Vier Mal durften die violetten Kicker zum Jubeln zusammenkommen.

© APA/HERBERT NEUBAUER

Champions League

Austrias Kicker strahlten um die Wette

Die Wiener freuen sich über ein "Fußballfest", werden für die Ausschreitungen aber wohl zur Kasse gebeten.

12/12/2013, 12:54 PM

Am Ende ihres Debüts in der Champions League hat die Austria für ein Highlight gesorgt. Nach dem 4:1 gegen Zenit St. Petersburg am Mittwoch strahlten die Kicker auf der Ehrenrunde im Happel-Stadion um die Wette. Vier Tore in einer Partie war zuvor noch keinem anderen ÖFB-Team in der Königsklasse gelungen. Wermutstropfen blieb, dass in der Gruppe mehr als Platz vier möglich gewesen wäre.

Der befürchtete Prügelknabe war die Austria auf der großen Bühne nicht. Fünf Zähler sammelte Österreichs Meister mit zwei Remis in St. Petersburg und Porto sowie dem Heimerfolg gegen die Russen, dem ersten Sieg eines österreichischen Klubs seit über zwölf Jahren (Sturm Graz 2:1 im Februar 2001 gegen Panathinaikos Athen). Dies ist die beste Ausbeute aller Gruppenvierten. Porto schaffte mit ebenfalls fünf Punkten den Umstieg in die Europa League, Zenit steht trotz der bescheidenen Ausbeute von sechs Zählern im Achtelfinale.

"Wir haben auf einen Sieg gehofft, aber ein 4:1 hätten wir nicht erwartet. Das ist fantastisch für uns alle", meinte Torschütze Philipp Hosiner. Der zum "Man of the Match" ausgezeichnete Angreifer ("Es war an der Zeit für meinen ersten Treffer") zeigte mit zwei Toren und einem Assist auf der großen Bühne endlich auf. Dies entlockte auch Nenad Bjelica ein Lächeln. "Philipp hat in der ganzen Champions League sehr gut gearbeitet, heute hat er einfach richtig reagiert in den entscheidenden Szenen", meinte der Austria-Trainer.

Nach Zenits Führung durch Alexander Kerschakow (35.) trafen Hosiner (44.), Tomas Jun (48.) und erneut Hosiner (51.) in acht Minuten vor und nach Seitenwechsel dreimal. Roman Kienast (93.) setzte den Schlusspunkt unter dem laut Vorstand Markus Kraetschmer "Fußballfest zum Abschluss". Getrübt wurde die Bilanz der Austria-Verantwortlichen durch Zuschauerausschreitungen russischer Fans sowie einer Greenpeace-Aktion vor Anpfiff. Eine Geldstrafe vonseiten der UEFA wird unumgänglich sein.

Sportlich präsentierte sich Violett in bester Verfassung. Der Doppelschlag nach der Pause knickte die Russen, die zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits mit dem Achtelfinale planen durften. Atletico lag gegen den auf einen Sieg angewiesenen FC Porto nach 45 Minuten schon 2:0 voran. "Wir wollten gewinnen und davon unabhängig sein. Aber ich weiß nicht, was nach unserer guten ersten Spielhälfte passiert ist", meinte Zenit-Star Axel Witsel. Kräfte geschont habe man laut dem Belgier nicht.

KURIER-Noten für die Austria-Spieler

"Wir haben den Zwischenstand in Madrid gesehen, aber ich denke nicht, dass uns das beeinflusst hat. Wir sind glücklich über den Aufstieg, aber nach so einem Spiel kann man trotzdem nicht lachen", betonte Witsel.

Der Austria konnte dies egal sein. Vier erzielte Treffer in einem Champions-League-Spiel waren zuvor noch keiner österreichischen Mannschaft gelungen. Salzburg 1994 (3:1 bei AEK Athen) sowie zweimal Sturm Graz in den Jahren 1999 (3:2 gegen Marseille) und 2000 (3:0 gegen Galatasaray) schafften jeweils drei Tore. "Wir haben ein neues Ziel stecken müssen, da ein Überwintern nicht mehr möglich war. Wir haben gesagt, es fehlt nur noch ein Sieg. Letztendlich hat das super geklappt", sagte Torhüter Heinz Lindner.

Bitterer Beigeschmack

Einen kleinen bitteren Beigeschmack hatte der Sieg jedoch. Den Austrianer wurde bewusst, dass in der Gruppe vielleicht mehr möglich gewesen wäre. Beim 0:1 gegen Porto zum Auftakt wäre ein Punktgewinn verdient gewesen. Außerdem spielte Zenit in die Karten, dass Atletico beim 1:1 am fünften Spieltag nicht mit allen Stars nach Russland reiste. Es war der einzige Punkteverlust der die Gruppenphase klar dominierenden Madrilenen.

"Es ist bitter, dass Atletico nicht alle sechs Spiele ernst genommen hat. Sonst hätten sie auch in St. Petersburg gewonnen. Aber das wäre vielleicht zu viel des Guten gewesen", sagte Hosiner. "Auf fünf Punkte konnten wir nur hoffen, realistisch war das nicht. Aber der Unterschied war doch nicht so groß, wie wir geglaubt haben. Das stimmt uns positiv für die Zukunft, vielleicht bekommen wir ja noch einmal die Chance", sagte der Stürmer.

Ähnlich klangen Hosiners Teamkollegen. "Wir haben fünf Punkte geholt gegen nicht irgendwelche Mannschaften. Darauf können wir stolz sein", betonte Markus Suttner. Torhüter Lindner merkte an, dass der Austria nach der Auslosung niemand zugetraut habe, in der Gruppe mithalten zu können. "Dass wir Punkte in St. Petersburg und Porto holen und nun den Sieg - darauf kann der ganze Verein und auch Österreich stolz sein."

Stolz war ob des Geleistetem auch der nach weniger berauschenden Leistungen in der Liga nicht unumstrittene Bjelica. Der Stöger-Nachfolger sammelte in der Champions League erneut Pluspunkte in der Fan-Gunst. "Wenn man den Einsatz meiner Mannschaft in den sechs Spielen gesehen hat, dann hätten wir uns den Aufstieg meiner Meinung nach als Zweiter verdient", sagte Bjelica, der die Kilometerstatistik hervor strich.

"Wir sind 121 Kilometer gelaufen, 114 ist der Durchschnitt. Wir waren in allen Spielen darüber. Nun haben wir endlich die richtige Belohnung erhalten", sagte er. Er gab am Donnerstag trainingsfrei. Regeneration ist angesagt, da am Sonntag bereits der Liga-Schlager in Salzburg ansteht. Auch in der Bundesliga will die Austria künftig begeistern. "Wir müssen schauen, diesen Schwung in die Meisterschaft mitzunehmen. Wenn wir so spielen wie heute, schaut es ganz gut aus", meinte Kienast.

Die Austria wird "blechen" müssen

Austrias fulminanter Abschluss der Champions-League-Saison ist am Mittwochabend von Aktionen abseits des sportlichen Geschehens überschattet worden. Gewalttätige Fans von Gegner Zenit St. Petersburg sorgten im Happel-Stadion mit Ausschreitungen für eine Spielunterbrechung, sogar ein Abbruch stand im Raum. Die Austria als Veranstalter darf sich auf eine Geldstrafe vonseiten der UEFA einstellen.

Eine zusätzliche blüht den Wienern aufgrund einer Greenpeace-Aktion vor Anpfiff. Während die Mannschaften Aufstellung nahmen, entrollten sechs als Cheerleader getarnte Aktivistinnen der Umweltschutzorganisation Plakate mit der Aufschrift "Gazprom don't foul the arctic". Der russische Erdölkonzern ist Sponsor der Champions League ebenso wie Hauptgeldgeber von Zenit.

Knallkörper

Die umrühmlichen Geschehnisse im russischen Sektor nahmen nach 25 Minuten ihren Lauf. Aus dem Bereich der Gäste-Fans im 3. Rang des Sektors F schossen russische Hooligans gezielt Knallkörper in Richtung anderer Zuschauer und der Polizei ab, zudem versuchten Zenit-Anhänger den Austria-Sektor zu stürmen. Nachdem die Ordner überfordert waren, griff die Polizei schließlich durch und ging mit Einsatz von Tränengas gegen die Randalierer vor. Der mazedonische Schiedsrichter Aleksandar Stavrev unterbrach das Match für einige Minuten.

Wie Polizeisprecherin Michaela Rossmann am Donnerstag erklärte, wurden sechs russische Fans leicht verletzt. Sieben Personen wurden noch im Stadion festgenommen. Verletzte unter den Zuschauern - Böller explodierten auch in einem Familiensektor - gab es laut Polizeiangaben keine. Nach dem Spiel wurden die Fangruppen voneinander ferngehalten. Die russischen Anhänger wurden bis zur Grenze begleitet. Zwischenfälle gab es dabei keine.

"Es wird sicher ein Verfahren nach sich ziehen, auch für uns als Veranstalter", meinte Markus Kraetschmer. Wie der Austria-Vorstand betonte, habe es im Vorfeld eine gute Zusammenarbeit mit den Zenit-Verantwortlichen gegeben. Diese haben über den als besonders brutal geltenden Anhang des Vizemeisters aber offenbar keine Kontrolle. "Zenit verurteilt diese Akte des Hooliganismus", ließ der Verein in einer Aussendung wissen. Man werde Stadionsperren aussprechen.

Die Austria schien nach der Partie ratlos. Dass Knallkörper ins Stadion geschmuggelt werden, sei laut Kraetschmer nicht zu verhindern. "Solche Dinge kann man offenbar nie in den Griff bekommen. Vor allem im Winter kann in der Kleidung viel ins Stadion geschmuggelt werden", meinte der Wirtschaftsvorstand, der eine genauere Analyse der Vorkommnisse ankündigte. Zumindest konnte die Partie nach dem Polizeieinsatz zu Ende gehen. "Wenn noch mehr passiert wäre, hätte der Schiedsrichter abgebrochen", verriet Kraetschmer.

"Das ist eine Katastrophe"

Auf dem Spielfeld bekamen die Akteure das Geschehen auf den Rängen mit. "Natürlich haben wir gehört, wie die Böller explodiert sind. In diesen Minuten ist es schwierig, sich auf das Spiel zu konzentrieren", sagte Verteidiger Markus Suttner. Trainer Nenad Bjelica betonte, dass solche Aktionen "auf keinem Fußballplatz der Welt etwas verloren haben. Das ist eine Katastrophe." Sein Gegenüber Luciano Spalletti verurteilte das Verhalten der Auswärtsfans: "Wenn unsere Fans nur zum Randalieren kommen, sollen sie besser zu Hause bleiben. Diese Leute sind unsere Gegner, wir wollen sie nicht sehen."

Nicht erfreut nahm die Austria auch die Greenpeace-Aktion zur Kenntnis. Diese wird ebenfalls eine Geldstrafe nach sich ziehen. Im Oktober musste der FC Basel beispielsweise 30.000 Euro Strafe zahlen, nachdem im Champions-League-Spiel gegen Schalke 04 plötzlich ein riesiges Anti-Gazprom-Transparent vom Stadiondach des St. Jakob Parks entrollt wurde.

"Ich schaue schon lange Champions League, Cheerleader habe ich noch nicht gesehen. Deshalb habe ich mich ein wenig gewundert, als die hereinmarschiert sind. Aber da war es schon zu spät", meinte Kraetschmer. Die Aktion dürfte genau durchgeplant worden sein. Zugang zum Spielfeld erhielten die Aktivisten offenbar durch eine Zusammenarbeit mit zwei bis drei Ordnern.

"Beim Versuch, Daten aufzunehmen, sind Personen offenbar auch in fahrende Autos geflüchtet", berichtete Kraetschmer. Die Austria will nun die Strafe der UEFA abwarten und dann dementsprechend regressieren. Dass Greenpeace vor einem Spiel von Zenit eine Aktion setzt, war zumindest für Heinz Lindner nicht überraschend. "Damit hat man heute rechnen müssen", meinte der Austria-Torhüter.

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