Sport | Fußball-WM
07.06.2018

Ein kommunistisches Trikot für Brasiliens WM-Superstars?

Um das Trikot der Selecao ist ein politischer Streit entbrannt - eine Aktivistin schlug eine kommunistische Alternative vor.

An sich wollte die Designerin Luisa dos Anjos Cardoso aus der kleinen Stadt Uberlandia im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais doch nur im Sommer bei der WM-Endrunde in Russland ihr Fußball-Nationalteam anfeuern. Doch erschienen ihr die gelben Trikots der "Selecao" politisch korrumpiert. Also entwarf sie ein alternatives Shirt, doch das wurde für Brasiliens Fußballverband (CBF) zum roten Tuch.

Sieht man brasilianische Fußballfans, dann - wohl auch beim freundschaftlichen Länderkampf am Sonntag (16.00 Uhr/live ORF eins) im Ernst-Happel-Stadion in Wien gegen Österreich - dominiert eine Farbe: das Kanariengelb der Trikots des fünfmaligen Weltmeisters. Doch spätestens 2013 haben die Hemden ihre Unschuld verloren. Eine politisch rechte Bewegung, die damals gegen die Regierung protestierte und vor wenigen Wochen zu Kundgebungen für die Inhaftierung von Ex-Präsident Luiz Inacio "Lula" da Silva trommelte, hatte das sportliche Nationalsymbol für ihre Zwecke vereinnahmt. Die Demonstranten trugen mehrheitlich das gelbe Leiberl.

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Das gefiel Luisa nicht. Sie selbst verortet ihre politische Gesinnung eher links, ist eine Befürworterin Lulas und sieht sich durch das nun politisch aufgeladene brasilianische Nationaltrikot nicht mehr repräsentiert, woraus sie auch gar keinen Hehl macht. "Wir wollten auch bei der WM für Brasilien jubeln, doch mit den gelben Trikots geht das für uns nicht", sagt sie der APA. Eine Alternative musste her.

Botschaft für Menschenrechte

"Wir identifizieren uns mit unserer politischen Position", erzählt sie. Und mit ihrem Trikot wolle sie eine Nachricht aussenden, auf der Suche nach einem Land mit weniger sozialer Ungleichheit, mehr Zugang zu den Ressourcen und gleichen Chancen für alle. "Und für Menschenrechte, die den Ärmsten des Landes helfen." Aber auch gegen den "Staatsstreich" gegen Präsidentin Dilma Rousseff - die Ex-Präsidentin wurde 2016 mit abenteuerlichen Argumenten des Amtes enthoben - und der ganzen politischen Verfolgung, "die in unserem Land stattfindet", sagt die 26-Jährige.

Mit ihrer Freundin und Kollegin Marcela Sathler hatte sie eine Idee: Sie entwarf ein rotes Ersatztrikot. Rot ist die Farbe der politischen Linken. Anstelle des Markenlogos des Sportartikelherstellers, platzierte sie rechts auf der Brust Hammer und Sichel. Links ließ sie, wie auch beim Originaltrikot, das Wappen des Fußballverbands CBF. Via Facebook machte sie Werbung für das Trikot, bot es für 45 Reais (knapp 12 Euro) Gleichgesinnten zum Kauf an.

Verband klagte wegen Logo

Die Resonanz war enorm, aber nicht unbedingt so wie erwartet. Neben Begeisterung und Zuspruch erhielt sie auch ein Schreiben einer Anwaltskanzlei. Diese vertritt den Fußballverband CBF und wies Luisa darauf hin, dass sie unerlaubt die Marke des Verbands, also das Logo, für kommerzielle Zwecke nutze. Dieses sei jedoch durch die Ausrüsterfirma Nike markenrechtlich geschützt.

Luisa reagierte, tauschte das CBF-Siegel gegen ein CBD-Siegel, das bis 1971 die gelben Dressen zierte, bis es vom CBF abgelöst wurde. Aber auch das gehe nicht, so die Anwälte. "Der CBF verwies auf ein Exklusivitätsrecht, das Nike besitze und deshalb als Einzige Hemden mit den Wappen, dem heutigen, sowie dem vorherigen, des Fußballverbandes herstellen dürfe", sagt Luisa. Sie kam mit einer Ermahnung und dem Schrecken davon.

Aufgeben will sie aber nicht. "Ich habe viel darüber nachgedacht", gibt sie zu. "Aber ich glaube, ich schulde denjenigen, die auf mich zugekommen sind, ein neues Trikot", sagt sie kämpferisch. Inzwischen ist eine dritte Version in einem Onlineshop zum Kauf angeboten. Anstelle des Verbandswappen gibt es ein unverfängliches Logo, einen " Brasil"-Schriftzug, gerahmt vom Sternen, die an die WM-Titelgewinne Brasiliens erinnern sollen. Doch statt der bisher errungenen fünf Sterne sind sechs abgebildet. In dieser Hoffnung sind sich Rechte wie Linke in Brasilien einig.