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Red-Bull-Duell
09/22/2018

Die Folgen eines historischen Salzburger Abends

Das 3:2 von Salzburg in Leipzig zeigte vieles auf - und schloss mit Gerüchten aus dem Vorfeld ab.

von Stephan Blumenschein

Das 3:2 gegen Leipzig im ersten Pflichtspiel-Duell der Klubs mit Red-Bull-Finanzierung war mehr als nur ein Prestigeerfolg für Salzburg: Es war einer der wichtigsten Siege in der jüngeren Vergangenheit. Denn er zeigte nicht nur vieles auf, was so nicht erwartet wurde, sondern stellte auch klar, was im Vorfeld der Partie behauptet wurde.

- Keine Stallorder
So gut schauspielern kann kein Fußballer, nicht einmal Neymar. Die Jubelorgie der Salzburger nach der Last-Minute-Entscheidung war so herzlich, der Ärger bei den Leipzigern so groß, dass sich alle Anschuldigungen aus dem Vorfeld in Luft auflösten. Das Red-Bull-Duell war ein hochemotionales Fußballspiel mit einem verdienten Sieger.

- Druckvolle Salzburger
Die Gäste starteten überfallsartig und degradierten die Spieler des Bundesligisten zu Statisten. „Wir haben die Fehler von Leipzig erzwungen, im Kampf um Pressing-Räume hatten wir mehr Intensität und lange Zeit alles im Griff“, sagte Salzburg-Trainer Marco Rose zufrieden.

- Schläfrige Leipziger
„Ich hatte nicht das Gefühl, dass alle, die auf dem Platz standen, verstanden haben, was da an Dynamik und Wucht zu uns kommt“, meinte Ralf Rangnick. Seinen Spielern unterlief in der ersten Hälfte ein Fauxpas nach dem anderen. „So kannst du einfach nicht in ein Spiel gehen.“

- Taktische Spielchen
„Ich habe zum zweiten oder dritten Mal in meiner Trainerkarriere alle drei Wechsel in der Pause gemacht“, erzählte Rangnick. Aber nicht nur das: Leipzigs Coach veränderte mehrmals die Taktik. Die Gäste konnten damit gut umgehen – bis Minute 70. Danach verspielte Salzburg eine 2:0-Führung, belohnte sich aber noch mit dem Siegestor.

- Lobender Rangnick
Salzburg hat das in gewissen Bereichen perfekt gespielt. Es ist unfassbar, dass diese Mannschaft gegen Roter Stern Belgrad ausgeschieden ist“, sagte der Leipzig-Trainer.

- Wenige Zuschauer
Nur 24.000 hatten sich zum Red-Bull-Duell eingefunden. Rangnick, der die Partie im Vorfeld als „die interessanteste des ersten Spieltages“ bezeichnet hatte, schob dies auf die späte Beginnzeit (21 Uhr): „Wir haben sonst viele Familien im Stadion.“ Bei den drei Champions-League-Gruppenspielen 2017, die ähnlich spät begannen, war die RB-Arena mit rund 43.000 aber immer voll.

- Niveaulose Fans
Trotz allen (auch aufgrund einiger Rangnick-Aussagen verständlichen) Fan-Frusts ist es nicht entschuldbar, dass einige Salzburger Anhänger in der Leipziger Altstadt den früheren Red-Bull-Fußballchef in Sprechchören lautstark auf das Tiefste beschimpften. Das war keine Werbung für den Fußball und schon gar nicht für ihren Verein.

- Warnender Salzburg-Coach
„Es ist nicht viel passiert. Wir haben noch fünf Gruppenspiele, wenn wir keinen Sieg mehr einfahren, wird es schwer, unsere Ziele zu erreichen“, sagte Marco Rose, der wieder im Europacup überwintern möchte. Am 4. Oktober kommt mit Celtic (1:0 gegen Rosenborg) der zweite Sieger vom Donnerstag in Gruppe B nach Salzburg.