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Sport Fußball
05/03/2020

Dragovic über die EM 2016: "Den Gegner komplett falsch analysiert"

Der Teamspieler nahm sich in einem Podcast kein Blatt vor den Mund. Über Corona, Jamie Vardy, die EM 2016 und seine Zukunft.

von Andreas Heidenreich

Aleksander Dragovic ist seit elf Jahren Teil des österreichischen Fußballnationalteams. Mit bisher 80 Länderspielen ist der Verteidiger auch bei seinem Klub Bayer Leverkusen jener Spieler mit den meisten Einsätzen in einem Nationaltrikot.

Im Podcast seines Arbeitgebers sprach der Wiener über diverse Stationen seiner Karriere und nahm sich wie gewohnt kein Blatt vor den Mund. Über die Corona-Pandemie sagte Dragovic: „Ohne die Politiker anzugreifen. Ich weiß schon nicht mehr, was ich glauben soll. Die ändern gefühlt jede Woche ihre Meinung und man weiß nicht mehr, was richtig und falsch ist. Daher versuche ich von Tag zu Tag zu leben und das Beste draus zu machen.“

Spaßvogel Jamie Vardy

2017/’18 spielte Dragovic bei Leicester City in England. In seinem Team war damals auch der englische Teamstürmer Jamie Vardy. „Der trinkt am Spieltag gefühlt 20 Red Bull und nimmt Snus (Oraltabak, Anm.) zu sich, kurz vor dem Anpfiff macht er Späße, als hätte er noch fünf Tage bis zum Spiel. Er bereitet sich nicht professionell auf ein Spiel vor, ist dann aber parat und auf 180 und nie müde.“

In Deutschland hätten aufgrund dieser kulturellen Unterschiede viele englische Spieler Probleme, meint Dragovic, und schildert den lockereren Umgang auf der Insel: „Hier wird ganz anders wahrgenommen, wie man sich auf ein Spiel vorbereitet. Beim Abschlusstraining in England merkst du gar nicht, dass Abschlusstraining ist. Da werden Späße gemacht. Hier sind alle fokussiert.“

Die EM 2016 ging für Dragovic, der im ersten Spiel gegen Ungarn Gelb-Rot sah und gegen Island einen Elfmeter an die Stange geschossen hatte, besonders in die Hose.

Vier Jahre danach gesteht der Routinier, dass man im Auftaktspiel gegen Ungarn (0:2) taktisch überrascht worden sei: „Wir, die Spieler und der Staff, haben den Gegner komplett falsch analysiert. Uns wurde mitgeteilt, dass die Ungarn sehr viele lange Bälle spielen. Dann haben sie hinten rausgespielt, als hätten wir gegen Barcelona gespielt. Wir waren überrascht, erschrocken. Dann ist alles gegen uns gelaufen und wir haben ein schlechtes Spiel gemacht.“

"Ich war fertig mit den Nerven"

Über seinen verschossenen Elfmeter gegen Island sagte Dragovic: „Da hätte man mich sofort auswechseln können. Ich war fertig mit den Nerven. Wir haben uns damals viel vorgenommen, das ist von Anfang an nach hinten losgegangen. Keiner von uns hat die Leistung gebracht, die wir uns vorgenommen haben. Jetzt haben wir uns wieder qualifiziert und wollen es 2021 besser machen.“

Auch seine privaten Ziele verriet der 29-Jährige: „Ich will heiraten und Kinder kriegen.“ Seit 2014 ist er mit Model Marina Djordjevic liiert. Beruflich ist er bis 2021 an Leverkusen gebunden. Die Antwort auf die Frage, wie lange er noch bleibt, könnte ob der Reservistenrolle nicht ganz ernst gemeint sein: „Hoffentlich mein ganzes Leben.“ Sechs oder sieben Jahre wolle er noch spielen und es sei ein Traum, „einmal für Roter Stern Belgrad aufzulaufen.“

Freundin Marina Djordjevic

Als junges Talent der Wiener Austria

Dragovic und David Alaba im Teamflieger

Nach seinem Tor in der Champions League für Dynamo Kiew gegen Chelsea

Der verschossene Elfer gegen Island

Nach dem EM-Aus 2016 mit Teamchef Marcel Koller

In der Champions League mit Leverkusen gegen Cristiano Ronaldo

Nach geschaffter EM Qualifikation im Jahr 2019

Außerdem sprach Dragovic über ...

... seine Schulzeit: „Vier gewinnt war mein Motto. Ich war nicht der beste Schüler, so ehrlich muss ich sein.“

... sein Teamdebüt als 18-Jähriger 2009 in Belgrad gegen Serbien (0:1): „Wenn mich jemand fragt, was er schönste Tag in meinem Leben war, werde ich immer diese Antwort geben. Ich kann Didi Constantini nicht genug danken, dass er mir diese Chance gegeben hat.“

... seine Heimatstadt Wien: „Da fühle ich mich am wohlsten. Da bin ich geboren, das ist sozusagen meine Stadt, eine überragende Stadt und sicher unter den Top-3 in Europa. Ich werde auch nach meiner Karriere in Wien leben.“

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