Dragovic vs Alaba: Ihre Stärken

Die beiden Wiener duellieren sich in der Champions League. Eine Gegenüberstellung ihrer Qualitäten.

David AlabaDer Kopf: Er spielte mit 17 Jahren in der Champions League, der Deutschen Bundesliga und im Nationalteam, fährt einen flotten Audi A5 als Dienstwagen und hat mit 19 Jahren finanziell ausgesorgt. Das ihm das alles nicht zu Kopf gestiegen ist, hat Alaba vor allem der guten Erziehung seiner Eltern zu verdanken.
Trotz seiner wahrscheinlich größten Stärke – der Unbekümmertheit – hat er die Einstellung, täglich hart an sich zu arbeiten ebenso stark verinnerlicht wie gute Manieren.
  Aleksandar DragovicDer Kopf: Dragović verfügte bereits als Nachwuchsspieler über ein hohes Maß an taktischem Verständnis und Spielintelligenz. Dazu kommt seine Zielstrebigkeit. Er weiß genau, was er tun muss, um seinen Traum von einer großen Karriere zu verwirklichen. Die Entscheidung, zum FC Basel zu wechseln, war die beste, die ein österreichischer Fußballer seit langem getroffen hat. David AlabaDie Lunge: Seine körperlichen Attribute haben großen Anteil daran, dass David Alaba bereits in jungen Jahren so weit gekommen ist. "Ich glaube, er hat sieben Lungen", scherzt Kontrahent und Freund Dragović. Im Hinspiel in Basel legte Alaba von allen Bayern-Spielern die größte Distanz zurück: 13,4 Kilometer. Überragend ist dazu seine Dynamik. Alaba wird mit dem Ball am Fuß auch nicht langsamer. Aleksandar DragovicDie breite Brust: Das Selbstvertrauen des Aleksandar Dragović ist enorm. Dass er einmal einen Zweikampf verliert, weil er zu viel Respekt vor einem namhaften Gegenspieler an den Tag legt, ist ausgeschlossen. Aussagen wie "der Rooney war ein Totalschaden" nach dem 2:1-Sieg in der Gruppenphase gegen Manchester United kommen ihm gerne über die Lippen. Große Klappe? Ja, aber mit vielen guten Leistungen dahinter. David Alaba, Aleksandar DragovicDas Herz: Beide können es nicht leiden, zu verlieren. In jedem Trainingsspiel muss ein Sieg her, sonst werden die sonst so netten Zeitgenossen ganz schön unangenehm.
Selbst in ihrer Freizeit bekommen die beiden vom Fußball nicht genug. Wenn David Alaba auf Wien-Besuch ist, trainiert er nicht selten unter seinem ehemaligen Trainer Herbert Gager im Austria-Nachwuchs mit. David AlabaLinker Fuß: Sein Ballgefühl, sowie seine herausragende Antizipation lassen Alaba kaum Fehler bei der Ballannahme machen. Dass er im Teenager-Alter bei den Bayern auch schon Eckbälle und Freistöße treten darf, braucht nicht weiter kommentiert werden.
Um Freistöße und Flatterbälle zu trainieren, macht er fast täglich Überstunden, während andere schon unter der Dusche stehen. Aleksandar DragovicDie Beidbeinigkeit: "Die meisten Innenverteidiger können nicht Fußball spielen, sondern nur reinhauen. Ich bin aber nicht so ein Typ", sagt der Mann mit der breiten Brust. Tatsächlich profitiert Dragović heute davon, in der Jugend lange Zeit auf der Sechser-Position im Mittelfeld gespielt zu haben.
Er ist enorm ballsicher und beidfüßig. Ein guter Pass unter Bedrängnis ist für den Rechtsfüßer auch mit Links kein Problem. Dragovic (li.) fordert mit Basel Alaba und die Bayern.

Wenn am Dienstag (20.45 Uhr, KURIER-Ticker/Sky, SF2) der englische Referee Mark Clattenburg in der randvollen Münchner Allianz Arena vor 66.000 Fans das Achtelfinal-Rückspiel zwischen den Bayern und dem FC Basel anpfeift, sind sie wieder mittendrin, statt nur dabei. Der 21-jährige Aleksandar Dragović will mit seinen Schweizern die Sensation schaffen, gegen den deutschen Rekordmeister und damit gegen seinen 19-jährigen Freund David Alaba die 1:0-Führung aus dem Hinspiel verteidigen.

So wie beim ersten Aufeinandertreffen im Hinspiel am 22. Februar werden die beiden Wiener auch im Rückspiel von Anfang an mit dabei sein. Dragović wie gewohnt in der Innenverteidigung und Alaba aller Voraussicht nach auf jener Position, auf der er vor zwei Jahren – am 9. März 2010 – sein Debüt in der Champions League gegeben hat.

Als linker Außenverteidiger spielte der damals 17-Jährige bei der 2:3-Niederlage in Florenz, die nach dem 1:0-Heimsieg den Aufstieg ins Viertelfinale bedeutet hatte, eine starke Partie. Diesmal bekommt es Alaba als linker Verteidiger mit Basels Dribbelkünstler Xherdan Shaqiri zu tun. Der 20-Jährige wird im Sommer für rund zwölf Millionen Euro sein Teamkollege in München.

Selbstvertrauen

Die Schweizer kommen nach dem 2:0-Sieg gegen die Grasshoppers Zürich mit dem Selbstvertrauen eines Tabellenführers nach München. Bei den Bayern rückt Philipp Lahm wie schon beim 7:1-Sieg am Samstag in der Bundesliga gegen Hoffenheim auf die rechte Position. Gut möglich, dass der für die Münchner so wichtige Bastian Schweinsteiger nach seinem Kurzeinsatz am Samstag in der Bundesliga sein Startelf-Comeback im zentralen Mittelfeld gibt. Im Hinspiel hatte noch Alaba den 27-Jährigen auf dieser Position vertreten.

Ganz gleich jedoch, wer auf welcher Position spielt – für einen der beiden Österreicher ist es das letzte Spiel auf der großen Champions-League-Bühne in dieser Saison. Die Gewissheit, bereits in jungen Jahren sehr gute Leistungen auf höchstem Niveau erbracht zu haben, wird ein schwacher Trost für den Unterlegenen der beiden Winnertypen sein.

Der KURIER beleuchtet die Stärken der österreichischen Ausnahmekicker.

(kurier) Erstellt am
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