Dragovic stellt sich nach dem 0:7

Basels Verteidiger nahm vor der Partie in München den Mund voll. "Die schlimmste Niederlage meines Lebens", sagte er danach.

Lionel Messis Torrekord ist sich für Mario Gomez nicht ausgegangen, viel hat allerdings beim 7:0-Heimsieg der Bayern gegen den FC Basel nicht gefehlt. Den Auftakt zum Schützenfest besorgte jedoch ein Anderer: Arjen Robben netzte schon nach zehn Minuten zum 1:0 ein. Von da an war das Spiel eine reichlich einseitige Angelegenheit, die Schweizer ... ... hielten zum Gegner respektvoll Abstand und beschränkten sich zumeist auf "Geleitschutz". So gesehen möchte man den Bayern fast vorwerfen, dass das 2:0 von Thomas Müller bis zur 42. Minute auf sich warten ließ. Dann waren die 23 Spielminuten des Mario Gomez gekommen: In der 42. Minute schlug der Bayern-Torjäger zum ersten Mal zu. Nach ... ... der Pause legte er gar noch einen lupenreinen Hattrick nach - 4:0 in der 50. Minute, ... ... 5:0 in der 61. Minute, 6:0 in der 67. Minute. Möglich, dass ... ... Aleksandar Dragovic künftig seine Aussagen vor dem Spiel bedächtiger formulieren wird: "Dass er nicht gerade der größte Kicker ist, wissen wir alle", hatte der Teamspieler bekundet. Allerdings nicht ohne hinzuzufügen: "Aber vor dem Tor ist er brandgefährlich." Damit war der Endstand allerdings noch nicht erreicht. Robben erzielte acht Minuten vor Schluss noch den 7:0-Endstand. Trost vom Freund: David Alaba hatte nach dem 7:0 Mitleid mit Basel und Aleksandar Dragovic (li.)

In einem der feinsten Häuser Münchens residierte der FC Basel im Rahmen seines Ausfluges zum Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League. Mandarin Oriental heißt das Hotel, nur drei Gehminuten vom Marienplatz entfernt. Doch damit genug der Annehmlichkeiten. Die Reise hat sich für die Schweizer nicht ausgezahlt. Auch nicht für Aleksandar Dragovic. Der Innenverteidiger des Schweizer Meisters konnte einem leidtun am Dienstagabend. Oder auch nicht. Denn der 21-Jährige geriet schon vor der Partie in den Mittelpunkt, weil er es gewagt hatte, die fußballerischen Qualitäten von Mario Gomez infrage zu stellen (siehe Hintergrund). Der Starstürmer der Bayern antwortete mit vier Treffern in Folge.

Doch Aleksandar Dragovic zeigt Größe und stellte sich am Tag nach dem 0:7.

KURIER: Wie haben Sie denn geschlafen?
Aleksandar Dragovic: Fragen Sie mich lieber nicht. Ich habe mit den Mannschaftskollegen sehr lange darüber diskutiert, was da passiert ist. Ich bin erst sehr spät ins Bett gekommen.

Was ist denn aus Ihrer Sicht passiert?
Wir haben uns alle auf das Spiel gefreut, was wir dann abgeliefert haben, war nicht schön. Das war die schlimmste Niederlage meines Lebens. Es tut mir leid für die Fans des FC Basel.

Können Sie das Spiel schon sachlich analysieren?
Es ist einfach alles falsch gelaufen. Wir haben uns vorgenommen, kein frühes Gegentor zu bekommen, das ist schon in die Hose gegangen. Dann haben wir mit Angst Fußball gespielt, haben die Bälle viel zu leichtfertig verloren und daher nie Entlastung erfahren. Nach dem 4:0 haben wir uns dann einfach aufgegeben.

Beschreiben Sie, was sich nach dem Schlusspfiff in Ihrem Kopf abgespielt hat.
Ich hab` es nicht realisieren können. Vor einer Woche haben wir uns noch Barcelona – Leverkusen angeschaut und uns gedacht: Das gibt`s doch nicht, ein 7:1 in der Champions League. Und dann verlieren wir 7:0. Aber die Niederlage geht auch in dieser Höhe in Ordnung.

Welche Vorwürfe machen Sie sich selbst?
Es hat vieles nicht gepasst. Das vierte Tor gehört mir, da bin ich gegen Mario Gomez zu spät gekommen.

Apropos Gomez. Sie sollen sich vor dem Spiel kritisch über seine Qualitäten geäußert haben.
Ich habe gelernt, darauf aufzupassen, was ich vor dem Spiel sage. Und ich gratuliere Gomez zu seinen vier Toren. Mehr gibt`s dazu nicht zu sagen.

Wie verarbeitet man so ein sportliches Negativerlebnis?
Blöd ist, dass wir jetzt am Wochenende in der Meisterschaft spielfrei sind. Daher werden die nächsten Tage noch wehtun, weil wir viel Zeit haben, darüber nachzudenken. Andererseits können wir stolz sein auf diese Saison. Wir haben Manchester United hinausgeworfen und die Bayern daheim geschlagen.

Was trauen Sie den Bayern in der Verfassung vom Duell am Dienstag zu?
Wenn sie so spielen, können sie alle schlagen. Außer Barcelona. Die bräuchten gegen die Bayern noch dazu einen schlechten Tag.

Wie sehen Sie ihre persönliche Zukunft?
Ich fühle mich sehr wohl in Basel und kann mir vorstellen, noch länger hier zu bleiben. Sicher möchte ich irgendwann in eine große Liga wechseln. Aber das ist jetzt kein Thema. Jetzt gilt es, wieder aufzustehen und das Double zu gewinnen.

(kurier / Andreas Heidenreich, München) Erstellt am
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