Die Teuro-Euro

Milliardeninvestitionen, Millionengewinne und arme Hunde - die Zahlen und Fakten zur Euro 2012.
Mehrere Fußbälle mit dem Logo der UEFA EURO 2012 Polen-Ukraine.

Alfred "Gigi" Ludwig wirkt fast schon ein bisschen verzweifelt. Seit Jahrzehnten ist er nun schon für den ÖFB am Ball, als Generalsekretär und jetzt als Generaldirektor. Aber dass er vor einem wichtigen Fußball-Turnier so im Abseits steht, das ist ihm völlig neu. Ludwig hält ein Kuvert in der Hand, der Inhalt ist heiße Ware: Tickets für die Europameisterschaft in Polen und in der Ukraine, Vorrunde, K.-o.-Spiele, Top-Kategorie, alles in einer Hand. "Früher hätten’s dich umgebracht, um an die Karten zu kommen", berichtet der Funktionär.

Aber hier und jetzt schlagen Ludwig nur Skepsis und Missmut entgegen. Selbst die größten Fußball-Fans machen einen Bogen um das Turnier. Denn die beste Karte verliert schlagartig ihren Wert, wenn gleichzeitig für die Hotel-Übernachtung Hunderte Euro draufgehen. Die EURO 2012, das steht schon vor dem Anpfiff fest, ist eine Teuro.

Hier die Zahlen.

22 Milliarden Euro betragen die Investitionen in die EM in Polen.

19 Milliarden Euro davon fließen zwischen 2007 und 2013 als Regionalförderung von der EU, allein 11,1 Milliarden Euro gibt Brüssel für neue Straßen. Die Züge von Warschau nach Danzig brauchen noch immer länger als jene vier Stunden, die die UEFA als Obergrenze vorgegeben hat. Und keines der Milliarden-Projekte der "Autostrady" ist vollständig befahrbar. Der gescheiterte Plan, einen Abschnitt der Autobahn A2 an den chinesischen Baukonzern Covec zu vergeben, kostete den Transportminister sein Amt. Die Chinesen waren mit einem Dumpingangebot angetreten. Bis heute ist die Strecke nicht fertig.

11,5 Milliarden Euro wird das Turnier die Ukraine insgesamt wohl mindestens kosten – ursprünglich geplant waren 3,2 Milliarden Euro. Präsident Viktor Janukowitsch peitschte ein Gesetz durchs Parlament, das die EM zwar rettete, aber auch Unregelmäßigkeiten den Weg ebnete: Bauaufträge durften ohne Ausschreibungen vergeben werden.

1,345 Milliarden Euro Einnahmen – damit rechnet die UEFA vorsichtig für die EURO 2012 in Polen und der Ukraine. 2008, bei der Endrunde in Österreich und der Schweiz nahm die UEFA mit dem Turnier noch 1,351 Milliarden Euro ein. Wie hoch der Gewinn sein wird, steht noch nicht fest. Bei der EM in Österreich und der Schweiz lag er bei rund 700 Millionen Euro.

Das leere Olympiastadion in Kiew mit gelb-blauen Sitzen und hell erleuchtetem Spielfeld.

840 Millionen Euro brachte der Verkauf der Medienrechte - 40 Millionen Euro mehr als 2012. Ihr Anteil am Gesamtanteil stieg damit von 59,3 auf 62,5 Prozent.

290 Millionen Euro betragen die Einnahmen aus den kommerziellen Rechten, sie blieben fast unverändert, verringerten sich im Vergleich vor vier Jahren um vier Millionen.

287 Millionen statt 190 Millionen Dollar kostete das Stadion Lemberg. Gebaut von der Donezker Altkom-Gruppe, der enge Beziehungen zu Boris Kolesnikow nachgesagt werden,der wiederum von Janukowitsch zum EM-Verantwortlichen gemacht worden war.

150 Millionen TV-Zuschauer weltweit erwartet die UEFA bei jedem EM-Spiel.

196 Millionen Euro schüttet die UEFA an die Teilnehmer aus, obwohl die Einnahmen gegenüber 2008 stagnieren. 2008 gab es 184 Millionen Euro, 2004 waren es nur 123 Millionen gewesen.

115 Millionen Euro sollen mit dem Verkauf von Eintrittskarten eingenommen werden, was neun Prozent der Gesamteinnahmen bedeuten würde. Vor vier Jahren hatte man 100 Millionen Euro aus dem Ticketverkauf eingenommen. Der Sprung in neue finanzielle Dimensionen soll nun erst 2016 erfolgen, wenn die EM in Frankreich erstmals mit 24 Mannschaften stattfindet.

100 Millionen Euro betragen die Einnahmen aus dem Bereich "Corporate Hospitality". Beim letzten Mal waren es noch 155 Millionen Euro. Das liegt vor allem an den kleineren VIP-Bereichen. Zudem können 2012 nicht die Preise wie in Österreich und der Schweiz verlangt werden.

Ein Werbeplakat für das EURO 2012 Spiel Polen gegen Griechenland im Nationalstadion Warschau.

23,5 Millionen Euro würde der Europameister von der UEFA bekommen, wenn er alle sechs EM-Spiele gewinnt. Der unterlegene Finalist würde mit fünf Siegen 20,5 Millionen erhalten.
8 Millionen Euro bekommt jeder Teilnehmer. Auch bei drei Niederlagen in drei Spielen.

1,4 Millionen Tickets wurden aufgelegt.

300.000 Euro würde jeder deutsche Spieler vom Fußballverband bekommen. So viel hätte es bisher nur bei einem Titelgewinn bei der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land gegeben.

3600 Euro wird für eine Übernachtung in einem Mittelklassehotel in Donezk schon einmal verlangt. Sauteuer, sauteurer, Donezk – in der Industriestadt im Osten der Ukraine sorgen die horrenden Zimmerpreise bei den Fans für schlaflose Nächte. Das Zelt gibt’s billiger, schon um wohlfeile 120 Euro die Nacht.

850 Euro beträgt der monatliche Durchschnittslohn in Polen.

280 Euro beträgt der monatliche Durchschnittslohn in der Ukraine.

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