Sport | Fußball-WM
20.06.2018

Blatter fühlt sich trotz Suspendierung noch als FIFA-Präsident

Trotz Suspendierung wegen einer dubiosen Zahlung an Michel Platini sieht Sepp Blatter die WM in Russland als "seine" WM.

Der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter hat sich bei seinem Besuch der Fußball-WM in Russland als Chef des Weltverbands bezeichnet. "Ich bin noch immer Präsident, aber eben suspendiert", behauptete Blatter am Mittwoch im russischen Staatssender RT. Der Schweizer ist für insgesamt sechs Jahre noch bis 2021 von allen Fußball-Aktivitäten ausgeschlossen.

Grund war eine dubiose Millionenzahlung an den ehemaligen und ebenfalls gesperrten Chef der Europäischen Fußball-Union (UEFA), Michel Platini, aus dem Jahr 2011. Nach seiner Sperre Ende 2015 habe er eine schwere Zeit durchlebt, sagte Blatter. "Aber ich habe mich erholt. Ich bin nicht traurig, aber auch nicht glücklich." Der 82-Jährige hatte am Mittwoch das Vorrundenspiel zwischen Portugal und Marokko (1:0) im Moskauer Luschniki-Stadion besucht.

Blatter folgt nach eigenen Angaben einer Einladung von Kremlchef Wladimir Putin zum Turnier in Russland. Nach seinem brisanten Tribünenbesuch zog es ihn an der Seite seiner Partnerin Lina Barras schnell in sein Moskauer Luxushotel St. Regis zurück. Davor war er nicht in der Präsidentenloge, sondern auf der Tribüne für Business-Gäste gesessen, bestätigte Blatters Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Im Fernsehen war der gesperrte ehemalige Chef des Weltverbands aber wohlweislich nicht zu sehen.

Kein Treffen mit Putin geplant

Auch Gianni Infantino, Blatters Nachfolger als Weltverbands-Chef, war laut offizieller FIFA-Gästeliste in der Arena. Ob es auf den teuren Plätzen zu einem Wiedersehen kam, blieb jedoch zunächst im Geheimen.

Er sehe die WM in Russland auch ein bisschen als seine Weltmeisterschaft an, sagte Blatter. Bei der Vergabe vor acht Jahren war er noch im Amt, damals standen er und Putin Seite an Seite. Ein Treffen von Putin mit Blatter schloss der Kreml für dessen Zeit in Russland nun nicht ausdrücklich aus. Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte aber der Agentur Tass zufolge am Mittwoch, Blatter sei zu einem privaten Besuch in Russland. Ein offizielles Treffen sei daher nicht vorgesehen.

Der Besuch eines WM-Spiels ist Blatter trotz seiner Sperre nach derzeitiger Auslegung der FIFA-Statuten nicht untersagt. Der langjährige FIFA-Chef war am Dienstagabend in Moskau angekommen, am Freitag will er in St. Petersburg das Duell von Rekordweltmeister Brasilien mit Costa Rica verfolgen.