So früh wie noch keine andere Mannschaft ist Salzburg österreichischer Meister geworden.

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Fußball
03/24/2014

Die Gründe für das Salzburger Solo

Der KURIER hat acht Erfolgsgeheimnisse gefunden, warum der Bundesliga-Titelkampf für den Meister ein Solo war.

von Stephan Blumenschein

Salzburg-Sportchef Ralf Rangnick brachte es in der Stunde des Triumphes auf den Punkt: „Mit dieser Mannschaft Meister in Österreich zu werden ist jetzt nicht so etwas ganz besonderes, aber in der Art und Weise mit diesem Fußball schon“, meinte der Deutsche, kurz nachdem Salzburg am Sonntag durch ein 5:0 gegen Wiener Neustadt den fünften Meistertitel in der neunjährigen Ära Red Bull fixiert hatte.

Noch nie seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995 stand eine Mannschaft so früh als Meister fest. Bereits acht Runden vor Schluss ist Salzburg dank 27 Punkte Vorsprung nicht mehr einzuholen. Der KURIER hat sich auf Ursachenforschung begeben und acht Gründe für die Dominanz der Salzburger gefunden...

Kontinuität

Nicht wenige forderten schon nach der Blamage gegen Düdelingen im Juli 2012 den Rauswurf von Trainer Schmidt. Und auch nach der ersten titellosen Saison war nicht fix, dass der Deutsche bleiben wird dürfen. Erst nach zwei Gesprächen zwischen dem Trainer und dem Sportdirektor mit laut Rangnick detaillierten Analysen war klar, dass Schmidt eine zweite Chance bekommen würde. Diese Entscheidung hat sich letztendlich ausgezahlt und wurde mit der bisher erfolgreichsten Bundesliga-Saison (schnellster Meistertitel) und dem größtem Erfolg im Europacup (Einzug ins Europa-League-Achtelfinale) in der Ära Red Bull belohnt.

Düdelingen

Die größte Blamage der Red-Bull-Geschichte hatte auch positive Konsequenzen: Erst nach dem Ausscheiden in der Champions-League-Qualifikation gegen die Luxemburger durfte Rangnick für so viel Geld neue Spieler in einer Transferzeit verpflichten wie vor ihm kein anderer Sportchef in Salzburg. Rund zehn Millionen Euro wurden in der letzten Transferwoche im Sommer 2012 ausgegeben. Rangnick ging besonders bei den Ablösesummen für die damals Unbekannten Kevin Kampl (3 Mio. € an den deutschen Zweitligisten Aalen) und Sadio Mane (4 Mio. € an den französischen Drittligisten Metz) großes Risiko ein, das sich allerdings mehr als bezahlt machen sollte.

Roger Schmidt

Dass Spieler, die immer spielen, ihren Trainer loben, ist nichts Außergewöhnliches. Dass aber Spieler, die nie spielen, auch ihren Trainer loben, hingegen schon. „Ich glaube an alles, was er tut. Man kann von jedem Trainer lernen, aber von Roger am meisten“, adelte Torhüter Eddie Gustafsson den Deutschen, obwohl der Schwede und Salzburger Publikumsliebling unter Schmidt überhaupt keine Rolle spielt. Die größte Stärke des Deutschen ist sein Umgang mit den Spielern. Deshalb kam auch unter den Unzufriedenen, die nicht zum Stammpersonal gehören, nie eine schlechte Stimmung auf, die den gesamten Erfolg des Teams gefährden hätte können.

Spielweise

Es gibt im Fußball viele Wege zum Erfolg, Salzburg hat einen ganz außergewöhnlichen eingeschlagen. Das Offensivpressing ist so extrem, dass selbst die Stars vom Bayern München Probleme damit hatten. „Unsere Stärke ist das Kollektiv“, wird Schmidt nicht müde zu betonen. Nur wenn alle Spieler zu 100 Prozent auf dem ganzen Platz mitarbeiten, kann Salzburgs Spielweise funktionieren. Das war in sehr vielen Spielen hat diese Unterstützung prächtig funktioniert - und gerade deshalb ist Salzburg auch so überlegen.

Torhunger

Es hat in der Bundesliga schon viele dominante Mannschaften gegeben, aber schon ewig keine mehr, die nie genug hat. Eine 3:0-Führung ist für die Salzburger kein Grund, einen Gang zurückzuschalten. Im Gegenteil: Besonders in Heimspielen wird bis zur letzten Minute versucht, noch mehr Tore zu schießen. Dass die auch gelingt, beweisen unglaubliche 28 Tore in den fünf Bundesliga-Heimspielen im Jahr 2014. Dass trotzdem nicht mehr Zuschauer kommen, ist schade, aber nicht verwunderlich: Red Bull wollte ein Eventpublikum, Red Bull hat ein Eventpublikum bekommen. Dieses besucht die Red-Bull-Arena erst dann in Massen, wenn Außergewöhnliches geboten wird – wie die fast 30.000 Zuschauer in der Europa League gegen Ajax Amsterdam und FC Basel oder beim Testspiel gegen Bayern München beweisen. Der Bundesliga-Alltag lockt hingegen nur die echten Fußballfans an – und das sind in Salzburg 6000 bis 8000. Mehr waren es allerdings auch nicht in den Pre-Red-Bull-Zeiten.

Peter Gulacsi

Sadio Mane, Kevin Kampl, Alan oder Jonatan Soriano – die Offensivkünstler waren schon alle in der vergangenen Saison in Salzburg. Trotzdem reichte es zu keinem Titel. Der ungarische Torhüter ist hingegen erst im Sommer geholt werden. Der erst 23-Jährige war wohl der letzte Baustein, der noch zu einer echten Meisterelf gefehlt hat. Dass just jene beiden Partien – bei der Admira und bei Rapid – als einzige in dieser Saison verloren gegangen sind, in denen Gulacsi seine einzigen beiden Fehler in der Bundesliga begangen hat, beweist nur seine Wichtigkeit.

Letztes Saisondrittel

Vor zwölf und damit nach 16 Runden betrug der Vorsprung der Salzburger auf den damaligen Tabellenzweiten Rapid gerade einmal sieben Punkte. Mittlerweile haben die Salzburger 27 Zähler Vorsprung auf den ersten Verfolger Grödig. Mit zwölf Siegen in Serie, in denen 51 Tore (im Schnitt 4,25 pro Spiel) erzielt worden sind, wurde die Liga-Konkurrenz zu Statisten degradiert.

Konkurrenz

Aber auch die anderen Bundesliga-Klubs waren nicht ganz unbeteiligt daran, dass Salzburg die Meisterschaft bisher so dominieren konnte. Der längst entthronte Titelverteidiger Austria, der in der Vorsaison nach 28 Runden nur fünf Punkte weniger hatte als Salzburg jetzt, konnte nie an die Meisterform anschließen. Rapid forderte zwar als einziges Team die Salzburger in allen drei Spielen und hat auch eine ausgeglichene Bilanz gegen den Meister (2:1 im Hanappi-Stadion, 1:1 und 3:6 un der Red-Bull-Arena), verschenkte aber gegen die Underdogs viel zu viele Punkte. Und der Rest der Liga war meistens schon froh und glücklich, wenn gegen Salzburg nur drei oder vier Gegentore kassiert wurden.

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