Sport | Fußball
06.06.2017

Confed Cup: Ein holpriger Probegalopp

In weniger als zwei Wochen lädt Russland zum WM-Test. Ein Vorgeschmack auf Probleme, die sich 2018 wohl auch nicht verbergen lassen werden.

Mit der Vergabe der nächsten Fußball-Weltmeisterschaften, 2018 in Russland, 2022 in Katar, wurde der Fußball-Weltverband (FIFA) Zielscheibe heftiger Kritik und löste Reaktionen der Empörung aus.

Das Geld hatte letztendlich die Entscheidung gegeben, zugunsten zweier Veranstalterländer, die es mit den Menschenrechten auch nicht immer allzu genau nehmen.

In zwei Wochen lädt Russland zum Probegalopp, Confed Cup genannt. Ein zum insgesamt zehnten Mal durchgeführter Test (17. Juni bis 2. Juli) im Jahr vor einer Weltmeisterschaft. Die sportliche Wertigkeit wird ohnehin immer hinterfragt, obwohl sich ein bunt gemischtes Teilnehmerfeld präsentiert: der Gastgeber, Neuseeland, Europameister Portugal und Mexiko (Gruppe A), sowie Weltmeister Deutschland, Chile, Kamerun und Australien (Gruppe B). Gespielt wird in St. Petersburg, Moskau, Kasan und Sotschi.

Wenig verwunderlich, dass Russland das "wichtigste Sportereignis der Jahres 2017" ausgerufen hat. Von höchster Stelle, also von Wladimir Putin, kam der Erlass, den Confed Cup und erst recht die WM auf die höchste Sicherheitsstufe zu stellen. Ja kein Imageschaden, den Russland im momentan undurchsichtigen Weltgeschehen nicht gebrauchen kann.

Bleibt die Frage, wie großzügig die Veranstalter mit der Pressefreiheit umgeht, wenn rund um die Spiele berichtet wird. Diverse Verbote standen zuletzt im Raum, die FIFA durchleuchtete Bedingungen für Journalisten-Akkreditierungen. Was zumindest sichergestellt scheint, ist die unbeeinflusste Arbeitsmöglichkeit an den jeweiligen Spielorten.

Einschränkungen

Festgehalten wurde: Journalisten dürfen beim Confed-Cup lediglich sportliche Inhalte transportieren, also über das Turnier "und damit verbundene Ergebnisse" berichten. Beschränkt ist das Tätigkeitsfeld von Reportern auf das "Gebiet der Spielorte und naheliegenden Sehenswürdigkeiten." Nebenbei bemerkt: Russland liegt in einem Ranking der "Pressefreiheit" auf dem höchst bescheidenen 148. Platz.

Homophobie und von Rassismus geprägte Kundgebungen sind weitere Probleme, die sich störend in ein Fußballfest mischen könnten. Russland steht unter genauer Beobachtung. Bei einem Karnevalsumzug in Sotschi, eben ein Spielort beim Confed Cup, fanden es einige Teilnehmer lustig, schwarz angemalt, mit Bananen in den Haaren die Nationalmannschaft von Kamerun zu "begrüßen".

Skepsis

Fraglich ist auch, wie gut der WM-Probelauf ankommen wird. Erfolgsverwöhnt war das russische Publikum in den vergangenen Jahren jedenfalls nicht. Der Kartenvorverkauf verläuft dementsprechend schleppend.

Ebenfalls unsicher ist die Bereitschaft der großen Nationalteams, ihre stärksten Aufgebote ins Turnier zu schicken. Deutschlands Teamchef Joachim Löw betrachtet das Turnier als Experimentierfeld. "Einige Spieler werden bewusst geschont, da das Ziel 2018 über allem steht", kündigt der Weltmeister-Trainer von 2014 an.

Die Zukunft?

Höchst ungewiss. Denn die Weltmeisterschaft in Katar 2022 macht die Durchführung des nächsten Confed Cups eher unmöglich. FIFA-Präsident Gianni Infantino, sonst bekannt, ein Entwickler eigenwilliger Ideen zu sein, weiß nicht, "ob wir das Turnier im Juni spielen, oder im November."

Im Sommer 2021 wäre es wohl zu heiß für ein Fußball-Turnier. Andere Termine werden wohl kaum zu finden sein. Was wiederum die Meinung ein weiteres Mal verstärkt, wie absurd es ist, eine Weltmeisterschaft in die Wüste zu verlegen.

Confed Cup (FIFA-Konföderationen-Pokal) vom 17. Juni bis 2. Juli 2017 wird in Russland zum zehnten Mal ausgetragen. Spielorte sind Sotschi, Moskau, Kasan und St. Petersburg.

Gruppe A: Russland, Neuseeland, Portugal, Mexiko.

Gruppe B: Deutschland, Chile, Australien, Kamerun.

Modus: Nach den Gruppenspielen (erste Partie ist Russland gegen Neuseeland am 17. Juni) finden die Kreuzspiele der ersten beiden Gruppenersten statt. Das Finale steigt am 2. Juli in St. Petersburg. Die letzten drei Turniere gewann Brasilien.