Arnautovic zwischen Genie und Wahnsinn
Marko Arnautovic bewegt sich oft zwischen Genie und Wahnsinn, so auch dieser Tage beim österreichischen Nationalteam.
Im Trainingslager in Seefeld vermittelte der 23-jährige Wiener phasenweise einen aufreizend lässigen Eindruck, beim 3:2 im Testmatch gegen die Ukraine war er aber mit zwei Toren der gefeierte Matchwinner.
Damit gelang
Österreich gegen den EM-Co-Gastgeber die perfekte Revanche für das unglückliche 1:2 am 15. November 2011 in Lwiw (Lemberg).
Und Arnautovic lieferte mit seinen Teamtoren Nummer sechs und sieben die beste Antwort auf seine enttäuschende Leistung beim 3:1-Sieg Österreichs am 29. Februar 2012 gegen Finnland, bei dem er in Klagenfurt von den rot-weiß-roten Fans gnadenlos ausgepfiffen worden war.
"Ich hoffe, dass jene Fans, die mich in Klagenfurt ausgepfiffen haben, diesmal gut zugeschaut haben. Aber das ist jetzt vergessen", sagte Arnautovic, bei dem die Genugtuung nicht zu überhören war.
"Es ist ein fantastisches Gefühl, wenn man daheim zwei Tore schießt. Noch dazu, wenn das Siegestor in letzter Minute dabei ist", meinte der Mann mit der Rückennummer 7. Teamchef
Marcel Koller verteidigte den Werder-Bremen-Legionär im Trainingslager in Seefeld vehement, als kritische Stimmen über seine Trainingseinstellung aufkamen.
Und Koller hielt Arnautovic auch im Match gegen die Ukraine die Stange. Der Schweizer nahm zahlreiche Spielerwechsel vor, Arnautovic blieb aber trotz einiger schwächerer Aktionen und Phasen auf dem Rasen. Völlig zurecht, wie seine eiskalten Abschlüsse in den Minuten 61 und 89 bewiesen.
Im Schatten von Alaba
Arnautovic, der mit Andreas Ivanschitz immer wieder zwischen rechter und linker Flanke wechselte, bedankte sich nach dem 3:2 mit einer innigen Umarmung und nach Schlusspfiff mit Worten bei
Koller. "Der Trainer ist auf der Seitenoutlinie gestanden und hat mir immer wieder gesagt, dass ich uns zum Sieg führen soll. Zum Glück habe ich den Ball dann so gut erwischt und zum Glück ist er ins Tor gegangen", berichtete Arnautovic.
Seine Leistung gegen die Finnen bezeichnete Arnautovic als "Blackout". "Da wollte mir einfach nichts gelingen. Keine Ahnung, was da los war."
Dass sich in den vergangenen Wochen fast die gesamte mediale Aufmerksamkeit auf David Alaba konzentrierte, tat Arnautovic offensichtlich ganz gut. "David hat es sich verdient, dass er im Mittelpunkt steht. Er hat bei den Bayern eine sehr gute Saison gespielt und ist derzeit der Star bei uns. Natürlich ist es für mich leichter, wenn ich meine Ruhe habe."
Alaba war zum Zeitpunkt des Siegestreffers bereits ausgewechselt, stürmte aber zum Torjubel noch einmal aufs Feld. "Ich freue mich ganz speziell für
Marko. Er hat sich das erarbeitet und verdient", erklärte der Bayern-München-Senkrechtstarter.
Phänomenal
Auch Zlatko Junuzovic, der Torschütze zum 1:0 und wohl beste ÖFB-Akteur an diesem Abend, weiß um die speziellen Fähigkeiten seines Bremen-Kollegen: "Markos Tor zum 3:2 war phänomenal. Das sind genau jene Qualitäten, die er hat. Er muss sie nur öfter umsetzen, das weiß er auch selber. Wenn er das von Spiel zu Spiel abrufen kann, dann wird er ein ganz Großer", meinte Junuzovic.
Sebastian Prödl, neben Arnautovic und Junuzovic
Österreichs dritter aktueller Bremen-Legionär, ist überzeugt, dass sich das (einstige) "Enfant terrible" in der ÖFB-Gruppe gut integriert fühlt. "Wir haben in der vergangenen Woche eine sehr gute Stimmung entwickelt, in der sich auch
Marko sehr wohl fühlt. Das sieht man in jedem Training und das hat man auch im Match bemerken können."
Chefcoach Koller lobte Arnautovic, forderte gleichzeitig aber noch mehr: "Wir wissen, dass Arnautovic noch mehr kann. Deswegen wollen wir ihn auch weiter dabei haben. In der Vergangenheit war nicht alles bei ihm glücklich, das weiß er selbst. Er ist aber erst 23, er braucht noch Zeit. Ich verlange von ihm, dass er solche Situationen wie beim 3:2 kreiert. Wir geben ihm das Vertrauen, dass er solche Aktionen machen kann, und er gibt es uns zurück."
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