Heftige Atlético-Kritik am deutschen Schiedsrichter
Erst die Gelb-Rote Karte für Atletico Madrids Torschützen Fernando Torres hat dem FC Barcelona im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales am Dienstag den Weg zu einem 2:1-Heimsieg geebnet. Die Folge war heftige Schiedsrichter-Kritik aus dem Atletico-Lager: "Sie schützen Barca", klagte Madrids Verteidiger Filipe Luis.
Drei Tage nach dem 1:2 gegen Real Madrid in der spanischen Liga konnten Lionel Messi und Co. eine neuerliche Heimpleite nur mit Mühe und erst dank Überzahl abwenden. Die Überraschung lag bereits in der Luft. "Atleti" führte dank des Treffers von Fernando Torres nach 25 Minuten 1:0. " Barcas" Bemühungen wurden mit kompakter Defensive und hohem Pressing gestört.
Gelb-Rot
Zur Schlüsselszene wurde schließlich der Ausschluss von Torres in der 35. Minute. Erst dann und besonders nach der Pause konnten sich die Gastgeber besser entfalten und kamen durch den Doppelpack von Luis Suarez (63., 74.) noch zum Sieg. "Durch den Platzverweis hat sich das Spiel verändert", musste auch "Barca"-Coach Luis Enrique zugeben. Prompt entschuldigte sich Torres trotz seines ersten CL-Saisontors. "Ich übernehme Verantwortung für unsere Niederlage", twitterte der 32-Jährige, der sich den Ausschluss mit unnötigen Fouls an Neymar und Sergio Busquets eingehandelt hatte.
Der Ärger über den deutschen Schiedsrichter Felix Brych machte sich nicht zuletzt in Verschwörungstheorien Luft. "Die UEFA macht sich mehr Sorgen um die Farbe der Dressen, als einen Schiedsrichter vom richtigen Format auszuwählen", erklärte Filipe Luis. "Es gibt die Sorge, sie könnten rausfliegen. Das würde die UEFA (Europäischer Fußballverband) schmerzen. Ich weiß nicht, was ein Barcelona-Spieler machen muss, um des Platzes verwiesen zu werden." Auch Atletico-Trainer Diego Simeone suhlte sich in der Opferrolle, blieb aber kryptisch: "Ich muss überlegen, was ich sage, damit ich nicht etwas sage, was ich nicht sollte.
Suarez kommt davon
Was Atletico zusätzlich erzürnte, war der Umstand, dass ein Kick von Suarez gegen Verteidiger Juanfran ohne Ball in der ersten halben Stunde ungeahndet blieb. "Das war eine Aggression, eine Rote Karte", sagte Filipe Luis, der von Suarez kurz vor dessen Siegestor auch einen Schlag ins Gesicht bekam.
Die Ausgangslage für das Rückspiel verspricht jedenfalls Hochspannung. "Es ist noch nicht vorbei", befand Simeone, der seine Truppe in höchsten Tönen lobte. "Bis zum Platzverweis haben wir ein richtig gutes Spiel gemacht", meinte der Argentinier. "Natürlich hatte Barcelona viele Tormöglichkeiten und uns in den eigenen Strafraum gedrängt. Es war schwierig, da herauszukommen." Luis Enrique verließ das Nou Camp diesmal immerhin als Gewinner. "Ich bin zufrieden mit dem Spiel und dem Sieg. Nach dem 0:1 waren bestimmt einige geschockt, aber die Spieler haben genug Selbstvertrauen", meinte der ehemalige spanische Internationale.
Bayern im Plansoll
Weit weniger Aufregung herrschte nach dem 1:0-Heimerfolg der Bayern über Benfica Lissabon. Auch wenn sich so mancher Fan wohl darüber ärgerte, dass es David Alaba und Co. verabsäumten, vorzeitig alles klar zu machen. Denn die Blitzführung durch Arturo Vidal (2.) hatte Erwartungen auf einen höheren Sieg geweckt. "Die Ausgangsposition ist positiv. Wir haben zu Null gespielt, das war unser Ziel", meinte ÖFB-Star Alaba bei Sky.
Auch Trainer Josep Guardiola wollte keine Kritik an seiner Mannschaft üben. "Ich bin sehr zufrieden", sagte Guardiola: "1:0 ist okay. Wie gefährlich das Ergebnis ist, hängt von unserer Leistung in Lissabon ab." Schon ein Unentschieden reicht dem deutschen Meister zum erneuten Einzug ins Halbfinale. "Es ist ein gutes Ergebnis, aber es bleibt spannend", resümierte Weltmeister Thomas Müller.
Auch wenn den Bayern der elfte Heimsieg in Serie in der Königsklasse gelang und damit nur noch ein voller Erfolg auf Rekordhalter Manchester United (12) fehlt: Dem Team mangelt es aktuell an spielerischer Leichtigkeit, der Fußball sieht mehr nach Arbeit aus. Als Vorarbeiter erweist sich dabei immer mehr der Chilene Vidal, und das nicht nur wegen seines feinen Kopfballtreffers nach präziser Flanke von Juan Bernat. "Arturo ist sehr wichtig", lobte Guardiola den Matchwinner.
Kurz vor Schluss leitete Vidal auch noch eine Großchance zum 2:0 ein. Doch das Zuspiel von Robert Lewandowski auf Kapitän Philipp Lahm fiel zu schlampig und ungenau aus. "Wir können trotzdem zufrieden sein mit dem Ergebnis, weil wir hinten zu Null gespielt haben", urteilte DFB-Teamspieler Manuel Neuer, der den Blick gleich nach vorne richtete: "Wir wissen, dass es eine enge Kiste wird in Lissabon."
Das Resultat ließ aber auch den Benfica-Tross mit Optimismus die Heimreise antreten. "Es ist noch alles offen", kommentierte Trainer Rui Vitoria. "Die meisten Mannschaften, die hier herkommen, haben große Probleme."
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