© EPA/PATRIK STOLLARZ / POOL

Sport Fußball
06/27/2020

Bremen vor dem Abstieg: Der Trauermarsch der Stadtmusikanten

Der Glanz von einst ist längst abgefallen. Selbst ein Sieg gegen Köln könnte am Samstag zu wenig für den Klassenerhalt sein.

von Andreas Heidenreich

Die Fakten vorweg: Werder Bremen benötigt in der letzten Bundesliga-Runde nicht nur einen Heimsieg gegen Köln. Die Norddeutschen müssen auf einen Ausrutscher von Fortuna Düsseldorf bei Union Berlin hoffen, um den Abstieg abzuwenden.

Sollte Düsseldorf ein Remis holen, würde die Bremer nur ein Sieg mit vier Toren Differenz auf Platz 16 hieven.

Im Umfeld des Klubs rechnet kaum noch jemand mit dem Ligaverbleib. Mit dem Abstieg würde sich nach jenem des HSV im Jahr 2018 der nächste Dauerbrenner verabschieden.

Bremen ist nicht nur Gründungsmitglied der Bundesliga, sondern auch jener Klub, der seit der Gründung im Jahr 1963 die meisten Saisonen im Oberhaus vertreten war und liegt in der ewigen Tabelle hinter den Bayern und Dortmund auf Platz 3.

Beliebtheitsgrad

Der drohende Abstieg des vierfachen Meisters geht vielen Menschen nahe. Immerhin: Werder ist laut einer Studie (2019) der fünftbeliebteste Klub im Land.

Doch die Talfahrt kommt nicht von ungefähr. Der letzte Titel ist elf Jahre her: 2009 gewann man mit Sebastian Prödl den DFB-Pokal. Im selben Jahr stand man auch im Finale des UEFA-Cups.

Zu den wirtschaftlichen Großklubs zählte man in Deutschland nie. Doch mehr als zwei Jahrzehnte zeichnete man sich in Bremen durch ein besonders gutes Gespür bei Transfers aus. Die Idee war klar: junge Talente, die bei größeren Klubs vermehrt auf der Bank saßen, sollten in Bremen reifen und wieder an größere Klubs verkauft werden.

Schon Otto Rehhagel bewies mehrmals ein gutes Händchen. Nicht nur beim jungen Andreas Herzog, den er 1992 aus Wien holte. Die Tradition führte Klaus Allofs fort. Mesut Özil war nur einer von vielen Volltreffern, die der Manager gelandet hat. Der Edeltechniker wurde 2008 von der Schalker Bank geholt und 2010 an Real Madrid verkauft.

Ende von Allofs und Schaaf

Doch irgendwann hörte die Strategie auf zu funktionieren. Marko Arnautovic, der den gleichen Weg hätte einschlagen sollen, fiel in Bremen eher abseits des Platzes auf und schaffte seinen Durchbruch erst nach dem Wechsel nach England 2013.

Zu diesem Zeitpunkt war Allofs nach einigen Fehlgriffen in Bremen ebenso Geschichte wie Langzeittrainer Thomas Schaaf nach 14 Jahren im Amt.

Seither verbrauchte der Klub in sieben Jahren fünf Trainer. An die Erfolge aus den 1990er- und 2000er-Jahren anschließen konnte man nie. Auch das Aufflackern unter dem aktuellen Coach Florian Kohfeldt, der Bremen 2018 auf Platz elf und 2019 auf Rang acht führte, ist vergessen.

Der deutsche Trainer des Jahres 2018, dem in Bremen kaum jemand die Schuld am Schlamassel gibt, wird bereits mit anderen Klubs in Verbindung gebracht. In Bremen steht ein Neuanfang bevor. Selbst, wenn am Samstag noch ein Wunder geschieht.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.