23 Teamspieler, 15 Legionäre

Ein Fußballspieler im rot-schwarzen Trikot der österreichischen Nationalmannschaft jongliert mit dem Ball.
Salzburgs Jakob Jantscher übersiedelt nach Moskau. 15 der 23 Teamspieler verdienen ihr Geld in der Fremde.

Am vergangenen Montag hätte Jakob Jantscher eigentlich im Wiener Rathaus den "Bruno" in Empfang nehmen sollen. Den von der Spielergewerkschaft erfunden Preis für den besten Spieler der vergangenen Bundesliga-Saison.

Teamchef Marcel Koller hatte mit einem die Konzentration auf das WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland störenden abendlichen Abstecher keine Freude. Jantscher blieb im Spielerhotel, hatte ohnehin andere Sorgen. Der Transfer zu Dynamo Moskau befand sich in seiner Endphase.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war Jantscher, ein Kind der Internetgeneration, allerdings ziemlich aktiv. Kurz nach der Geisterstund’ wurde er auf seiner Facebook-Fanseite konkret und zum Ex-Salzburger: Nun ist es offiziell, ich habe gerade meinen Vertrag bei Dynamo Moskau unterschrieben.

Jantscher hatte sich schon in der ersten Wochenhälfte in Wien dem medizinischen Check gestellt. Dynamo war zufrieden und man unterzeichnete einen Leihvertrag für ein Jahr, Kaufoption inbegriffen. Entschließt sich Moskau zum endgültigen Erwerb, würde sich der Vertrag um drei Jahre verlängern und eine Kaufsumme von vier Millionen Euro fällig werden.

Abschied

Am Donnerstagvormittag erschien Jantscher nach der Teamtrainingseinheit, die er wegen einer Verkühlung auslassen musste, im Happel-Stadion und erklärte kurz und bündig den künftigen Ortswechsel. Ja, er habe tatsächlich einige stressige Tage hinter sich gebracht. Das fast ein Jahr dauernde Interesse der Russen hat sich aber jetzt bezahlt gemacht.

In Salzburg stand Jantscher zuletzt bei Trainer Roger Schmidt weniger hoch im Kurs. "Bei Salzburg haben ein paar Sachen nicht funktioniert", umschreibt es der 23-Jährige diplomatisch. Er freut sich jedenfalls auf ein neues Land, eine neue Kultur und eine bessere Liga. Über Nacht wurde der Kader der österreichischen Nationalmannschaft also um einen weiteren Legionär erweitert.

Legionärself

Jantscher ist einer von 15 Teamspielern, die im Ausland unter Vertrag stehen. Unabhängig davon wird darüber spekuliert, ob Marcel Koller am kommenden Dienstag erstmals einer vollständigen Legionärself das Vertrauen schenkt. Offen sind demnach die Fragen, ob Christian Fuchs (Schalke) nach dem Mittelfeld-Experiment gegen die Türkei wieder auf den Posten links in der Abwehr zurückkehrt. In diesem Fall würde Austrias Suttner draußen bleiben.

Nicht ganz sicher ist auch, ob Robert Almer, aktueller Ersatzmann bei Düsseldorf, einem zuletzt aktiven Kollegen aus der österreichischen Bundesliga im Tor (Lindner, Gratzei) Platz machen muss.

Der Teamchef zeigte sich jedenfalls mit dem bisher gezeigten Einsatz im Trainingslager einverstanden und erklärte Donnerstagnachmittag und Freitagvormittag zur Freizeit.

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