Die Spieler erinnern sich

Ein Mann gestikuliert mit dem Finger vor einer Stadtlandschaft.
Herbert Prohaska, Pierre Littbarski, Bernd Krauss, Horst Hrubesch, Heribert Weber über das Skandalspiel von Gijon.

Herbert Prohaska: "Wir waren noch gut bedient"

In der ersten Hälfte war es ja ein ganz normales Spiel, da haben sich beide Mannschaften noch halbwegs bemüht."

Das Video-Studium beweist: Selbst Primgeiger Herbert Prohaska rutschte und kämpfte im Mittelfeld, grätschte gar deutsche Gegenspieler nieder, um den Dauerdruck abzufangen.

 "Man muss ehrlich sagen, dass Deutschland dem 2:0 viel näher war als wir dem Ausgleich. Daher waren wir mit dem 1:0 natürlich besser bedient als die Deutschen."

Das ist auch Prohaskas Erklärung, warum es nach der Pause schlimmer wurde und beide Teams die Arbeit weitestgehend einstellten.

Auf eine audiovisuelle Wiederholung kann Prohaska gerne verzichten. "Nein, dieses Spiel habe ich mir nie wieder angesehen. Das muss nicht sein."

Pierre Littbarski: "Das war ein komisches Spiel"

Ein Mann mit grauem Haar und einem Schal blickt zur Seite.

Pierre Littbarski absolvierte als junger Nationalspieler 1982 in Spanien seine erste Weltmeisterschaft. In Gijon war er von Beginn an dabei.

"Das war ein komisches Spiel. Nach unserer Führung geschah nicht mehr viel. Einmal lief ich mit dem Ball am Fuß nach vorne und musste erkennen, dass alle Mitspieler hinten stehen geblieben waren. Alle wollten nur das 1:0 über die Zeit bringen."

Der damalige Neo-Teamspieler hatte jedenfalls noch Motivation. "Ich war ein kleiner Jungspund und froh, dass ich überhaupt dabei sein durfte. Ich habe gar nicht mitbekommen, was sich die Großen neben mir ausgemacht hatten. Beide Teams schalteten zumindest einen Gang runter und ließen sich gegenseitig nur noch in Ruhe."

Geschämt hat er sich für das Schauspiel nie. "Es zählte nur der Sieg."

Bernd Krauss: "Das war einfach grausam"

Ein Mann in einem gestreiften Hemd gestikuliert mit der Hand.

Krauss, Bernd: Gebürtiger Deutscher, der zum ÖFB überlief und 22 Länderspiele für Österreich absolvierte. War zufälligerweise beim Nichtangriffspakt in Gijon mit von der Partie und erzielte 1981 bei seinem Debüt im österreichischen Teamtrikot ein Eigentor - der Gegner: Deutschland.

Ein Deutscher als eingebürgerter Österreicher gegen Deutschland. Eine delikate Angelegenheit: "Für mich begannen die Duelle mit Deutschland mit einem negativen Erlebnis. Ausgerechnet mir als Deutschem passiert ein Eigentor. Danach habe ich oft gegen Deutschland gespielt, auch bei diesem unsäglichen 0:1 von Gijon. Das war einfach grausam. Dennoch habe ich mich nie geschämt dafür. Der Spielverlauf hat sich aus der Konstellation ergeben."

Die Deutschen hatten Angst vor Konterstößen, Österreich hatte Angst vor dem zweiten Gegentor. "Ich hätte die Medien schon gerne gelesen, gesehen und gehört, wenn wir ausgeschieden wären. Dann hätten dieselben Leute gesagt: Hätte da man nichts machen können?"

Horst Hrubesch: "Beiden war der Aufstieg wichtig"

Ein Mann mit blonden Haaren spricht vor einem Hintergrund mit Logos.

Horst Hrubesch erzielte in Gijon das einzige Tor – mit dem Knie. Nach seinem Treffer entwickelte sich das Spiel zur Farce.

"Die Matches gegen Österreich haben mir immer Spaß gemacht, ich habe positive Erinnerungen. Solche Duelle sind ja wie Derbys, wie Schalke gegen Dortmund. Österreich und Deutschland haben ja fußballerisch eine Geschichte."

Nur an Gijon hat der Stürmer gemischte Erinnerungen. "Einerseits habe ich das Tor erzielt, andererseits hatte das Spiel negative Folgen. Wichtig war beiden Teams der Aufstieg."

Absprache, so der spätere Austria-Trainer, gab es keine. "Dazu gab es immer wieder Gerüchte. Mir als Spieler ist das auf dem Feld nicht so negativ erschienen. Nach einer Stunde wurde ich ausgewechselt."

Heribert Weber: "Wir warteten auf das Ende"

Ein Mann mit grauem, gewelltem Haar schaut zur Seite.

Heribert Weber setzt auf den Verdrängungsprozess im Gehirn. "Ach, das ist schon so lange her, ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern", schmunzelt der Sky-Experte.

"Und so schön war das Spiel auch nicht, dass man sich heute noch daran erinnern muss. Ich weiß nur, dass für alle die Anspannung sehr groß war. Ein Ausscheiden wäre für Deutschland wie für Österreich schlimm gewesen. Wir warteten alle nur auf das Ende."

Auch Weber war nie masochistisch genug veranlagt, um sich das Match nochmals im Fernsehen anzuschauen. "Nein, das Spiel wollte ich auch nicht mehr sehen. Ich glaube nicht, dass es eine Absprache gegeben hat. Wenn schon, dann war ich nicht dabei, und das ist an mir vorbeigegangen."

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