Die Violetten durften blaumachen

Fußballspieler umarmen sich auf dem Spielfeld, während Fans im Hintergrund jubeln.
Für die Austria gab es nach dem Derby einen freien Tag. Bei Rapid beschwört Kapitän Hofmann gegen Novi Sad die Wende.

Peter Stöger zeigte sich gestern von seiner großzügigen Seite. Der Austria-Trainer gönnte seinen Schützlingen nach dem 3:0-Derby-Triumph in Hütteldorf einen freien Tag. Nur jene Spieler, die nicht zum Einsatz gekommen waren, mussten ein Laufprogramm abspulen. Kapitän Manuel Ortlechner meinte nach dem Schlusspfiff: "Unser System beginnt schön langsam zu greifen."

So soll das violette System unter Stöger aussehen:

Dichtes Zentrum Die zwei Innenverteidiger sowie der defensive Mittelfeldspieler (James Holland) sind angehalten, ihre Positionen nicht zu verlassen, sich nicht vom Gegner verschleppen zu lassen. Stöger: "Meine Devise lautet immer: Das Zentrum muss dicht sein. Nur so kann man gewinnen."

Bewegliche Flanken Die Flügelzangen sollen die Gegner regelmäßig zwicken. Über die linke Seite funktioniert dies schon sehr gut mit Suttner, Simkovic und Jun. Rechts hält sich Dilaver vornehm zurück, die Offensivgeister Gorgon und Vrsic zu unterstützen. Hier ist noch Verbesserungspotential.

Sicherer Aufbau Auch unter Stöger soll die Austria – wie schon zu Daxbacher-Zeiten – über den Ballbesitz das Geschehen kontrollieren. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf einen sicheren Spielaufbau aus der Abwehr heraus. "Leichte Ballverluste müssen wir so gut es geht vermeiden." Meistens erfolgt die Spieleröffnung über den seit einiger Zeit stark aufspielenden Linksverteidiger Suttner, fast immer der Austrianer mit den meisten Ballkontakten pro Spiel. Gegen Rapid reichten 43 Prozent Ballbesitz aus.

Viel Raum

Bei Rapid war auffällig, dass die gegen schwächere Gegner geglückte Offensivvariante mit Verteidiger Trimmel hinter Hofmann und Alar, die sich an der rechten Seite abwechselten, nicht gegriffen hat. Über ihre starke linke Seite nutzte die Austria die entstandenen Räume geschickt – wie vor dem zweiten Kienast-Tor.

Mit der höchsten Derby-Niederlage im Hanappi-Stadion seit 19 Jahren wurden gar Erinnerungen wach an das 0:3 im Happel-Stadion vor einem Jahr. Die Entscheidung fiel wieder in der 52. Minute mit dem zweiten Treffer, wieder wirkten die Rapidler am Ende ratlos.

"Im Prater war es aber noch bitterer, weil uns die Austria damals richtig hergespielt hat. Diesmal war es bis zum 0:1 ausgeglichen und wir waren dann einfach zu müde, um zurückzukommen", meint Steffen Hofmann, der mit den vielen individuellen Fehlern hadert: "Wie in Novi Sad wurden wir sofort dafür bestraft." Auch Trainer Peter Schöttel sah im 0:1 nach dem Patzer von Kulovits "den entscheidenden Moment".

Kapitän Hofmann ist dennoch zuversichtlich für das Rückspiel gegen die Serben (Hinspiel: 1:2) am Donnerstag (21.05 Uhr): "Wir sind weiter als vor einem Jahr. Jetzt zählt nur, dass wir aufsteigen. Wenn alle ihre Leistung abrufen und wir nicht ins Verderben stürmen, werden wir zumindest das nötige 1:0 schaffen."

Fix ist, dass die Euphorie vom geglückten Saisonstart weg ist. Das Stimmungspendel im Umfeld des Vereins schlägt traditionell in alle Richtungen schnell und weit aus. Sollte auch der zweite Teil der Reifeprüfung mit einem Europacup-Aus und einer Niederlage in Salzburg schief gehen, gäbe es nicht nur ein finanzielles Problem.

Kommentare