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23.05.2018

Das Rennen um die Nummer 1 im Nationalteam

Cican Stankovic und Richard Strebinger drängten sich auf und wurden von Franco Foda belohnt.

Es ist lange her, dass sich in Österreich Torhüter so richtig für eine Nominierung durch den Teamchef aufgedrängt haben. In diesem Frühjahr war es wieder so weit. Konkret waren es zwei 25-jährige Niederösterreicher.

Zum einen zeigte Richard Strebinger im Rapid-Tor nach einiger Anlaufzeit, dass er sein großes Potenzial, das er schon zuvor in unregelmäßigen Abständen hatte aufblitzen lassen, auch konstant auf den Platz bringen kann. Mit einer Ausnahme – als er vor zehn Tagen gegen Salzburg vor dem Tor zum 0:1 einen Schuss ausgelassen hatte – spielte der 1,94 Meter große Wiener Neustädter eine starke Saison und war regelmäßig der Matchwinner im Rapid-Tor.

Cican Stankovic, der in Salzburg hinter dem routinierten Deutschen Alexander Walke die Nummer zwei ist, nutzte seine Chancen ebenso. Er erhielt diese von Trainer Marco Rose im Cup, wo er im Halbfinale in Mattersburg mit seinen Paraden zum Zünglein an der Waage wurde. Im folgenden Finale gegen Sturm in Klagenfurt war der Pressbaumer Stankovic dafür verantwortlich, dass die Grazer nicht schon nach 90 Minuten oder gar früher als Sieger feststanden.

FUSSBALL ÖFB CUP HALBFINALE: SV MATTERSBURG - RB SALZBURG

Das sah auch Franco Foda so, der das Duo für die drei freundschaftlichen Länderspiele gegen Russland (30. Mai, Innsbruck), Deutschland (2. Juni, Klagenfurt) und Brasilien (10. Juni, Wien) erstmals in den Teamkader berufen hat. „Strebinger hat über lange Zeit gezeigt, dass er gut ist, und Stankovic ist im Cup sehr souverän aufgetreten.“ Damit bringt der Deutsche frischen Wind ins Rennen um die Torhüter-Position im Team.

Wie zuletzt sind auch Heinz Lindner und Jörg Siebenhandl wieder dabei. Siebenhandl, den Foda im Vorjahr zu Sturm Graz geholt hatte, feierte jüngst im März beim 4:0-Sieg in Luxemburg sein Debüt. Zuvor ließ sich Heinz Lindner bei den Siegen gegen Slowenien (3:0) und Uruguay (2:1) nichts zu Schulden kommen. Eine klare Nummer eins gibt es nicht. Bis zum ersten Pflichtspiel in der Nations League am 11. September gegen Bosnien-Herzegowina hat Foda Zeit, diese zu finden.

Fitness-Frage

Neben Strebinger und Stankovic berief Foda noch zwei Neue ein: Rapids Offensivgeist Thomas Murg und Sturms Außenverteidiger Marvin Potzmann, der aber nur dann auch wirklich einrücken wird, wenn Andreas Ulmer absagen muss. Der Salzburger Routinier ist nach einem Muskelfaserriss erst auf dem Weg zur Genesung. Ob er rechtzeitig fit sein und einrücken wird, soll bis Donnerstag definitiv entschieden werden. Die Einberufung von Murg begründet Foda mit dessen starker Entwicklung in dieser Saison: „Er hat schon immer gut nach vorne gespielt, aber in diesem Jahr hat er eindeutig seine Rückwärtsbewegung und Defensivarbeit verbessert.“

Ab Samstag kann sich Foda im Training ein Bild von seinen neuen Spielern machen. In Schwaz in Tirol bereitet sich das Team auf den ersten Test gegen die Russen vor (11.000 Tickets sind verkauft). Und das, obwohl die Bundesliga-Saison erst am Sonntag endet. Von den 27 einberufenen Spielern kommen zwölf aus der österreichischen Liga. Alle außer Stefan Hierländer, Deni Alar und Xaver Schlager werden bereits vorzeitig dem Team abgestellt. Foda: „Da muss ich mich bei Sturm, Rapid und Salzburg bedanken, das ist nicht selbstverständlich.“