Sport | Fußball
10.08.2018

Austrias Madl: „Salzburg kann sich nur selber schlagen“

Der Abwehrboss spricht über den Samstag-Gegner, die eigenen hohen Erwartungen, den WAC-Selbstfaller und seine Karriere.

Auch nach dem unerwarteten 0:1 beim WAC herrscht im Lager der Austria Aufbruchstimmung. Am Samstag wartet in Salzburg (17 Uhr, live Sky) die erste richtige Bewährungsprobe für die neu formierten Wiener. Zuvor plauderte Abwehrchef Michael Madl noch über die Chancen, seine Karriere und Drucksituationen.

Kurier: Bei der Austria herrscht nach dem Umbau des Teams und dem Einzug ins neue Stadion Aufbruchstimmung. Das bringt auch Erfolgsdruck. Ein Fluch oder Segen?

Michael Madl: Vor allem das neue Stadion ist ein Segen. Wir fühlen uns hier extrem wohl, das haben wir gegen Dortmund und Innsbruck gesehen. Auch die Traininingsbedingungen sind auf einem Top-Niveau. Den Druck bauen wir uns ohnehin selbst auf, wir haben eine hohe Erwartungshaltung.

Und warum soll es besser laufen als in der Vorsaison?

Weil wir nicht nur gute Spieler holten, sondern auch tolle Typen, die menschlich top sind. Zudem spürten wir im Frühjahr auch die Vertragssituation um den Trainer. Das fällt nun weg.

Und nun gab es beim WAC am Sonntag eine 0:1-Niederlage...

Das war freilich bitter, weil wir mit großen Erwartungen hingefahren sind. Und auch wenn es dumm klingt, aber wir haben besser gespielt als beim 2:1-Heimsieg gegen Innsbruck, also einen Schritt nach vorne gemacht. Leider haben wir wir vor die Pausen die vielen Chancen nicht genützt, und was aus einem Standard passieren kann, wissen wir nicht erst seit der WM. Aber wir müssen uns noch verbessern, wenn wir in Rückstand sind.

Heute geht es nach Salzburg, wie sind die Erwartungen?

Salzburg auswärts, da wäre es vermessen zu sagen, wir sind die Favoriten. Aber wir fahren nicht hin, um etwas zu verschenken, glauben an unsere Chance. In 90 Minuten ist viel möglich.

Die Saison dauert etwas länger. Ist Salzburg automatisch wieder Meister?

Die Salzburger können sich im Grunde nur selber schlagen. Die haben fast alle Spieler gehalten, sind noch stärker als in der Vorsaison. Dort wird überragend gearbeitet, in jeder Hinsicht. Aber eine Chance gibt es immer.

Sie sind nun seit Jahresbeginn bei der Austria, mit 30 ein Führungsspieler?

Ich versuche schon den Jungen auf dem Platz und abseits zu helfen. Aber du kannst nur ein Führungsspieler sein, wenn du selbst deine Leistung bringst. Und das geht vor. Aber wir haben einige im Team mit Flo Klein oder Alex Grünwald.

Sie wirken auf dem Platz und auch abseits sehr ruhig, routiniert. Vor etwas mehr als zehn Jahren sorgten Sie aber für Gesprächsstoff, als Sie, damals nach einer Niederlage von Innsbruck gegen Salzburg Schiedsrichter Stuchlik vorwarfen, „der muss sich Wodka ins Red Bull geleert haben.“ Werden Sie heute noch darauf angesprochen?

Ich müsste schmunzeln, wenn ich sagen würde, dass wir heute nicht darüber lächeln. Es war in der Hitze des Gefechts gesagt, nachdem einige Entscheidungen gegen uns gefallen sind. Aber es war ein Fehler, ich habe mich darauf entschuldigt und damit war die Sache abgehakt.

Sie waren danach bei der Austria, Wiener Neustadt, Sturm, Fulham und nun wieder bei den Violetten. Haben Sie irgendeinen Schritt bereut?

Nein, ich konnte überall etwas lernen und mitnehmen. In Wiener Neustadt hatten wir eine Mannschaft, aus der viele jungen Spieler den Sprung schafften. Auch bei Sturm hatte ich eine tolle Zeit. Selbst Fulham war eine wertvolle Erfahrung.

Aber dort sind Sie am Ende nicht mehr zum Einsatz gekommen. Warum?

Einige Zeit lief es gut, dann spielte ich auf einmal nicht mehr. Freilich habe ich nach einer Begründung gesucht, aber der Trainer versicherte mir immer wieder, dass alles in Ordnung sei und ich auf meine Chance warten müsse. Ich bin dann vor dem Vertragsende gegangen.

Sie sind zwar Steirer, aber war es irgendwie ein „Heimkommen“ zur Austria?

Ja, weil ich hier die Akademie gemacht habe und auch länger gespielt habe. Hier habe ich mich sofort wieder wohl und heimisch gefühlt.

Im November durften Sie einmal im Nationalteam spielen. Hoffnung, dass sich ihr Ex-Trainer Franco Foda wieder einmal meldet?

Für jeden Fußballer ist das Nationalteam der Traum. Aber die Konkurrenz ist gerade auf meiner Position immens groß, da muss ich ich mir nichts vormachen.

Haben Sie einen Lebenstraum?

Gesund zu bleiben. Und im Sport habe ich keinen Traum, sondern nur Ziele. Und das sind Spiele zu gewinnen.