewinnen, ist alles möglich", analysiert Ingenieur Neil McDonald. "Wir sind vielleicht nicht so gut organisiert wie das deutsche Team, aber wir haben Leidenschaft", ist auch Buchmacher Michael Duffey optimistisch.

Durstige Fans

Fast so sehr wie ihr Nationalteam werden die Iren bei der EM ihre Schlachtenbummler im Fokus haben. Es wird mit bis zu 12.000 Fans gerechnet, die von der Grünen Insel nach Polen reisen. Die renommierte Irish Timessorgte sich in einem Leitartikel: Welchen Eindruck wird "Paddy on Tour" in Europa hinterlassen? Die Iren waren ja schon immer als trinkfest bekannt. Jetzt kommt noch die Wirtschaftskrise dazu. Um das Schlimmste zu verhindern, hat die Regierung gemeinsam mit dem irischen Fußballverband einen "Euro Survival Guide" herausgegeben. Darin werden die Schlachtenbummler gewarnt: "In der Öffentlichkeit betrunken sein ist in Polen verpönt und wird bestraft."

Nur Gutes sagen die Iren nach der erfolgreichen EM-Qualifikation über Coach Trapattoni. "Viele haben beklagt, dass sein defensiver Spielstil nicht schön zum Anschauen ist. Aber er hat uns zur EM gebracht und damit seinen Job erledigt", sagt Wirt Patrick O’Brien. Legendär sind mittlerweile auch in Irland Trapattonis Pressekonferenzen. Nach dem 4:0 im EM-Play-off-Hinspiel in Estland wies der Italiener darauf hin, dass noch nichts entschieden sei: "The cat is in the sack, but the sack is not closed. The cat is in, but it’s open. It’s a wild cat."

Österreich-Gegner

Für Österreich ist das Abschneiden Irlands bei der EM besonders interessant: Der Inselstaat ist einer der Gruppengegner des Teams von Marcel Koller in der Qualifikation für die WM 2014. "Österreich? Tut mir leid, da kenn’ ich gar keinen Spieler", bekennen alle vom KURIER befragten Fußball-interessierten Iren. Einer sagt stolz, dass er sich an einen früheren ÖFB-Spieler erinnere: "Ihr hattet den Wembley-Toni, den Toni Polster, oder?!"

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