70 Jahre: Overath feiert ein stilles Wiegenfest
Bloß kein Theater, bloß kein großer Bahnhof. Wolfgang Overath will es nicht so recht wahrhaben, dass er an diesem Sonntag 70 Jahre alt wird. Und man merkt es dem Weltmeister von 1974 auch nicht an: Drahtig wie eh und je, Falten im Gesicht, aber noch immer im Besitz seines einstigen Kampfgewichts von etwa 73 Kilogramm – und noch immer Fußballer voller Leidenschaft. „Fußball ist mein Leben. Ich habe nie ohne ihn gelebt und kann nicht ohne ihn leben“, sagte Overath einmal.
Der Fußball hat für den Leidenschaftlichen jedoch auch Leiden geschaffen. Ganz verwunden hat er es nie, dass er im November 2011, nach sieben Jahren Amtszeit als Präsident seines 1. FC Köln, quasi im Frust zurücktrat oder nach Fan-Anfeindungen möglicherweise sogar zurücktreten musste. Der FC („Er wird immer mein Verein bleiben“) war und ist seine Herzensangelegenheit.
So wie Overath sich dem möglichen Geburtstagsrummel entzieht, war er eigentlich immer: Er ließ sich nie als TV-Experte, Medienkolumnist oder Werbeträger einspannen. Bodenständig, ein Familien-Mann, dem seine Frau Karin, die beiden leiblichen Söhne und die brasilianische Adoptivtochter wichtiger sind als anderes. „Ich stand immer auf der Sonnenseite des Lebens, hatte immer Glück“, pflegt Overath zu sagen, der 1966, 1970 und 1974 an drei Weltmeisterschaften teilnahm.
Für sein Sozialengagement, mit dem er sich Obdachlosen in Siegburg und Köln widmet, erhielt er 2008 das Bundesverdienstkreuz. Fünf Jahre nach dem Erreichen des Rentenalters kann es Overath kaum glauben, dass er schon 70 wird. Doch er ist – nicht nur äußerlich – ein Junger geblieben: Als Hobby-Fußballer ist er ehrgeizig wie zu seinen Glanzzeiten. Der klassische Spielmacher von einst ist und bleibt ein Fanatiker des Hobbys, das ihm so vieles gab: Fußball.
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