Joseph Blatter will womöglich doch noch ein paar Jahre als FIFA-Präsident anhängen, berichtet ein Schweizer Medium.

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FIFA
06/14/2015

Blatter schließt Rücktritt vom Rücktritt nicht aus

Die Fußballverbände aus Asien und Afrika wollten verhindern, dass der Schweizer vorzeitig zurücktrete.

Das Tauziehen um das Präsidentenamt im Fußball-Weltverband (FIFA) könnte eine überraschende Wendung nehmen. Laut einem Schweizer Medienbericht soll Amtsinhaber Joseph Blatter einen Rücktritt vom Rücktritt in Erwägung ziehen. Grund dafür sei Zuspruch aus Asien und Afrika. Der Bericht der Zeitung Schweiz am Sonntag beruft sich auf das Umfeld Blatters und hat deutliche Reaktionen hervorgerufen.

Der Vorsitzende der FIFA-Compliance-Kommission lehnt einen Verbleib Blatters im Präsidentenamt ab. "Für mich sind die Reformen das zentrale Thema. Deshalb halte ich es für unverzichtbar, den eingeleiteten Prozess des Präsidiumswechsels wie angekündigt umzusetzen", erklärte Domenico Scala, der in der Krise des Weltverbandes mit der Findung einer neuen Verbandsspitze betraut worden ist.

Blatter-Rücktritt: Chance auf Neustart

Blatter hatte vier Tage nach seiner Wiederwahl am 2. Juni überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Dieser wird formal allerdings erst in einigen Monaten bei einem von Scala organisierten Sonderkongress vollzogen. Verbände aus Asien und Afrika wollen ihn offensichtlich verhindern. Blatter fühle sich von den Unterstützungsbekundungen geehrt und schließe in der Tat nicht aus, im Amt zu bleiben, zitierte Schweiz am Sonntag einen Blatter-nahen Informanten.

Die großen europäischen Verbände, die nicht erst seit den bekanntgewordenen Korruptionsermittlungen gegen hochrangige FIFA-Funktionäre als schärfste Kritiker des 79-jährigen Schweizers gelten, können damit wenig anfangen. "Der von Blatter selbst angekündigte Rücktritt muss jetzt so schnell wie möglich auch formal vollzogen werden", forderte etwa Ralf Köttker, Mediendirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Laut dem Schweizer Rechtsprofessor Mark Pieth, der als Anti-Korruptions-Experte der FIFA mit seinen Reformvorschlägen gescheitert war, müsse der Präsident auf der Stelle gehen. "Blatter kann sich nicht als 'lame duck' für Monate an seinen Job klammern. Es macht keinen Sinn, weiter Zeit zu verschwenden mit politischen Machtspielen", meinte Pieth.

Genau darin ist Blatter aber ein Meister. Zu den Spekulationen wollte sich der Machtmensch selbst nicht äußern, seine Tochter Corinne schloss im Gespräch mit der Schweizer Boulevardzeitung "Blick" aber eine Kehrtwendung aus: "In Anbetracht der Ankündigung meines Vaters vom 2. Juni erübrigt sich jeder weitere Kommentar."

Gegenkandidat?

Gar so abwegig scheint ein Verbleib Blatters dennoch nicht. Von den möglichen Nachfolgern kristallisiert sich noch kein Favorit heraus, der gegen den Amtsinhaber eine Mehrheit erhalten könnte. UEFA-Präsident Michel Platini hat sich noch nicht zu einer möglichen Kandidatur geäußert. Als möglicher Termin für die Neuwahlen gilt der 16. Dezember.

Bis dahin will Blatter selbst Reformen auf den Weg bringen. Der Schweizer war kurz vor den Präsidentschaftswahlen Ende Mai in Zürich wegen der Festnahme mehrerer FIFA-Funktionäre unter Druck geraten, wurde aber dennoch wiedergewählt. Die US-Justiz ermittelt wegen Korruption, Verschwörung sowie organisierten Verbrechens.

Auch wenn gegen Blatter nicht offiziell ermittelt wird, meidet der Schweizer Reisen nach Nordamerika. So bleibt Blatter der laufenden Frauen-WM in Kanada fern. Die FIFA soll sich unterdessen mit Staranwalt Lorenz Erni gegen Milliarden-Klagen in den USA rüsten. Geht es nach Pieth, müsse sofort ein Interimspräsident her, um dem Weltverband nach außen wieder zu mehr Glaubwürdigkeit zu verhelfen.

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