Sport | Fußball
22.11.2018

Die Gaudi-Truppe schrieb Geschichte

Die ÖFB-U21 fährt zur Europameisterschaft. Das Umfeld, die Mentalität und der Teamgeist sind die Erfolgsfaktoren.

Seit 1978 wird der EM-Titel für Unter-21-Nationalteams ausgespielt. In den bisherigen 21 Auflagen blieb Österreich stets nur die Zuschauerrolle. Seit Dienstag hat der ÖFB-Nachwuchs nun einen Meilenstein. „Es ist wirklich ein historisches Ereignis, geradezu eine Sternstunde“, sagte ÖFB-Präsident Leo Windtner. 249.000 Zuschauer sahen am Dienstag die Liveübertragung auf ORF Sport +.

Österreich hatte sich als einer der besten Gruppenzweiten für die Relegation qualifiziert. Einem 1:0-Sieg in Griechenland folgte ein 1:0-Sieg im Rückspiel in St. Pölten. Damit ist Österreich einer von zwölf Teilnehmern an der Endrunde nächstes Jahr in Italien von 16. bis 30. Juni. Schon morgen werden die Gruppen ausgelost. Mögliche Gegner aus Topf 1 sind Veranstalter Italien, Titelverteidiger Deutschland und England. Aus Topf zwei kommt Spanien, Dänemark oder Frankreich dazu. Der dritte Gruppengegner kann Serbien, Kroatien, Belgien, Polen oder Rumänien sein.

Traumberuf Teamchef

Die Endrunde ist auch ein Höhepunkt der Tätigkeit von Werner Gregoritsch. Der 60-Jährige ist seit Jänner 2012 Teamchef der Unter-21-Auswahl. In drei Qualifikationen reichte es jeweils für Platz zwei, zum zweiten Mal hatte man die Relegation erreicht. „Die EM-Teilnahme ist insofern schön, weil ich immer gesagt habe, dass U21-Teamchef mein Traumberuf ist. Und wenn ich den auch erfolgreich bestreite, ist es umso schöner für mich“, betonte der Steirer.

Sein Umfeld wurde in den letzten Jahren größer und professioneller. Der ÖFB leistet sich seit zwei Jahren einen Mentaltrainer für die U 21 in Person von Ex-Profi Enrico Kulovits, zudem zuletzt auch einen Videoanalysten und einen Koch.

Gregoritsch sieht sich aber auch als Menschenführer und Stimmungsmacher. Er wurde bei einem Interview in der Mixed Zone von einer Traube feiernder Spieler unterbrochen und mit Mineralwasser übergossen. „Jeder freut sich, wenn er herkommt. Wir haben unsere Gaudi, die Stimmung passt bei jedem Lehrgang, auch das Training macht Spaß“, sagte Max Wöber.

Guter Teamgeist

Gregoritsch freut der Zusammenhalt der Spieler. „ Xaver Schlager hat sich mit Kapuze getarnt in die Kabine geschlichen, um mit den Spielern zu feiern“, sagte er. Der Mittelfeldspieler Schlager ist zwar noch für die Unter 21 spielberechtigt, hat zuletzt aber gegen Bosnien und Nordirland im A-Team gespielt. Auch Valentino Lazaro ist nach dem Stichtag (1. Jänner 1996) geboren. Und Konrad Laimer, der gegen Bosnien nicht zum Einsatz gekommen war, wurde von Franco Foda für das Rückspiel der Unter 21 abgestellt. „Es gibt den Spielern noch mehr Motivation bei der U21 gut zu spielen, weil man dann noch mehr Chancen hat, schneller ins A-Team zu kommen“, lobte Gregoritsch die Zusammenarbeit mit dem Teamchef. So waren auch schon Wolf, Lienhart, Wöber und Danso beim A-Team.

Die letzten drei sind allesamt eigentlich Innenverteidiger. Wie auch Posch, Maresic und Dominik Baumgartner. Weniger groß ist die Dichte von international erfahrenen Spielern im Angriffsspiel. Grbic (9 Spiele, 521 Minuten für Altach), Arnel Jakupovic (0 Minuten für Empoli) und Marko Kvasina (8 Spiele und 479 Minuten für Mattersburg) sind bei ihren Klubs keine Fixstarter.

Wer bei der Endrunde dabei ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen finden von 7. bis 11. Juni zwei EM-Qualifikationsspiele des A-Teams statt (U21-EM-Start ist 16. Juni). Und vor allem müssen die Klubs Spieler nicht für die U21 abstellen. Wobei das bei einer Endrunde in der Sommerpause kein großes Problem sein sollte.