Altbekannte Tugenden

Ein Mann mit Brille zeigt mit dem Finger nach vorne.
Durchblick: Österreichs Qualifikations-Gegner Irland hat mich trotz der Niederlage begeistert.

Natürlich habe ich mir den ersten Auftritt der Iren ganz bewusst angesehen, immerhin sind sie in der kommenden WM-Qualifikation unser Gegner. Trotz des 1:3 gegen Kroatien hat mir die Leistung der Iren nicht so schlecht gefallen. Sie haben in diesem Spiel ins Treffen geführt, was sie seit jeher auszeichnet: Eine unglaubliche Laufstärke, gnadenlos in den Zweikämpfen und mächtig bei Kopfballduellen. Die altbekannten britischen Tugenden. Freilich hatten sie ihre Defizite im technischen und koordinativen Bereich, doch das kam für mich auch nicht wirklich überraschend.

Dieser Gegner wird dem österreichischen Team sicher Probleme bereiten, das habe ich als aktiver Spieler trotz einiger Erfolgserlebnisse selbst erfahren müssen. Es hat mich begeistert, wie die Iren am Sonntag auch bei 1:3 bis zum Schluss alles versucht und Torchancen herausgearbeitet haben. Und hätten sie den für mich klaren Elfmeter zugesprochen bekommen, wäre die Chance auf ein Remis groß gewesen.

Schnelles Spiel

Natürlich hat Kroatien das Spiel unterm Strich verdient gewonnen, weil sie ganz einfach die spielerisch bessere Mannschaft waren. Dennoch fielen zwei der drei Gegentore aus Sicht der Iren auf unglückliche Art und Weise. Untypisch, dass sie zwei Kopfballtore hinnehmen mussten. Österreich darf nicht davon ausgehen, dass dies auch uns so leicht gelingen wird.

Wie aber kann Österreich in der Qualifikation für Brasilien 2014 im Kampf um den zweiten Gruppenplatz gegen Irland zum Erfolg kommen? Im Normalfall nicht mit hohen Bällen, wie dies den Kroaten gelungen ist. Die Devise muss lauten, den Ball am Boden zu halten und mit Schnelligkeit in die Tiefe zu spielen. Überraschungsmomente haben die Iren nicht so gern, da können sie ihre sonst vorhandene Ordnung in der Defensive auch leicht verlieren. Ich bin zuversichtlich, dass uns das auch gelingen kann, weil wir zum Beispiel mit Alaba, Junuzovic, Harnik oder Jantscher sehr wohl Spielertypen für schnelle Kombinationen und ein flottes Spiel über die Flanken in den Reihen haben. Da gilt es, die Iren zur Unordnung zu zwingen.

Schweres Spiel

Ich glaube auch, dass die Iren in ihrem zweiten Gruppenspiel gegen die Spanier weit mehr Schwierigkeiten haben werden als die Italiener, die für mich überraschend stark gegen den regierenden Welt- und Europameister aufgetreten sind. Vor allem die riskante Variante mit De Rossi als Abwehrchef ist voll aufgegangen, zudem hat Pirlo bewiesen, dass er immer noch auf diesem Niveau Entscheidendes machen kann.

Gespannt bin ich heute auf das zweite Auftreten der Russen, die gegen die Tschechen begeisternd aufgespielt haben. Aber nach nur einem Spiel ist es schwer ein Urteil zu treffen. Waren die Russen wirklich so gut oder die Tschechen so schwach? Funktioniert das schnelle Spiel in die Tiefe auch gegen Polen, das schon unter Druck steht?

Wir werden sehen.

Mehr zum Thema

  • Bilder

  • Hauptartikel

Kommentare