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Sport Fußball
08/10/2019

Die Krise der Austria: Keine Tore, keine Ideen, keine Kraft

Trainer Ilzers System greift noch nicht: Nach drei Niederlagen wächst der Druck vor dem Spiel in Mattersburg am Sonntag.

Christian Ilzer konnte einem ein bisserl leid tun. „Jetzt sitze ich hier und muss zum dritten Mal in Folge über eine Niederlage reden.“ Es gibt schönere Dinge, die man sich als Austria-Trainer so vorstellt, die sich er gerne vorgestellt hätte.

Nach der Niederlage bei der WSG Wattens und der Heimpleite gegen den LASK stand die nächste Analyse auf dem Programm, die wenig Freude bereitete. Zwar war beim 1:2 gegen den zyprischen Klub Apollon Limassol im Hinspiel der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League wieder ein Schritt nach vorn bemerkbar, aber ein unwesentlicher. Werden die Schritte nicht bald größer, wird der Weg zur Optimalform noch ein sehr langer.

War man laut Sport-Vorstand Peter Stöger vor der Pause „zumindest ebenbürtig“, zerfiel die Austria nach dem zweiten Gegentor in der 49. Minute. Und sie passte sich den Leistungen der beiden Liga-Spiele an. Woran krankt es bei der Austria?

Mangelnde Kompaktheit

„Wir waren über das gesamte Spiel nicht so kompakt“, sagt Kapitän Alexander Grünwald. Deshalb kam der Leistungseinbruch. Florian Klein, der Austrias Ausgleich per Elfer besiegelte, ging ins Detail: „Wir attackieren vorne, werden einmal überspielt – und dann ist da ein Raum von 20 bis 30 Metern, bis der nächste kommt. So verbrauchst du so viel Kraft.“ Man hatte auch gegen Apollon nicht das Gefühl, dass die Laufwege aufeinander abgestimmt waren. „Wir fielen kräftemäßig in der zweiten Hälfte zurück“, sagt Abwehrchef Michael Madl. „Es reichen kleine Momente, um uns aus dem Konzept zu bringen“, sagt Ilzer.

Unnötige Tore

Besagtes Tor war ein Spiegelbild des derzeitigen Zustandes. Prokop verlor vor dem Sechzehner der Gäste den Ball, dann ging es blitzschnell, Austrias Defensive wurde vom Feinsten ausgekontert. Vor allem Neuzugang Jarjué konnte den Torschützen Gakpé nicht einmal begleiten. Das gesamte Defensivverhalten war nicht europatauglich. Ilzer: „So etwas darf nicht passieren.“

Durchschnittliches Personal

Austrias Erfolgsarmut dauert nun schon saisonübergreifend an. Max Sax und Alon Turgeman sollten nach Verletzungen bald wieder matchtauglich sein, beide sollten der Austria weiterhelfen können. Dennoch ist der Kader in seiner Gesamtheit nicht mehr als Durchschnitt, was nach dem Stadionumbau auch am engen finanziellen Rahmen liegt. Und die herausragenden Spieler wie Grünwald (30), Madl (31) und Klein (32) sind schon im reiferen Alter, Madl ist zudem verletzungsanfällig. Von den Jungen kommt nicht viel nach, Dominik Prokop stagniert. Die Stürmer arbeiten viel, treffen aber wie ihre Kollegen nicht. Zwei Tore in den jüngsten drei Spielen sind zu wenig.

Große Erwartungshaltung

Bei der Austria wird immer mehr erwartet. Ein Arbeiten in Ruhe ist kaum möglich. „Woanders hört man bei Niederlagen eine Stimme, hier hörst du zehn Stimmen“, sagt Ilzer. Den Druck machen sich auch die Spieler selbst. „Das Spiel in Mattersburg ist schon das Spiel des Jahres“, sagt Klein. Der akribische Arbeiter Ilzer weiß, was tun ist: „Ich muss die Spieler aufrichten. Wir müssen die positiven Dinge herausziehen. Aber ja, wir brauchen dringend Siege.“